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Dresden liegt bei Kindswohlgefährdungen über dem Landesschnitt

Jugendhilfe Dresden liegt bei Kindswohlgefährdungen über dem Landesschnitt

In Dresden werden häufiger Kindswohlgefährdungen gemeldet als im Landesdurchschnitt und es besteht auch häufiger tatsächlicher Handlungsbedarf. Aus Sicht des Jugendamtes liegt das auch am sensiblen Umgang mit der Materie.

In der sächsischen Landeshauptstadt werden häufiger Kindswohlgefährdungen gemeldet als im Landesdurchschnitt .
 

Quelle: dpa-Zentralbild

Dresden.  In der sächsischen Landeshauptstadt werden häufiger Kindswohlgefährdungen gemeldet als im Landesdurchschnitt und es besteht auch häufiger tatsächlicher Handlungsbedarf. Das geht aus Angaben der Kommunalen Statistikstelle hervor, die jetzt vorgelegt worden sind und sich auf eine Totalauswertung bei den Jugendämtern in Sachsen im Jahr 2015 beziehen.

Die Grafik zeigt, wie sich die Meldungen über einen Verdacht der Kindswohlgefährdung in Dresden zusammensetzen.

Die Grafik zeigt, wie sich die Meldungen über einen Verdacht der Kindswohlgefährdung in Dresden zusammensetzen.

Quelle: Grafik: Eylert

Demnach gab es in Dresden 1879 sogenannte Gefährdungsmeldungen, das entspricht 22,7 Fällen pro 1000 Einwohnern im Alter zwischen 0 und 18 Jahren. Landesweit waren es 5826 Meldungen, das sind 9,5 Fälle pro 1000 Jungeinwohner. In 1524 Fällen in der Landeshauptstadt ergab eine erste Prüfung, dass tatsächlich behördlich eingegriffen werden muss. Das war damit in 18,4 Fällen pro 1000 Jungeinwohner notwendig. Auch dieser Wert liegt deutlich über dem Landesschnitt. Sachsenweit musste in 4354 Fällen eingegriffen werden (7,1 pro 1000 Jungeinwohner). Etwa ein Drittel der Fälle wurden damit allein in der Landeshauptstadt registriert.

Ursachen in demographischer Entwicklung und Sensibilität für das Thema

Für Claus Lippmann, Leiter des Jugendamtes in Dresden, hat die Entwicklung verschiedene Ursachen, die nicht unwesentlich auch im offensiven Umgang mit dem Thema zu finden sind. Nach seinen Angaben ist in Dresden die Anzahl der jungen Menschen zwischen 0 und 17 Jahren durch Geburtenanstieg und Zuzug von Familien kontinuierlich gestiegen. „Damit steigt auch der prozentuale Anteil der möglichen Meldungen im Vergleich zu den Jahren vor 2015 an.“ Zudem würden seit Jahren in Bussen und Bahnen der Verkehrsbetriebe, über Flyer, durch Vorträge in Schulen und vielen öffentlichen Einrichtungen regelmäßig Themen des Kinderschutzes durch das Jugendamt vermittelt. Lippmann vermutet, dass auch der rund um die Uhr besetzte Kinderschutznotruf zur zusätzlichen Sensibilisierung der Bevölkerung beiträgt und das Meldeverhalten bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung unterstützt. In Dresden sei neben der sensibilisierten Bevölkerung auch eine hoch qualifizierte fachliche Öffentlichkeit wie Ärzte, Lehrer, Psychologen, Kindererzieher in Fragen des Kinderschutzes aktiv in Netzwerken und Kooperationen verknüpft.

Bei den Gefährdungsmeldungen reagiert das Jugendamt mit Erziehungshilfe oder Erziehungsberatung. Nur in 8,3 Prozent der Fälle war es notwendig, den Minderjährigen mit einer sogenannten Inobhutnahme dem Einfluss seines Umfeldes zu entziehen.

In Dresden würden sehr qualifizierte Gefährdungsmeldungen das Jugendamt erreichen, erklärte Lippmann. Bundesweit bestätigt sich bei rund 32 Prozent aller Meldungen über Kindswohlgefährdungen nach sozialpädagogischer Prüfung der Verdacht nicht. In Dresden waren in den vergangenen Jahren nur etwa 10 Prozent aller Meldungen Fehlalarm. Zunehmende Erfahrung und der Eindruck von medial vermittelten Vorfällen in anderen Jugendämtern dürfte bei den Verwaltungsmitarbeitern zu einer kritischeren Haltung und zu erhöhter Wachsamkeit geführt haben, heißt es.

Fehlalarm bei anonyme Meldungen am häufigsten

Mit 99,2 und 96 Prozent der Meldungen bestätigten sich die meisten Fälle, die von Einrichtungen der Erziehungshilfe oder von Einrichtungen der Jugendarbeit angezeigt wurden. Hoch sind die Quoten auch bei Verwandten (94,3 Prozent), den Minderjährigen selbst (100 Prozent) oder Kitas und Hebammen (jeweils rund 84 Prozent). Deutlich geringer sind die Quoten dann schon bei Polizei, Gerichten und Staatsanwaltschaft. Von 213 gemeldeten Fällen gab es letztlich in 162 (76,1 Prozent) tatsächlich Handlungsbedarf. Bei anonymen Meldungen war die Quote 232 Fällen und 146 Bestätigungen mit 62,9 Prozent am geringsten.

Von den 1524 Fällen mit Handlungsbedarf lag in 295 Fällen akute und in 815 latente Kindswohlgefährdung vor. Dabei geht es größtenteils um Vernachlässigung (68,1 Prozent), psychische Misshandlung (15,0 Prozent), körperliche Misshandlung (14,4 Prozent) und sexuelle Gewalt (2,6 Prozent). Das Durchschnittsalter der betroffenen Kinder bewegt sich zwischen 6,5 Jahren (Vernachlässigung) und 7,7 Jahren (psychische Misshandlung). Das Durchschnittsalter lag bei 6,7 Jahren. Bei 769 Jungen und 755 Mädchen sehen die Statistiker keine geschlechterspezifischen Besonderheiten. Bei etwa der Hälfte der Meldungen waren die Kinder oder Jugendlichen dem Jugendamt schon bekannt, weil sie oder die Familien bereits Hilfen in Anspruch genommen haben.

Hintergrund

Eine Kindeswohlgefährdung liegt vor, wenn als Ergebnis der Gefährdungseinschätzung eine Situation bejaht wurde, in der eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes/Jugendlichen bereits eingetreten ist oder mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten ist und diese Situation von den Sorgeberechtigten nicht abgewendet wird oder werden kann.

Kann die Frage nach der gegenwärtig tatsächlich bestehenden Gefahr nicht eindeutig beantwortet werden, besteht aber der Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung bzw. kann eine Kindeswohlgefährdung nicht ausgeschlossen werden, ist von einer latenten Kindeswohlgefährdung auszugehen.

Der Kinderschutznotruf für Kinder und Jugendliche, die Hilfe brauchen oder für Bürger, die sich Sorgen um ein Kind machen, ist rund um die Uhr erreichbar unter 0351-2 75 40 04.

Mit 177 Meldungen mit Handlungsbedarf entfielen die meisten Fälle des Verdachts der Kindswohlgefährdung auf Kinder im Säuglingsalter. Lippmann begründete dies damit, dass bei Säuglingen „die Verwundbarkeit bereits bei geringen Anlässen lebensgefährlich sein kann“. Deshalb sei in Dresden über die Bundesinitiative „Frühe Hilfen-Kinderschutz“ ein dichtes Netzwerk entwickelt worden, dass mit einem speziellen Blick auf Kleinkinder im Medizinischen Bereich sehr gut greife. Vor dem Hintergrund, dass diese Altersgruppe nicht eigenständig Hilfebedarf artikulieren kann, würden die Fälle besonders streng bewertet, vor allem wenn der Suchtmittelkonsum der Eltern eine Rolle spiele. Der Handlungsbedarf für das Jugendamt erscheint geradezu erschütternd schlicht: „Oft sind die jungen Eltern zu sensibilisieren und zu befähigen, die Bedürfnisse ihres Kindes angemessen wahr zu nehmen und umzusetzen.“

Von Ingolf Pleil

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