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Lokales Dresden: Risse in der heilen Konsum-Welt - Uneinigkeit bei den Entscheidern
Dresden Lokales Dresden: Risse in der heilen Konsum-Welt - Uneinigkeit bei den Entscheidern
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17:31 09.09.2015
Roger Ulke hat gut lachen: Von 1998 bis 2013 Konsumchef, dann wegen verlustreicher Risiken nur noch fürs Marketing zuständig, sollte er eigentlich im ersten Quartal 2015 den Konsum verlassen. Dank neuer Satzung und Vertretervotum bleibt er bis 2020. Quelle: PR/Archiv

Doch dass die Genossenschaft mit ihren rund 840 Mitarbeitern in 34 Filialen ihre Reihen schließt, um mit vereinten Kräften der massiven Herausforderung von Edeka, Rewe, Netto und Aldi zu begegnen, lässt sich nicht behaupten. Eher im Gegenteil: Die Risse gehen quer durch alle Entscheiderbereiche.

Dürre Mitteilung der Chefetage

Beleg dafür ist die dürre Mitteilung des Vorstands über den Ausgang der jüngsten außerordentlichen Vertreter- versammlung. Deren 50 Angehörige repräsentieren die rund 23 000 Konsum-Mitglieder. Und sie wirbeln seit ihrer Wahl im April vergangenen Jahres die Verhältnisse in dem 1888 gegründeten Handelsunternehmen ordentlich durcheinander. Nicht nur, dass sie im vergangenen Jahr einen Beschluss des Aufsichtsrats auf Eis legten, der den Abschied von Marketing-Vorstand Roger Ulke nach Auslaufen seines Vertrags bedeutet hätte. Nein, am 9. Januar dieses Jahres setzen 40 dieser Vertreter mit einer Drei-Viertel-Mehrheit eine Satzungsänderung durch. Damit nun ist nicht mehr der Aufsichtsrat für die Bestellung von Vorständen zuständig, sondern die Vertreterversammlung. Und die holte mit ihrem Votum den schon fast geschassten Ulke wieder ins Rennen - bis 2020!

Das lässt Fragen offen. Denn Ulke, der den Konsum von 1998 bis Mitte 2013 leitete, war nach seinem Millionendebakel mit Konsummärkten im Frankenland kurzerhand durch den früheren Chef der Sächsischen Porzellan-Manufaktur Dresden, Gunter Seifert, ersetzt und in die zweite Reihe geschickt worden. Dass sein Vertrag in diesem Jahr auslaufen sollte, war Genugtuung für all jene, die ihm Raubbau an der Konsum-Substanz vorwerfen. Positive Ergebnisse der Bilanzen in den vergangenen zehn Jahren seien mitnichten dem operativen Geschäft zu verdanken gewesen, heißt es bei den Kritikern, sondern Sondereffekten aus zum Beispiel Immobilienverkäufen zuzuschreiben. Was wiederum das Eigenkapital schmälerte. Der Vorstand ließ Anfragen zu den Vorgängen, zu Zahlen und Zukunft ausdrücklich unbeantwortet.

Doch die genannten Vorwürfe könnte der Aufsichtsrat um den Münchner Steuerberater Christian Klose im Blick gehabt haben, als er noch Herr des Verfahrens war und Ulkes Vertrag auslaufen lassen wollte. Bei der Vertreterversammlung allerdings geriet das Kontrollgremium selbst unter Beschuss. Der "schriftliche Antrag von Vertretern", hieß es in der Mitteilung des Vorstands "über die Abwahl der Anteilseignerseite des Aufsichtsrats" scheiterte. Heißt, Christian Klose, Martin Bergner, Jutta Kochta und Ralph Sonntag dürfen weiter darüber wachen, dass beim Konsum alles seine Ordnung hat.

Misstrauen allenthalben?

Die Zahlen, die die zuletzt im Bundesanzeiger veröffentlichten Konsum-Bilanzen nennen, lassen hoffen, dass es mit der regionalen Handelskette wieder ein Stückchen bergauf geht. Zwar war die Bilanzsumme im Vergleich zum Jahr 2012 von 106 Millionen auf 103 Millionen Euro geschrumpft, doch das dürfte dem Frühjahrshochwasser geschuldet gewesen sein, das zwei Märkte geflu- tet hatte. Immerhin wurde ein Gewinn von 541 500 Euro ausgewiesen. 2012 hatte der noch bei rund 380 000 Euro gelegen.

Wie nun aber nach all dem gegenseitigen Unmut die forsch agierende Vertreterversammlung, der mit Gunter Seifert und Roger Ulke unglücklich besetzte Vorstand und der vom Misstrauen verfolgte Aufsichtsrat effektiv weiterarbeiten wollen, ist die große Frage. Da muss wohl jemand den Kreis quadrieren.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 22.01.2015

Barbara Stock

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