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Lokales Dresden hat derzeit viele heiße Jobs – und mindestens einen coolen
Dresden Lokales Dresden hat derzeit viele heiße Jobs – und mindestens einen coolen
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11:31 26.07.2018
Josef Gogolkok bei seiner aktuellen Hauptaufgabe, nicht nur im Tropenhaus: Mit mehreren Tausend Litern Wasser pro Tag gießt er die Pflanzen. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Hitzefrei – welch wohlige Erinnerungen an die Kindheit. In der Erwachsenenwelt angekommen, muss aber auch an heißen Tagen fleißig gearbeitet werden. Die DNN-Reporterinnen Tomke Giedigkeit und Katharina Jakob haben fünf Dresdner in ihrem Job besucht, die auch heute wieder bei über 30 Grad arbeiten werden. Zu heiß? Dann wäre vielleicht ein Job im Kühllager das Richtige...

Hitzealarm im Tropenhaus

Selbst den Tropenpflanzen ist es in Dresden gerade zu heiß: Unter der Decke des Tropenhauses im Botanischen Garten herrschen bis zu 50 Grad. Die Luftfeuchtigkeit sinkt auf 80 Prozent, die Spitzen einiger Farne sind bereits braun geworden. Auch Tropen-Gärtner Josef Gogolkok und seinen Kollegen ist es in dem Glashaus aus DDR-Zeiten zu heiß. Sie gießen und gießen...

„Die Pflanzen an der Decke müssten dringend geschnitten werden“, berichtet Gogolkok. Das Team hofft auf Abkühlung in der nächsten Woche. „Sonst müssen wir trotz der Hitze auf die Leitern steigen und schneiden“. Auch wenn der Glasbau bei wolkigem Wetter etwas abkühlt, braucht es nur rund eine Stunde volle Sonne, um das Tropenhaus auf 35 Grad zu erhitzen. Mit mehreren Tausend Litern Wasser pro Tag gießen die Gärtner die Pflanzen. Über die hohen Temperaturen freuen sich besonders die Lianen, auch den Orchideen macht die Hitze wenig aus. „Wir müssen jetzt ganz bewusst gärtnern“, sagt Josef Gogolkol. Das gilt für seine Schützlinge genauso wie für ihn selbst.

Auch weit oben wachsen Orchideen an anderen Pflanzen, die der Gärtner wässern muss und nicht übersehen darf. Er selbst muss bei der Pflanzenpflege im Außenbereich rund um das Tropenhaus auf sich selbst aufpassen. Ein Hut und Sonnencreme sind Pflicht.

Konzentration bei bis zu 60 Grad

Bis zu 60 Grad kann es auf einem Hausdach warm werden, ohne dass Wind oder Schatten für Abkühlung sorgen: Für Dachdecker wird es im Sommer oft unerträglich heiß. Wichtig sei es dann, an Kopfbedeckung und Sonnencreme zu denken sowie mindestens einen halben Liter pro Stunde zu trinken und regelmäßige Pausen im Schatten einzulegen, sagt Dachdeckermeister Johannes Dittrich.

Maximilian Dittrich ist Lehrling im Dachdeckermeisterbetrieb Dittrich. Er reinigt hier trotz der Hitze eine Dachrinne. Quelle: Dietrich Flechtner

Der Familienbetrieb Dittrich sanierte beispielsweise schon Teile des Kulturpalastes und deckte Botschaften in Nordkorea und Senegal. Die Generation seines Urgroßvaters habe es damals mit dem Sonnenschutz noch nicht so ernstgenommen, berichtet der heutige Chef. Dies sei ein fataler Fehler. „Viele Arbeiter erkrankten an Hautkrebs oder verbrannten sich auf dem Dach an heißen Schieferplatten“, berichtet der Enkel des ehemaligen Präsident der Handwerkskammer Dresden. Heutzutage wissen die Mitarbeiter im Betrieb, wie sie sich davor schützen können.

Im Sommer fangen die Handwerker häufig schon eine Stunde früher um 6 Uhr an zu arbeiten, um der Mittagshitze zu entkommen. Gerade, wenn die Sonne im Zenit steht, können manche Aufgaben nicht mehr ausgeführt werden. Ein Beispiel: „Bitumen zu schweißen ist nur bis zu einer gewissen Temperatur möglich“, sagt Johannes Dittrich. „Sonst wird die Hitze von oben und unten zu extrem.“

Abkühlung nur für die Badegäste

Auch wenn die Hitze anstrengend ist, muss Bademeisterin Mandy Berndt Georg-Arnhold-Bad stets konzentriert bei der Arbeit sein. Quelle: Anja Schneider

„Wer glaubt, wir Bademeister genießen die Sonne und lassen uns bräunen, irrt“, sagt Mandy Berndt. Das Georg-Arnhold-Bad ist schon um 10 Uhr rappelvoll. Kinder kreischen, die Sonne brennt. „Wir müssen noch konzentrierter sein als sonst“, sagt die Bademeisterin. Sie achtet bei diesen Temperaturen nicht nur auf die Sicherheit im Wasser, sondern auch auf Anzeichen von Hitzeschlägen und Sonnenbrand – besonders bei Kindern.

„Für uns ist es egal, ob es 28 oder 35 Grad heiß ist“, sagt Berndt. An heißen Tagen ist das Bad voll. Während die Badegäste rutschen, im kühlen Nass planschen oder ihre Bahnen ziehen, bleiben die Mitarbeiter im Trockenen. „Abkühlen im Wasser können wir uns nur vor oder nach der Schicht“, sagt die 28-jährige Fachangestellte für Bäderbetriebe. Seit rund anderthalb Jahren nimmt sie im Sommer regelmäßig mit Sonnenbrille und T-Shirt unter einem Sonnenschirm auf einem Podest in der Mitte des Georg-Arnhold-Bades Platz.

Diesen Sommer gab es noch keine Hitzeunfälle im Georg-Arnhold-Bad. „Wichtig ist, sich vor dem Sprung ins kühle Wasser abzuduschen“, erklärt die Bademeisterin.

Hitze hinter der Eistheke

Abkühlung schmeckt für viele Dresdner nach „Joghurt-Maracuja“. Das ist nach den Erfahrungen von Eisverkäuferin Daniela Mammitzsch die Lieblingssorte der Gäste vom Eiscafé „Venezia“. Schon am Vormittag reicht der Brasilianer Maksoel Belluco erfrischende Eiswaffeln über die Theke. Wer denkt, Eisverkäufer arbeiten in diesen Tagen in einem angenehm kühlen Klima, irrt: Hinter der Theke herrschen schon am Vormittag mit 28,5 Grad brasilianische Verhältnisse. Es ist so warm wie auf der Straße.

Kühles Eis reicht Maksoel Belluco über die Theke. Hinterm Tresen und an den Spülmaschinen spüren auch die Mitarbeiter im Eiscafé Venezia die Hitze. Quelle: Anja Schneider

„Besonders ins Schwitzen kommen die Mitarbeiter an der dampfenden Spülmaschine“, erklärt die 45-jährige Eisverkäuferin Mammitzsch. Aber auch die Kühlungstechnik für das erfrischende Eis produziert Wärme. Dass dieser Juli besonders sonnig und warm ist, freut die Eisverkäufer: Aktuell laufe der Verkauf trotz der vielen Konkurrenz rund um den Neumarkt besonders gut, berichtet Mammitzsch aus ihren Erfahrungen.

Sie selbst arbeitet seit 25 Jahren als Eisverkäuferin. In der aktuellen Hitze achtet sie darauf, mehr zu trinken. Eis als Erfrischung isst sie während der Arbeit nicht. „Nur die neuen Sorten probiere ich.“

Auf heißen Reifen durch die Stadt

Kurier Carsten Mitschke von „Im Nu“ radelt bei über 30 Grad. Quelle: Anja Schneider

„Hitzefrei gab es noch nicht“, sagt Fahrradkurier Carsten Mitschke. Aktuell trinkt er bis zu acht Liter Wasser pro Tag, um den Flüssigkeitsverlust durch das Schwitzen während der Arbeit auszugleichen. An besonders heißen Tagen kann es auch mal bis zu einem Liter Wasser pro Stunde sein, während er mit Dokumenten oder anderen Sendungen für das Kurierunternehmen „Im Nu“ durch Dresden radelt.

Anstrengend ist für ihn gar nicht unbedingt die Hitze an sich, sondern die vielen anderen Menschen, die sich an warmen Tagen aufs Rad schwingen. Dadurch sind Dresdens Fahrradwege voller als sonst.

Die rund 25 freien Mitarbeiter des Kollektivs „Im Nu“ fahren bis zu 120 Kilometer pro Tag – auch bei über 30 Grad. „Abends ist man schon ganz schön k.o.“, berichtet Mitschke. Aber das einzige Wetter, das der Kurierradler wirklich nicht leiden kann, ist starker Regen, der bis in die Schuhe läuft.

Seit knapp zwei Jahren ist der 21-jährige Verkehrsingenieur-Student Kollektivist von „Im Nu“ und auf dem Rad bei jedem Wetter quer durch Dresden unterwegs. Egal, ob der Asphalt vor Hitze flimmert oder die Straße überschwemmt ist...

Bei minus 24 Grad im Kühlhaus rackern

Wenn Marcel Baumgarten von seinem Beruf erzählt, werden im Sommer viele Leute neidisch: Bei Außentemperaturen von 34 Grad arbeitet er im Tiefkühllager des „Mega“-Fachzentrums bei eisigen minus 24 Grad. Zum Vergleich: In einer normalen Tiefkühltruhe herrschen minus 12 Grad. Der zentrale Gastronomiegroßhandel lagert viele seiner 35.000 Artikel dort, bevor er sie mit 35 Kühlfahrzeugen an Restaurants zustellt. „Bei Kundenanlieferung müssen die Produkte minus 18 Grad kalt sein. Daher ist eine Reservekälte nötig, damit die Kühlkette eingehalten wird“, erklärt Geschäftsführer Matthias Schmidt.

Mit Wollmütze und Winterjacke im Tiefkühlhaus: Matthias Eichhorn (vorn) und Marcel Baumgarten arbeiten bei Minusgraden Quelle: Dietrich Flechtner

„Mit der Zeit gewöhnt man sich an die extremen Temperaturumstellungen, die man täglich durchläuft, aber man spürt es dennoch“, berichtet Baumgarten. „Alle zwei Stunden muss ich das Tiefkühllager zum Aufwärmen verlassen. Wenn ich raus gehe, läuft der Akklimatisierungsprozess: Nach ein bis zwei Minuten realisiert man die Hitze.“ Dem Drang, sich erwärmen zu wollen, sollte man mit Vernunft begegnen: „Man sollte sich nicht allzu lange in der prallen Sonne aufhalten, wenn man gerade aus dem Tiefkühllager kommt“.

Von Tomke Giedigkeit und Katharina Jakob

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