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Lokales Dresden braucht Hochhauskonzept
Dresden Lokales Dresden braucht Hochhauskonzept
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16:05 28.09.2018
Der Sozialismus hat Dresden etliche Hochhäuser beschert. Wenn es jetzt neue geben soll, dann nach einem Plan. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

In der wachsenden Stadt Dresden werden die Grundstücke knapp, die Neubauvorhaben gehen in die Höhe. „Wir haben nichts gegen Hochhäuser“, sagt Thomas Löser, Vorsitzender der Stadtratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, „aber wir wollen nicht, das ökonomische Gründe den Standort von Hochhäusern definieren. Wir wollen ein Konzept, das sich an historisch gewachsenen Sichtachsen und Blickbeziehungen orientiert.“ Anders gesagt: Die rot-grün-rote Stadtratsmehrheit will die Stadtsilhouette nicht verbauen. Einen entsprechenden Antrag haben jetzt Linke, Grüne und SPD eingereicht.

Tilo Wirtz, Bauexperte der Linken, zählt zahlreiche aktuelle Hochhausprojekte in Dresden auf, vom Wiener Platz Ost und West über den Nürnberger Platz und den Strehlener Platz bis hin zu Lennéplatz, Marschnerstraße, Florian-Geyer-Straße und Ferdinandplatz. Auch die Stadtwerke Dresden und die Energie Sachsen Ost planen einen Erweiterungsbau am Hauptbahnhof als Hochhaus. „Wir wollen den Hochhausplänen einen Rahmen geben“, sagt Wirtz und verweist auf den Lennéplatz. „Dort haben zahlreiche Fachbehörden entschiedenen Einspruch gegen den Bebauungsplan erhoben. Wenn es ein Hochhauskonzept gegeben hätte, wäre es gar nicht zum Bebauungsplan gekommen“, glaubt er.

„Wir dürfen es nicht dem Zufall überlassen, wo Hochhäuser entstehen“, findet SPD-Baupolitiker Hendrik Stalmann-Fischer. Die Hochhauspläne der Projektentwickler dürften nicht isoliert am betroffenen Grundstück betrachtet werden, sie seien in den Gesamtkontext der Stadt einzubetten. „Wir sollten Räume definieren, an denen der Bau von Hochhäusern möglich ist. Es muss aber auch Grundstücke geben, die ausscheiden.“ Am Hauptbahnhof, so der Sozialdemokrat, könne durchaus eine attraktive Skyline entstehen und den Besucher schon aus der Ferne wissen lassen, dass sich dort ein Verkehrsknoten befindet.

Wirtz besteht auf einer Schutzwürdigkeit der Prager Straße und warnt vor Dissonanzen, wenn zu viele Hochhäuser am Wiener Platz entstehen würden. „Fingerspitzengefühl“ ist das Stichwort für Löser. Das gelte auch für die Vorhaben der Landeshauptstadt und den geplanten Hochpunkt am neuen Verwaltungszentrum auf dem Ferdinandplatz. „Auch hier müssen wir uns genau überlegen, wie wir damit umgehen“, so der Fraktionsvorsitzende.

In einem zweiten Antrag fordert die Stadtratsmehrheit die Verwaltung auf, Empfehlungen für die Architektur und Gestaltung von Gebäuden zu erarbeiten. „Wir brauchen gute zeitgenössische Architektur“, begründet Löser, „es dürfen nicht nur graue Kisten entstehen.“ Kleinteilige Fassaden, gestaltete Dächer oder abgestufte Gebäudekanten sind für Stalmann-Fischer ein Weg, die Qualität von Gebäuden zu steigern.

Dresden war immer auf der Höhe der Zeit und hat die gängige Architektur regionaltypisch übersetzt“, erklärt Wirtz, „aber jetzt herrscht Stagnation. Wir beobachten eine gewisse Mutlosigkeit bei den Architekten.“ Monotone Lochfassaden in grau oder weiß seien nicht dazu geeignet, Bewunderung beim Betrachter hervorzurufen. Die Verwaltung könne den Bauherren ein Rüstzeug zur Verfügung stellen, in dem festgehalten werde, welche Gestaltungsformen erwünscht seien. „Wir brauchen mehr Abwechslung, wir brauchen Kunst am Bau und wir brauchen auch begrünte Fassaden und Dächer“, erklärte Löser. Die Anträge werden jetzt in den Ausschüssen des Stadtrats diskutiert.

„Ich kenne nur ein Hochhausprojekt in Dresden, das umstritten ist“, erklärte Holger Zastrow, Vorsitzender der Fraktion FDP/Freie Bürger. „Und das ist das Vorhaben der städtischen Wohnungsbaugesellschaft in Johannstadt. Die Stadtratsmehrheit ist Urheber des Problems, das sie jetzt beklagt.“ Er sei für Hochhausbau in Dresden, bekannte Zastrow. In einer Stadt mit einem massiven Wohnungsproblem und wenig verfügbaren Flächen müsse es in die Höhe gehen. „Wir brauchen Hochhäuser mit einer ansprechenden Architektur. So lässt sich auch die Versiegelung von Flächen reduzieren.“

Von Thomas Baumann-Hartwig

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