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Wissenschaftlerin schickt Sperma auf die Reise durch den Körper

Forschung Wissenschaftlerin schickt Sperma auf die Reise durch den Körper

Dr. Veronika Magdanz sieht in Spermien nicht nur das Wunder des Lebens, sondern auch die Möglichkeit einer lebensrettenden Funktion. An der Technischen Universität forscht sie aktuell, ob Sperma als Diagnosehelfer fungieren kann. Das könnte auch ein Fortschritt bei der Krebstherapie bedeuten.

Symbolbild
 

Quelle: © epd-bild / Jürgen Blume

Dresden.  Noch forscht Dr. Veronika Magdanz mit tierischem Sperma, doch ihre Vision ist klar: Spermien als Diagnosewerkzeuge in der Humanmedizin. Denn für Magdanz tragen die kleinen Schwimmer nicht nur das Wunder des Lebens in sich, sondern auch jede Menge diagnostisches und therapeutisches Potenzial. Im Rahmen ihrer Open Topic Postdoc Position hat sie die Möglichkeit, unabhängig von ihrer fachlichen Ausrichtung ein eigenständiges Forschungsprojekt zu bearbeiten. Gemeinsam mit 17 anderen internationalen Nachwuchswissenschaftlern treibt sie ihre Arbeit im Sinne des Zukunftskonzeptes an der Technischen Universität Dresden voran.

Spermien auf Abwegen

Bei Laborarbeiten an Mikromotoren begeisterte sie sich für die kleinen leistungsfähigen Transportmittel: „Sie können sich sehr schnell fortbewegen und dabei auch Mikropartikel oder Mikroröhrchen transportieren“, erinnert sich die Wissenschaftlerin an ihre ersten Berührungen mit der Mikroschwimmerforschung während ihrer Doktorarbeit am Dresdner Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung. Damit die Spermien ihre Transportaufgaben auch übernehmen können, erhalten sie Hüllen aus intelligentem Material. Dieses kann beispielsweise auf Temperaturunterschiede oder Umgebungsbedingungen reagieren.

Schutz vor angreifendem Immunsystem

Magdanz erklärt, dass die Materialien auf bestimmte Bedingungen programmiert werden können, die in der zu untersuchenden Region normal wären. „Reagieren sie ungewöhnlich, könnten wir so Auffälligkeiten diagnostizieren“, erklärt die Forscherin. Beispielsweise könnten sie im Uterus der Frau eingesetzt werden, um die Quelle einer eventuellen Unfruchtbarkeit zu erkennen. Die mikroskopisch kleinen Röhrchen, in denen die Spermien unterwegs wären, könnten diese gleichzeitig schützen. Denn wenn sich das Sperma außerhalb ihrer üblichen Umgebungen aufhält, kann es vom Immunsystem angegriffen werden. Das könnten die Hüllen verhindern.

Sperma gegen Krebs

 Auch in der Krebstherapie hat Magdanz bereits Versuche durchgeführt, allerdings bisher nur in der Petrischale. Sie untersuchte mit ihrem Team, wie Spermien Gegenmittel zu Tumoren transportieren könnten. Der Versuch mit einem Spermaroboter gelang, doch Magdanz bleibt realistisch: „In der Praxis bräuchte es viele Roboter für eine Krebstherapie – wir stehen vor großen Herausforderungen“.

Zukünftige Technologien notwendig

Generell liegt ein klinischer Einsatz dieser Methoden noch in weiter Ferne. „Wir sind derzeit dabei, das Material zu optimieren. Bis es eingesetzt werden kann, ist es noch ein weiter weg“, prognostiziert Magdanz. Denn das Losschicken der Spermien ist die eine Sache, die Beobachtung eine ganz andere: „Mal angenommen, ich kann ferngesteuerte Spermien in den Körper einbringen: Dann habe ich immer noch keine Technologie, um sie sichtbar zu machen und zu verfolgen“, weiß die Forscherin und hofft auf weitere technologische Fortschritte aus anderen Fachgebieten.

Von Lisa-Marie Leuteritz

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