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Lokales Dresden fordert Tempo 100 auf der Autobahn
Dresden Lokales Dresden fordert Tempo 100 auf der Autobahn
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12:37 11.03.2018
Tempo 100 auf den städtischen Autobahnabschnitten könnte die Luft verbessern. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen und Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (beide Bündnis 90/Die Grünen) haben am Freitag den Entwurf des Lufteinhalteplans 2017 vorgestellt. Die Luft in Dresden hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Dennoch werden in einigen Stadtgebieten die Grenzwerte insbesondere bei den Stickstoffoxiden überschritten. Im Luftreinhalteplan werden zahlreiche Maßnahmen empfohlen, die das ändern sollen.

Wieso konzentriert sich der Lufteinhalteplan ausschließlich auf den Straßenverkehr?

Weil der Kfz-Verkehr 73 Prozent der Stickstoffoxid-Emissionen und 72 Prozent der Feinstaub-Emissionen im Stadtgebiet verursacht. Insbesondere Dieselmotoren verschmutzen die Luft.

Warum verhängt die Stadt dann kein Dieselfahrverbot?

Die Grenzwerte werden nicht im gesamten Stadtgebiet, sondern an einigen wenigen Abschnitten bewohnter Straßen überschritten. Ein Dieselfahrverbot würde außerdem die Besitzer älterer Fahrzeuge treffen, wie Schmidt-Lamontain erklärte. Das hätte eine soziale Komponente: Es würde vor allem Menschen mit schmalem Geldbeutel und kleinere Handwerksbetriebe treffen.

Was ist mit Umweltzonen?

Diese sind kein Thema mehr, erklärte Wolfgang Socher, Abteilungsleiter Stadtökologie im Umweltamt. Die Feinstaubbelastung ist in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Umweltzonen sind in Dresden nicht erforderlich.

Wie kann die Stadt die Probleme mit dem Grenzwert in den Griff bekommen?

Den großen Plan gibt es nicht, so Socher. Sondern viele einzelne Maßnahmen sollen es richten. Und eine große: Tempo 100 auf den städtischen Abschnitten der Autobahn. Der Autobahnverkehr ist laut Socher für 37 Prozent der Stickstoffoxid-Emissionen verantwortlich. Tempo 100 würde den Anteil auf 31 Prozent reduzieren.

Sollen die Autos aus der Stadt verbannt werden?

Das nicht. Aber die Verwaltung will die Zahl der Verkehrsteilnehmer zugunsten des Umweltverbundes, also Öffentlicher Personennahverkehr, Radverkehr und Fußgängerverkehr, deutlich erhöhen.

Wie soll das gehen?

Über den Geldbeutel. Innerstädtische Parkplätze sollen teurer werden. Die Tarife wurden seit zehn Jahren nicht erhöht, während die Straßenbahn- und Busfahrkarten in diesem Zeitraum deutlich teurer wurden. Ein Missverhältnis. Neue Park- und Ride-Plätze sollen Autofahrer dazu animieren, das Auto vor der Stadt stehenzulassen und den ÖPNV zu nutzen. An der Grenzstraße in Klotzsche, im Bereich Hellersiedlung, an der Autobahnanschlussstelle Neustadt, in Bühlau, Niederwartha oder vor den Toren der Stadt in Heidenau könnten solche Plätze entstehen. Bei Großveranstaltungen im Stadtzentrum sieht der Plan einen großen Besucherparkplatz im Industriegelände vor.

Was wird mit dem Umweltverbund?

Das Radverkehrswegekonzept soll umgesetzt werden, um die Attraktivität des Radfahrens zu erhöhen. Auch der Fußgängerverkehr soll intensiver gefördert werden. Damit mehr Menschen Bus und Bahn fahren, soll das Jobticket auf kleine Unternehmen mit weniger als 30 Mitarbeitern erweitert werden.

Welche Maßnahmen für den fließenden Verkehr schlägt die Verwaltung vor?

Der Bereich um das Blaue Wunder soll um mindestens fünf Prozent vom Verkehr entlastet werden. „Wir wollen die Verkehrsorganisation am Schillerplatz umgestalten“, kündigte Schmidt-Lamontain an. Das soll geschehen, wenn der Abstand zwischen den Straßenbahngleise auf drei Meter erweitert wird. Zu einer Reduzierung der Fahrspuren auf dem Blauen Wunder kann sich der Baubürgermeister nicht äußern. „Dazu findet sich im Luftreinhalteplan nichts.“

Auf der Nürnberger Straße und am Nürnberger Platz soll der Verkehrsfluss verstetigt werden, um das viele Anfahren und Bremsen und die damit verbundenen Abgase zu vermidnern. Gleiches sieht der Plan für die Könneritzstraße und Ammonstraße vor.

Für die Bergstraße wird die Installation von zwei Radaranlagen vorgeschlagen. 55 Prozent der Fahrzeuge fahren bergauf schneller als Tempo 50 und rufen eine Motorleistung ab, die viele Abgase freisetzt. Würden sich alle an das Limit halten, würde der Grenzwert nicht mehr überschritten werden, so Socher.

Auf der Bautzner Straße sollte die Geschwindigkeit zwischen Albertplatz und Prießnitzstraße auf Tempo 30 reduziert werden. Das würde für bessere Luft sorgen und auch die Ziele des Lärmschutzaktionsplanes erfüllen.

Steigen Autofahrer auf den ÖPNV um, wenn sie mit einer grünen Welle durch die Stadt rollen können?

Das ist der Widerspruch, so der Baubürgermeister: Weniger Stopps an Ampeln sorgen für eine bessere Luft, sind aber auch ein Argument für Fahrten mit dem Auto. „Es ist schwierig, das richtige Maß zu finden“, so Schmidt-Lamontain.

Wie geht es jetzt mit dem Planentwurf weiter?

Jetzt werden die Bürger und die Politik beteiligt, kündigte Jähnigen an. Sie werde den Entwurf beispielsweise auf Veranstaltungen Vertretern der Wirtschaft und den Umwelt- und Mobilitätsverbänden vorstellen. Bis zum 25. Januar 2018 können die Dresdnerinnen und Dresdner ihre Stellungnahmen, Hinweise und Anregungen beim Umweltamt einreichen, am Besten per E-Mail unter umweltamt.stadtoekologie.de.

Die CDU hat fehlende Beteiligung von Politik und Bürgern kritisiert. Was sagt die Umweltbürgermeisterin?

„Ich freue mich auf eine aktive Beteiligung der CDU-Fraktion an der politischen Debatte. Wir werden die Anregungen, die wir im Beteiligungsprozess erhalten, bei der Vorlage für den Stadtrat berücksichtigen.“

www.dresden.de/Luftreinhalteplan-2017

Von Thomas Baumann-Hartwig

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