Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Dresden ist ein Zukunftslabor für Nahverkehr
Dresden Lokales Dresden ist ein Zukunftslabor für Nahverkehr
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
07:49 07.09.2018
Ein Elektro-Bus der DVB am Dresdner Flughafen. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Invalidenstraße 44, Berlin – die Adresse des Bundesverkehrsministeriums dürften einige Mitarbeiter der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) inzwischen im Schlaf aufsagen können. So auch Andreas Hemmersbach, bei den DVB Vorstand für Technik und Finanzen. „Wir erhalten aus dem Bundesverkehrsministerium jetzt häufiger Fördergeld und Verkehrsminister Andreas Scheuer legt Wert darauf, uns die Bescheide persönlich zu übergeben“, sagt er. Dabei gehe es anders, als man das bisher bei den Verkehrsbetrieben kennt, nicht um Fördermillionen für die Sanierung maroder Gleise oder den Bau einer neuen Trasse. Wenn Bundesverkehrsminister Scheuer einlädt, geht es um die Zukunft des Nahverkehrs.

„Es ist gut, dass Innovationen im Verkehrsministerium einen solch hohen Stellenwert besitzen“, sagt DVB-Vorstand Hemmersbach. Was er vornehmerweise nicht sagt: Gut ist auch, dass Dresden als Labor dient. Die Projekte, für die es mal große, mal kleine Fördersummen gibt, sind dabei sehr unterschiedlich. Beispiel Mobilitätspunkte: 75 solcher Orte, an denen verschiedene Mobilitätsformen zusammenkommen und der leichte Umstieg von Bus und Bahn etwa auf Leihfahrrad oder ein Leihauto möglich sein soll, sind in Dresden geplant. Der erste wird Ende September im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche auf dem Pirnaischen Platz eingeweiht.

Dafür gab es auch Geld aus Berlin. Insgesamt 400 000 Euro, die allerdings nicht für den Bau von Fahrradstellplätzen und Elektroladesäulen ausgegeben werden dürfen, sondern für „den Aufbau einer Informations- und Vertriebsplattform“, wie Vorstand Hemmersbach sagt. Gedacht ist dabei sowohl an die eigene Smartphone-App „DVB mobil“, die in der Verbindungsauskunft künftig auch Möglichkeiten vorschlagen könnte, wie man Wege neben dem Nahverkehr auch mit Fahrrad oder Leihauto beziehungsweise einer Kombination dieser Verkehrsmittel zurücklegen könnte. Umstieg wäre dann an einem geeigneten Mobilitätspunkt. Allerdings gibt es auch überregionale Anbieter, die für so etwas Lösungen anbieten. „Wir fahren im Moment zweigleisig“, sagt DVB-Vorstand Hemmersbach. Es sei wichtig, die eigene App nicht zu überfrachten und offen für Nutzer zu sein, die aus anderen Städten als Geschäftsreisende oder Touristen nach Dresden kommen. Klar ist in jedem Fall: Wer deutlich erklärt, was ein Netz von Mobilitätspunkten kann, erhöht die Chancen, dass es auch genutzt wird.

Weiteres Geld aus Berlin gab es für die DFIs, wie es bei den Verkehrsbetrieben kurz heißt. Gemeint ist die dynamische Fahrgastinformation – also die Abfahrtsanzeige in Echtzeit an der Haltestelle. Bedeutende Haltestellen und Umsteigepunkte sind seit Längerem damit ausgestattet, in einer zweiten Welle verteilen die DVB sparsamere Anzeigen an weniger bedeutenden Haltestellen, die von einer oder zwei Linien bedient werden, zuletzt etwa entlang der Linie 4. Nun steigt auch dort der Komfort durch eine verlässliche Informationsgabe, 120 neue DFIs gehören zum Förderprogramm.

Außerdem arbeiten die DVB an der eigenen Elektrifizierung. Auch das fördert man in Berlin. 60 000 Euro gibt es für acht neue Fahrzeuge, die allerdings nicht zur Fahrgastbeförderung gedacht sind. Es handelt sich um Wirtschaftsfahrzeuge, etwa ein Postauto oder das Dienstfahrzeug für einen Bauleiter, die in den Betriebshöfen Trachenberge und Gruna sowie am Hohenthalplatz beim Center Infrastruktur stationiert sind.

Warum fließt das Geld nicht in eine Elektrobusflotte? „Dafür gibt es auch eine Förderung, 40 Prozent der Mehrkosten für die Anschaffung“, sagt DVB-Vorstand Hemmersbach. Allerdings: Serienreife haben derzeit nur Standardbusse erreicht. „Wir werden uns auch an einem solchen Programm beteiligen, wollen weiter Erfahrung mit Elektrobussen sammeln“, sagt Hemmersbach deshalb zwar. Aber 80 Prozent der in Dresden eingesetzten Busse sind Gelenkbusse – der Standardbus ist für die meisten Linien nicht groß genug. So kommen neben der Linie 79, wo derzeit ein Elektrobus fährt, am ehesten noch die Linien 74, 81 und 90 infrage, wo die DVB elektronische Antriebssysteme im Regelbetrieb ausprobieren wollen. „Da geht es zum Beispiel auch um das Lademanagement“, sagt Hemmersbach. Die im Kleinen gesammelten Erfahrungen sollen sich als wertvoll erweisen, wenn endlich passende Technik verfügbar ist und das Thema für Dresden bedeutender wird. „Wir müssen an die Zukunft denken“, sagt Hemmersbach. An der Invalidenstraße in Berlin wird man das gern hören.

Von Uwe Hofmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

1893 – und zwar am 8. September – erschien in Dresden zum ersten Mal die Tageszeitung „Neueste Nachrichten“. Nur wenig später wurde sie in „Dresdner Neueste Nachrichten“ umbenannt. Das Jubiläum nehmen wir zum Anlass, zurückzuschauen in die Geschichte Dresdens, Deutschlands und der Welt. Heute widmen wir uns dem Jahr 1964.

11.09.2018

Ein kleines Grundstück auf dem Ferdinandplatz befindet sich in privater Hand. Die Stadt muss die Fläche unbedingt besitzen, um das neue Verwaltungszentrum zu bauen. Das macht den Grundstückseigentümer glücklich.

07.09.2018
Lokales Dresden soll Verstärker und Lautsprecher verbieten - Schluss mit lärmender Straßenmusik

Kaum ein Straßenmusiker kommt noch ohne elektronische Hilfe aus: An allen Ecken und Enden der Stadt lärmt es aus Lautsprechern. Der Petitionsausschuss des Stadtrats will den Lärm drosseln. Die Linken sind dagegen.

06.09.2018