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„Dresden ist jetzt als Ziel möglich“

Bombenangriffe am 13. und 14. Februar 1945 „Dresden ist jetzt als Ziel möglich“

Beim Angriff der deutschen Luftwaffe auf Warschau 1939 ging es um „weitgehende Zerstörung in den dicht besiedelten Stadtteilen“. Die alliierten Mächte nahmen bei ihren Angriffen auf wirtschaftlich relevante Ziele tote Zivilisten als „unvermeidlich“ in Kauf. Für Dresden waren die Unterschiede irrelevant. Denn die Briten streben nach Vergeltung.

In der Nacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 wurde das Zentrum von Dresden durch alliierte Bombenangriffe zerstört. Zivile Opfer galten als unvermeidlich.
 

Quelle: SLUB Dresden/ Deutsche Fotothek

Dresden, . In der Nacht zum 1. September 1939 reißen brummende Motoren, heulende Sirenen und Explosionen die Einwohner der polnischen Kleinstadt Wielun aus dem Schlaf. Hunderte von ihnen erleiden einen jähen Bombentod, weitere werden schwer verletzt oder verkrüppeln. Medizinische Hilfe ist kaum möglich, denn die ersten Bomben haben das kleine Krankenhaus getroffen. In insgesamt drei Angriffen zerstören Sturzkampfbomber der deutschen Luftwaffe 70 Prozent der Stadt. Mit diesem Flächenbombardement entfesselt das „Dritte Reich“ den Zweiten Weltkrieg, der am 13./14. Februar 1945 schließlich auch die Stadt Dresden trifft.

Die Einstellung der Luftwaffe zu einem solchen Bombenkrieg offenbart der Befehl vom 10. September 1939 zum Luftangriff auf Warschau: „Der Angriff ist als Vergeltung der an den deutschen Soldaten verübten Verbrechen anzusehen. Es kommt darauf an, bei dem 1. Angriff weitgehende Zerstörung in den dicht besiedelten Stadtteilen zu erreichen.“ Der zuständige Fliegerführer Wolfram v. Richthofen, mit dieser Art des Luftkriegs als Stabschef der „Legion Condor“ seit der Zerstörung Guernicas wohlvertraut, beantragt „dringend letzte Möglichkeit von Brand- und Terrorangriff als groß angelegten Versuch auszunutzen [...] Falls Fliegerführer damit beauftragt, wird mit allen Kräften völlige Tilgung Warschaus angestrebt, umso mehr, da in Zukunft nur Grenzzollamt.“

Das Ziel des Luftkriegs: Die Erschütterung der Willenskraft und Moral

Die Völkerrechtsexperten in den Haag haben sich bis zum Kriegsbeginn 1939 nicht auf Regelungen für einen Luftkrieg einigen können. Die Einsatzgrundsätze des strategischen Luftkriegs der US Army Air Force sehen Bombenabwürfe lediglich auf ausgewählte und begrenzte Ziele der Wirtschaft und Industrie vor, um die Fähigkeit des Gegners zur Kriegführung zu treffen. Ihre Luftangriffe auf Deutschland erfolgen tagsüber in dichtem Verband mit Jagdbegleitschutz sowie in großer Höhe. Dass solche Angriffe, bei denen die Besatzungen die Bomben häufig ohne Zielsicht oberhalb der Wolkendecke auslösen, auch die Zivilbevölkerung treffen, wird als unvermeidlich in Kauf genommen.

Anders als die USA verfügt Großbritannien nach den Bombenabwürfen durch deutsche Zeppeline und Bomber auf London bereits seit dem Ersten Weltkrieg über entsprechende Luftkriegserfahrungen. Seit ihrer Gründung im April 1918 gilt für die Royal Air Force als wesentlicher Erfolg eines strategischen Luftkriegs die Erschütterung der Willenskraft und Moral einer gegnerischen Bevölkerung. Diese soll mit während der Nacht durchgeführten Bombenabwürfen demoralisiert, bestraft und schließlich zu der Einsicht gebracht werden, ihre politische Führung zur Einstellung der Kriegshandlungen zu veranlassen. Nach Beginn des Krieges kommt es allerdings zunächst nur kleineren taktischen Luftangriffen auf militärische Ziele im deutschen Reichsgebiet.

Auf Weisung Premierminister Churchills und des Kriegskabinetts erprobt das britische Bomber Command erstmals im Dezember 1940 die Wirkung eines Flächenbombardements mit Brand- und Sprengbomben auf ein dicht bebautes und dicht besiedeltes deutsches Stadtzentrum. Dieser Angriff auf die Stadt Mannheim gilt als Vergeltung für deutsche Angriffe auf Coventry, die Stadt war im November von der Luftwaffe zu 80 Prozent zerstört worden, sowie auf Southampton. Viele deutsche Städte haben eine jahrhundertlange Geschichte. Sie spiegelt sich in ihren Stadtbildern, so etwa in den romanischen Kirchen Kölns oder in den barocken Bauten Dresdens. Zwar erfolgt keine Auswahl von deutschen Kulturdenkmälern als spezielle Ziele für Bombenangriffe, dennoch werden zahllose von ihnen am Kriegsende in Schutt und Asche liegen. Der heute für solche Zerstörungen genutzte, zynisch anmutende Begriff lautet „Kollateralschaden“.

Die Royal Air Force regt Angriffe auf sächsische Städte an

Die über Mannheim gemachten Erfahrungen veranlassen die britische Seite bei künftigen Luftangriffen auf deutsche Städte zur Massierung von Bombern in großen „Bomberströmen“ sowie zur ständigen Verbesserung von Markierungsmitteln für die nächtliche Zielerkennung. In den folgenden Kriegsjahren fliegen amerikanische Bomber zahllose Luftangriffe auf kriegswichtige Industrien, und britische Bomber greifen dicht besiedelte deutsche Innenstädte an.

Am 21. Januar 1945 erreichen die sowjetischen Truppen nördlich und südlich von Breslau die Oder. Für ihr Vordringen auf das Gebiet des Deutschen Reichs erwartet die Anti-Hitler-Koalition sowohl im Westen als auch im Osten noch längere und verlustreiche Kämpfe, daher sollen weitere Luftangriffe, zunächst im Westen, den Vormarsch erleichtern. So kommt es im Frühjahr 1945 zu zahlreichen schweren Luftangriffen: Neben militärischen und industriellen Zielen treffen große Flächenbombardements nicht nur Dresden, sondern auch am 16. März Würzburg, am 22. März Hildesheim, am 27. März Paderborn, am 8. April Halberstadt, am 14./15. April Potsdam und am 3. Mai Kiel.

Nachdrücklich erneuert Anfang Februar auf der Konferenz von Jalta der stellvertretende sowjetische Generalstabschef Antonov den sowjetischen Wunsch nach Luftangriffen auf Verschiebebahnhöfe in Berlin und Leipzig. Zerstört werden sollen Eisenbahnverbindungen, die es den Deutschen noch ermöglichen könnten, Truppen etwa aus Italien oder aus Norwegen an die Ostfront zu verlegen. Tatsächlich befinden sich zu diesem Zeitpunkt noch etwa 2,5 Millionen kampferprobte deutsche Soldaten außerhalb der Reichsgrenzen.

Die Royal Air Force hat bereits, neben einem eventuellen Großangriff auf Berlin und der Fortführung der Zerstörung von Treibstoffwerken, Angriffe auf die Städte Dresden, Leipzig und Chemnitz angeregt. Mit Hilfe solcher Angriffe ließen sich, so ihre Überlegungen, im Osten sowohl Verwirrung bei der deutschen Evakuierung vor der sowjetischen Front stiften, als auch die von sowjetischer Seite befürchtete Verlegung deutscher Truppen von West nach Ost verhindern. Auf Nachfrage bestätigt das britische Luftfahrtministerium dem Bomber Command, dass Dresden jetzt als Ziel möglich sei, und ein Angriff auf die Stadt bei der ersten günstigen Gelegenheit erfolgen solle.

Dresdner Bahnhöfe sind Angriffsziele

An diesem Angriff soll sich die 8. US-Luftflotte beteiligen. Allerdings macht deren Kommandeur General Spaatz deutlich, dass er seinen Verbänden lediglich den Befehl zur Bombardierung von Verkehrs- und Verbindungszielen erteilt. Dresden verfügt über den drittgrößten Eisenbahnumschlagplatz Deutschlands. Die Angriffsziele der amerikanischen Bomber sind deshalb der Hauptbahnhof, der Bahnhof Neustadt sowie der Güter-Rangierbahnhof in Dresden-Friedrichstadt, während das Ziel für die Royal Air Force die Dresdner Innenstadt ist. Das sowjetische Oberkommando erhält am 8. Februar 1945 lediglich die Zielliste der 8. US-Luftflotte und hat an dieser nichts zu beanstanden. Sie äußert ebenfalls keine Bedenken, als ihr die Angriffspläne der amerikanischen Bomber auf den Güter-Rangierbahnhof für den 13. Februar, und dann die Verschiebung dieses Angriffs wegen schlechten Wetters auf den folgenden Tag angekündigt werden.

Die Schrecken eines, erstmals bereits bei Beginn des Krieges von der deutschen Luftwaffe durchgeführten Flächenbombardements, erreichen am 13. und 14. Februar 1945 mit einem ebensolchen „Area Bombing“ Dresden. Die von anglo-amerikanischen Maschinen abgeworfenen Brand- und Sprengbomben töten etwa 25 000 Menschen, und sie zerstören die historische Innenstadt mit ihren Kunstdenkmälern. Die traumatische Erfahrung, das unendliche Leid der Menschen, die dieses Inferno erdulden müssen, lassen sich nicht in Worte fassen.

Von Prof. Dr. Reiner Pommerin, Historiker

Lesen Sie am Mittwoch Teil 2 der Betrachtungen von Prof. Pommerin zum 13. Februar. Dann geht es um das Gedenken an die Bombardierung und seine Instrumentalisierung über die Jahrzehnte hinweg bis heute.

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