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Lokales Dresden droht Streit zwischen institutioneller und Subkultur
Dresden Lokales Dresden droht Streit zwischen institutioneller und Subkultur
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13:29 12.02.2017
Der Dresdner Kulturpalast, aufgenommen im Januar 2017.   Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

 Es könnte ein gutes Jahr werden für die Kunst- und Kulturstadt Dresden mit der Eröffnung des Kulturpalastes und der Initialzündung für die Bewerbung zur europäischen Kulturhauptstadt 2025. Doch die Vorfreude ist getrübt: Die pünktliche Übergabe des Kulturpalastes ist zum Drahtseilakt geworden, die Baukosten drohen aus dem Ruder zu laufen.

Statt einer Debatte, wie die verschiedenen Akteure und die Bürgerschaft in die Kulturhauptstadtbewerbung einbezogen werden können, droht ein Streit zwischen institutioneller und Subkultur. Auftakt war die Haushaltsdebatte und der Eingriff der rot-grün-roten Stadtratsmehrheit in den Etat der Dresdner Philharmonie. Eine halbe Million Euro pro Jahr hat die Mehrheit aus dem Planansatz gestrichen. Den Proteststurm der Dresdner Kulturbürger und der Orchesterspitze konterte Linke-Kulturpolitikerin Jacqueline Muth mit den Worten: „Während die Philharmonie finanziell ordentlich versorgt wurde, scheint deren Leitung anderen Kultureinrichtungen nicht mal die Butter auf dem Brot zu gönnen. Dieses Verhalten ist schlicht unsolidarisch.“

Die Grünen haben sich im Nachgang intensiv darum bemüht, den Etat der Philharmonie nachzubessern und erreichten, dass das Orchester zusätzliche Einnahmen bei der Bespielung des Kulturpalastes behalten darf. Die Diskussion war gerade beendet, da goss der Linke-Stadtrat Tilo Kießling neues Öl ins Feuer. „Noch nie ist so kontrovers öffentlich über den Etat der Philharmonie diskutiert worden. Diese Diskussion wird sich nicht mehr unter den Teppich kehren lassen: Was verdient ein Dirigent? Was verdient eine Intendantin? Was verdienen die Musikerinnen und Musiker für welche Leistung?“, fragt der Finanzpolitiker in einem Internet-Beitrag und stellt dann fest: „Besonderes Interesse wird die Öffentlichkeit wohl dafür entwickeln, ob ein eventuell höheres Gehalt der Intendantin nach einer Vertragsverlängerung nun aus dem Etat der Philharmonie genommen wird.“

Ein gegeneinander Ausspielen habe zur Folge, das viel Potenzial und Energie verschwendet werde, mahnte gestern Abend Intendantin Frauke Roth als Rednerin auf dem Neujahrsempfang der CDU-Fraktion, der unter der Frage „Kann Dresden Kulturhauptstadt?“ stand. „Kulturangebote von höchster Qualität kosten natürlich etwas“, erklärte sie, es dürfe aber kein Gegensatz zum berechtigten Anspruch aller Menschen in der Stadtgesellschaft geben, kulturelle Angebote für sich zu finden.

Roth verglich die Kulturhauptstadtbewerbung mit einem Dresden-typischen Motiv: dem Riesenstollen. „Dresden hat alle Zutaten für die Kulturhauptstadt.“ Damit das Backwerk gelinge, brauche es aber essenzieller Zutaten mehr: „Den Mut, eine Vision zu entwickeln und die Bereitschaft, ins Risiko zu gehen“, zählte die Intendantin auf. Ohne Mut und Risikobereitschaft könnte am Ende nicht der große Wurf stehen, sondern ein normales Sandplätzchen mit Rosinen. „Jeder muss das Beste liefern, was er hat“, erklärte Roth, und im Kleindgedruckten unter dem Rezept müsse „Für Fortgeschrittene“ stehen.

Die Philharmonie mit ihren 116 Musikerinnen und Musikern habe sich vorgenommen, den Kulturpalast behutsam in Besitz zu nehmen und das Zusammenspiel einzuüben. „Das braucht Zeit, Abstimmung und Respekt. Der Wille zur gemeinsamen Aufführung am Abend stellt unseren persönlichen Willen und unsere Partikularinteressen in den Schatten.“ Dass das Baugeschehen zum „Krimi“ geworden ist, sieht die Intendantin mit großer Gelassenheit: „Beim Bauen wird es dem Ende zu immer knapp.“

Kunst und Kultur werde in Dresden immer eine ganz zentrale Rolle spielen. Dresden sei berühmt wegen seiner Kultur, sagte Roth und gab eine eindeutige Antwort: „Ja, Dresden kann Kulturhauptstadt!“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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