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Dresden-Weißer Hirsch: Debatte über „Ladensterben“

Grüne laden zur Händler-Bürger-Diskussion Dresden-Weißer Hirsch: Debatte über „Ladensterben“

Auch in Dresdens Villenviertel Weißer Hirsch ringen Händler ums Überleben: Kunden bleiben aus, Parkplätze sind knapp, Mieten üppig. Für Dresdens Grünen-Chefin Christiane-Filius-Jehne Grund genug, sich des Themas anzunehmen. Die Politikerin rechnet vor, dass es 2006 dort noch 52 Läden gab – aktuell seien es noch 38. Ein Alarmsignal.

Blick auf den Weißen Hirsch
 

Quelle: Jürgen-M.Schulter

Dresden.  Auch in Dresdens Villenviertel Weißer Hirsch ringen Händler ums Überleben: Kunden bleiben aus, Parkplätze sind knapp, Mieten üppig. Ende des Monats schließt die Postfiliale an der Plattleite, die Sparkassenfiliale ist längst zu einen Selbstbedienungsstandort geschrumpft, der Luisenhof wird erst nächstes Jahr wieder eröffnen, und Markus Wenzel, der Betreiber des Bioladens „Onkel Franz“ will seine Waren ab September nur noch online vertreiben. Sein Markt schließt am 19. August.

Für Dresdens Grünen-Chefin Christiane-Filius-Jehne Grund genug, sich des Themas anzunehmen. Große grüne Plakate, überschrieben mit: „Sparkasse weg, Post weg, Geschäfte schließen... Ladensterben am Weißen Hirsch?“, laden am Donnerstag zu einem Forum ins Parkhotel ein, bei dem Gewerbetreibende und Anwohner über die Entwicklung reden und „Gegenstrategien entwickeln“ sollen. Filius-Jehne , die seit 1993 am Weißen Hirsch lebt, rechnet vor, dass es 2006 dort noch 52 Läden gab – aktuell seien es noch 38. Ein Alarmsignal. Sie hoffe, dass Vertreter von Sport und Sparkasse ihrer Einladung Folge leisten.

Michael Böttger, Vize des Verschönerungsvereins Weißer Hirsch, nimmt der Dramatik etwas die Spitze. Böttger lebt seit 60 Jahren in dem Viertel. Seit der Wende höre er, „dass die Laufkundschaft fehlt und die Stammkundschaft nicht ausreicht“, wie er sagt. „Stabil blieben in den letzten Jahren vor allem niveauvolle Geschäfte mit hoher Qualität, gutem Service und Anpassungsfähigkeit an aktuelle Tendenzen“, schildert Böttger seine Erfahrungen. Und er verweist auf viele positive Entwicklungen am Hirsch. Die Eröffnung des Lahmann-Parks und die erfolgreiche Wiederbelebung des Konzertplatzes seien nur zwei Beispiele einer gelungenen Zusammenarbeit von Investoren und Stadtteil.

Filius-Jehne sagte den DNN, sie wolle durchaus keine Schwarzmalerei betreiben, denn tatsächlich habe sich seit der Wende viel getan. „Die Bürgersteige wurden nicht hochgeklappt.“

Ein Sprecher der Deutschen Post in Berlin erklärte zur Filialschließung auf Anfrage, man sei „intensiv auf der Suche nach einem Einzelhändler, der daran interessiert ist, künftig Postdienstleistungen in seinem Geschäft mit anzubieten. Leider ist es bislang nicht gelungen“.

Der Betreiber des Bioladens „Onkel Franz“ hat über seine Zukunft bereits entschieden. Mangels Laufkundschaft baut er in den Räumen der Dresdner Kaffee- und Kakao-Rösterei im Industriegelände einen Lagerverkauf auf, heißt es auf seiner Facebookseite. Ab 1. September soll der Umzug abgeschlossen sein.

Böttger verweist darauf, dass er – wie auch andere Anwohner – wegen der hohen Preise lieber in den Märkten in Bühlau oder Weißig einkaufen gegangen sei. Außerdem gab es bereits zwei Feinkostläden im Viertel. Dass es also an Möglichkeiten für Geschäfte mangele, könne so nicht stehenbleiben, meint Böttger. Allerdings räumt er ein, dass ein Rückzug von Dienstleistern wie Post oder Sparkasse gerade viele ältere Anwohner vor Probleme stelle. 2020 laufe der Mietvertrag der Sparkasse für das verbliebene Erdgeschoss mit Geldautomat und Kontoauszugsdrucker aus. Auch deshalb sei eine Aussprache über das Thema sinnvoll. „Wir sollten gemeinsam versuchen, aus der Veranstaltung etwas Positives zu gewinnen“, fordert er.

Am 10. August um 19 Uhr, Wintergarten des Parkhotels an der Bautzner Landstraße 7

Von Karl Witzel

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