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Lokales Dresden-Pieschen wird an das Fernwärmenetz angeschlossen
Dresden Lokales Dresden-Pieschen wird an das Fernwärmenetz angeschlossen
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13:14 04.04.2017
Ein Blick in die Baugrube an der Löbtauer Straße gibt einen Ausblick auf das, was sich ab Juli in der Leipziger Vorstadt ereignen wird. Mittels einer sogenannten Durchpressung wird eine neue Hauptfernwärmeleitung verlegt, die Pieschen erschließen soll.   Quelle: Anja Schneider
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Dresden

 Der Dresdner Untergrund gerät in Bewegung. Ab Juni beginnt die Drewag damit, Pieschen an das Fernwärmenetz anzuschließen. Die Trasse führt dabei zunächst vom rechtselbischen Elberadweg durch die Hafencity und unter der Leipziger Straße hindurch zum neuen Schulstandort an der Gehestraße und von da in einer Art Zickzack durch Pieschen-Süd bis zum Heizkraftwerk an der Wurzener Straße auf dem Gelände des Sachsenbads. 2018 wird als neue Verbindung zudem ein Elbtunnel in 15 Metern Tiefe gebohrt, der an der Hafencity an das neue Netzwerk anschließt. Das Projekt soll bis 2021 abgeschlossen sein und verfügt derzeit über ein Budget von rund 27 Millionen Euro, wie Projektleiter Norbert Gassel von der Drewag sagt. Perspektivisch soll es die Erschließung des Dresdner Nordwestens, darunter weitere Teile von Pieschen, Trachau, Mickten und Übigau möglich machen.

Ein solcher Bohrer arbeitet sich derzeit durchs Erdreich unter der Löbtauer Straße. Dort werden für rund 460 000 Euro etwa 100 Meter neue Fernwärmeleitung verlegt. Quelle: Anja Schneider

Denn wenn man sich die Fernwärmekarte Dresdens genau ansieht, ist die Stadt derzeit zweigeteilt. Linkselbisch ist das Netz gut ausgebaut, dort liegen auch das Heizkraftwerk Reick und das Kraftwerk Nossen, dessen bei der Stromerzeugung anfallende Abwärme derzeit zu etwa 90 Prozent den Bedarf im Fernwärmenetz deckt, wie Gassel sagt. Zur anderen Elbseite gibt es dagegen nur eine Verbindung über die Carolabrücke. Jeder, der rechtselbisch lebt und Fernwärme der Drewag bezieht, hängt an dieser Leitung – auch Haushalte in Klotzsche. Da sich die Drewag um die Gewinnung neuer Fernwärmekunden bemüht, erreicht die Verbindung so langsam die Kapazitätsgrenze – auch deshalb erfolgt nun der konzentrierte Ausbau in Pieschen. Er ermöglicht den – wenn auch sehr aufwendigen – Bau einer zweiten Elbquerung mit Fördermitteln der EU. „Es geht dabei auch um die Versorgungssicherheit“, sagt Projektleiter Gassel. Falls es künftig mit der Hauptleitung in der Carolabrücke geben sollte, sorgt die neue Elbquerung in Pieschen für Netzstabilität.

Das ist allerdings noch etwas in die Zukunft gedacht. Erst 2018 wird der Tunnel mit einem Außendurchmesser von 3,20 Meter auf Höhe der Uferstraße gegraben. Bis zum Frühjahr 2020 werden diese Arbeiten andauern. Man habe die Unterbringung der Leitungen in den Elbbrücken geprüft, keine sei geeignet, die Hauptleitung aufzunehmen, rechtfertigt Gassel den Aufwand.

Projektleiter Norbert Gassel plant den Fernwärmeanschluss für Pieschen. Quelle: Anja Schneider

Der muss auch im Juli in besonderer Form getrieben werden. Dann soll die Trasse die Leipziger Straße queren, die als Hauptverkehrsader und Straßenbahnroute nicht so einfach aufgegraben werden kann. Auch dort wird ein Tunnel gebohrt – viele Dresdner werden vermutlich erst an dieser Baustelle etwas von den Arbeiten am Leitungsnetz mitbekommen. Beiderseits der Leipziger Straße werden 5,60 Meter tiefe Gruben gegraben, dazwischen arbeitet sich ein Bohrer durchs Erdreich. Der Verkehr soll von den Arbeiten weitestgehend unbeeinträchtigt bleiben. Anschließend geht es weiter bis zum Schulstandort Gehestraße. Dort wird die Leitung Mitte 2018 in Betrieb genommen. „Dann wollen wir Bauwärme zum Beispiel für die Estricharbeiten bereitstellen“, sagt Gassel.

Eigentlich sollte sich der Ausbau bis hierhin schon lohnen, gibt es doch abgesehen vom neuen Schulstandort in der Leipziger Vorstadt beiderseits der Leipziger Straße mehrere Investitionsprojekte, die sich zu potenziellen Fernwärmeabnehmern entwickeln können, Stichwort Marina Garden, Globus, Hafencity. Außer in der Hafencity gibt es jedoch auf den zugehörigen Bracharealen wenig Bewegung.

Vermutlich auch ein Grund dafür, warum die Drewag den Leitungsbau weitertreibt. In Pieschen-Süd, wo in erster Linie in offener Bauweise, aber unter Umgehung der Bürgerstraße, vorgegangen wird, erschließt man sich einen gänzlich anders gearteten Stadtteil. Die meisten Wohnhäuser dort stammten aus der Gründerzeit und hätten Anfang bis Mitte der 1990er Jahre einen Heizkessel bekommen, sagt Projektleiter Gassel. „Diese Kessel haben inzwischen ihre Lebensdauer erreicht“, fügt er an. Die Drewag bietet deshalb Eigentümern schon seit Längerem den Umstieg an, vor allem mit der Option, die alten Heizkessel zu übernehmen und auf eigenes Risiko so lange zu betreiben, bis der Anschluss an die Fernwärmeleitung kommt. An großen Abnehmern gibt es in dem Areal zum Beispiel noch den Bürostandort in den ehemaligen Eschebach-Werken an der Riesaer Straße. Das Gebäude werde derzeit für den Übergang durch ein temporäres Blockheizkraftwerk versorgt, sagt Gassel.

Spätestens 2020 soll die Hauptleitung das Heizkraftwerk am Sachsenbad erreicht haben. Dort wollen die Drewag den Heizkessel aus dem Betrieb nehmen. Ob das Blockheizkraftwerk auch vom Netz geht, sei noch nicht entschieden, sagt Gassel. Parallel zum Hauptleitungsbau wird bis 2021 das Nebenleitungsnetz in den Straßen Pieschens aufgebaut. In den nächsten Jahren wird also an irgendeiner Ecke des Stadtteils immer eine Baustelle sein. An vielen Stellen will die Drewag gemeinsam mit den Arbeiten am Fernwärmeleitungsnetz auch die Trinkwasserleitung erneuern. Ebenso ist an die Verlegung von Leerrohren für Kommunikationskabel gedacht.

Von Uwe Hofmann

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