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Dresden ist ein Magnet für Planer: Städtebaulicher Ruf und reges Baugeschehen führen zu hoher Architektendichte

Dresden ist ein Magnet für Planer: Städtebaulicher Ruf und reges Baugeschehen führen zu hoher Architektendichte

Dresden gehört für Architekten zu den attraktivsten Pflastern in Deutschland: Stadt, Land, aber auch private Auftraggeber bauen, was die Kassen hergeben.

Zudem hat die sächsische Landeshauptstadt seit jeher den Nimbus eines besonderen städteplanerischen Anspruchs. Und es gibt hier relativ viele Ausbildungsgänge für Nachwuchs-Planer. Daher hat Dresden auch eine der höchsten Architektendichten bundesweit - aber auch die wohl heftigste Diskussionskultur um Stadtplanung.

"Der Konkurrenzdruck ist hoch", sagt Rudolf Klinkenbusch, der in der Architektenkammer Sachsen der Gruppe Dresden vorsteht. Doch trotz der hohen Dichte ihrer Berufsgruppe in der Stadt kämen heute die meisten Architekten über die Runden - "anders als noch vor ein paar Jahren, als einige Büros zeitweise gar keine Aufträge mehr hatten".

Insgesamt sind in Dresden laut Kammer-Angaben 1056 Architekten, Innenarchitekten, Garten- und Landschaftsarchitekten und Stadtplaner tätig, Tendenz: steigend. Kommen deutschlandweit auf einen Architekten 645 Einwohner, ist es in Dresden einer pro 497 Einwohner. Diese hohe Architektendichte der sächsischen Landeshauptstadt wird nur von wenigen Metropolen wie Hamburg (1:400) oder Berlin (1:438) übertroffen.

Dass die Stadt im Elbtal Architekten und Baumeister ganz besonders anzieht, sei keine neue Geschichte, betont Klinkenbusch, der selbst ein Architekturbüro in der Dresdner Neustadt leitet. "Die Berichte über den besonderen städtebaulichen Ruf Dresdens reichen bis ins 16./17. Jahrhundert zurück, man denke nur an den Zuzug italienischer Baumeister." Und dieser zunächst durch den kurfürstlich-königlichen Hof finanzierte und geformte Selbstanspruch, besonders "schön" und anspruchsvoll zu bauen, sei in den folgenden Jahrhunderten über das wohlhabende Bürgertum in die gesamte Einwohnerschaft Dresdens diffundiert. "Wenn in anderen Städten Mietskasernen gebaut wurden, entstanden in Dresden Villenviertel", sagt Klinkenbusch. "Hier verstand und versteht sich ja fast jedes Haus als Villa."

Wohl einzigartige Streitkultur um das Bauen

Und dieses Selbstverständnis des "Schöner Wohnens" präge bis heute die gesamte Diskussionskultur in der Stadt, ergänzt der Striesener Architekt Ludger Kilian, der beispielsweise das busartige Technikum für das Fraunhofer-Verkehrsinstitut IVI entwarf: "So intensiv wie hier engagiert sich die Bürgerschaft in kaum einer anderen Kommune an städtebaulichen Diskussionen", meint er. "Ich halte dies für ein Dresden-Spezifikum, das - zusammen mit dem regen Baugeschehen - als anziehende Herausforderung von Architekten wahrgenommen wird."

Wie heftig hier über neue Projekte diskutiert, wie viel aber auch tatsächlich aus dem Boden gestampft werde, sei in der Tat bemerkenswert, findet auch Architekt Alexander Pötzsch, der mit Gleichgesinnten vor knapp drei Jahren die Vereinigung "Zeitgenossen" gründete, um den Dresdnern auch moderne Architektur schmackhaft zu machen. "Hier haben sich seit der politischen Wende in einem enormen Tempo ganze Quartiere grundlegend verändert, man denke nur an den Neumarkt", sagt er.

Zu kurz kommt indes nach Meinung der "Zeitgenossen" die "qualitätvolle moderne Architektur" in Dresden weg, immer wieder würden solche Projekte zerredet. "Und ich spreche hier nicht über Kastenbauten in Investoren-Architekturbauweise, sondern den Anspruch, Dresdner Baukultur anspruchsvoll in die Zukunft fortzuschreiben."

Unter anderem deshalb fordern die "Zeitgenossen", in Dresden einen "Gestaltungsbeirat" einzurichten, der Räte und Verwaltung bei der Vergabe öffentlicher Aufträge neutral berät. Daher sollten dort nur Architekten und andere Experten berufen werden, die selbst bei der Vergabe nicht zum Zuge kommen dürfen. "Ich denke da an externe Experten, die einen Blick von außen einbringen, den Diskurs zwischen Laien und Architekten vermitteln und nicht zuletzt mit ihrer Fachexpertise auch die Stadtverwaltung und den Bauausschuss entlasten könnten", argumentiert Pötzsch. Zudem nutze die Stadt noch viel zu wenig das Mittel des freien Architekten-Wettbewerbs für ihre Bauprojekte , sagt Pötzschs Mit-"Zeitgenosse" Ludger Kilian: "Dies könnte oft zu besseren, interessanteren Lösungen führen."

Verdienen im Umland, Wohnen in Dresden

Und gerade öffentliche Vorhaben stellen in Dresden immer noch das Gros des Baugeschehens. "Ich schätze, dass derzeit etwa 70 Prozent der Architekturaufträge aus dem öffentlichen Sektor kommen", meint Klinkenbusch. Dazu gehören die aktuellen Schul- und Kita-Bauprogramme der Stadt, der Hochschul-Bau des Landes und dergleichen mehr.

Allerdings werde in Zukunft dieser Anteil des öffentlichen Sektor sinken, ist sich der Kammergruppen-Vorsitzende sicher. "Der private Wohnungsbau zum Beispiel nimmt seit einiger Zeit zu, vor allem geprägt durch relativ große lokale Investoren wie USD oder Baywobau." Aber auch Genossenschaften seien aktiver geworden. Dies gelte auch für auswärtige Bauherren, die nun zunehmend für wohlhabend gewordene Unternehmer aus dem weiteren Umland Eigentumswohnungen und Häuser in Dresden errichten. "Die verdienen ihr Geld zum Beispiel in Riesa", sagt Klinkenbusch über diese Klientel. "Aber wohnen wollen sie lieber in Dresden."

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 16.09.2013

Weckbrodt, Heiko

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