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Dresden-Loschwitz bekommt Auwald zurück

Nach Kahlschlag jetzt Pflanzung in großem Stil Dresden-Loschwitz bekommt Auwald zurück

Das Loschwitzer Pappelwäldchen in Dresden steht unter Naturschutz. Hier soll wieder ein naturnaher Auwald entstehen, in dem die in Sachsen fast ausgestorbene Schwarzpappel Lebensraum findet. Trotzdem wurden in großem Stil Pappeln gefällt. Naturschützer Karl-Hartmut Müller erklärt warum.

Karl-Hartmut Müller weist auf das Pappelwäldchen nahe des Blauen Wunders.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. 154 Schutzgebiete nach Naturschutzgesetz bzw. Naturdenkmale gibt es in Dresden. Eines von ihnen ist seit 1996 das Flächennaturdenkmal Pappelwäldchen in Loschwitz. Das immerhin 4,5 Hektar große, an die Elbwiesen angrenzende Areal südlich der Fidelio-F.-Finke-Straße hat der Naturschutzbund (Nabu) schon vor vielen Jahren gekauft. Denn sein Ziel ist es, dort der Natur Raum zu geben und den Streifen wieder zu einem naturnahen Auwald zu entwickeln.

Schwarzpappel ist in Sachsen fast ausgestorben

Neben Flatterulme, Stieleiche, Bergahorn, Schwarzerle und Traubenkirsche sollen dort Silberweide und vor allem wieder die Schwarzpappel wachsen. Diese war früher insbesondere in der Elbaue natürlich verbreitet, ist heute aber weitgehend verschwunden und gilt als eine bedrohte Baumart. In Sachsen steht sie laut Nabu bereits in der Roten Liste.

Nun wachsen Bäume – und vor allem eben Pappeln – auf dem Areal in Loschwitz schon seit Jahrzehnten. Allerdings handelt es sich um Hybridpappeln – „eine Zuchtform, die schnell wächst und größer wird, also schnell billiges Holz produziert“, erklärt Karl-Hartmut Müller. Er ist Physiker am Leibniz-Institut, in seiner Freizeit aber schon seit seinem 14. Lebensjahr als Naturschützer ehrenamtlich aktiv. Als Mitglied des Vorstandes des „Naturbewahrung Dresden e.V.“ kümmert er sich mit um das Pappelwäldchen.

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Seit 1996 steht das Pappelwäldchen in Dresden-Loschwitz – in der Nähe des Blauen Wunders – unter Naturschutz. Denn dort soll sich wieder ein naturnaher Auwald entwickeln und zum Beispiel der in Sachsen fast ausgestorbenen Schwarzpappel wieder Lebensraum bieten. Doch erst einmal mussten die Naturschützer die Säge einsetzen. Den die hier wachsenden Hybridpappeln waren voller Misteln, die sich in der Umgebung ausbreiteten.

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Die Hybridpappeln seien Überbleibsel einer Pappel-Versuchsplantage, die sich dort mal zu DDR-Zeiten befand, so Müller. Später sei die Plantagennutzung aufgegeben und die Fläche vernachlässigt worden, so dass „natürliche Prozesse in Richtung eines naturnahen Waldes einsetzten“. Würde man der Natur freien Lauf lassen, entstünde wieder ein naturnaher Auenwald. Allerdings dauere das viele Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte, so Müller.

Loschwitzer Pappelwäldchen war Ärgernis

Doch die Naturschützer mussten regulierend eingreifen. Denn die Hybridpappeln entwickelten sich zunehmend zum Problem. „Im Gegensatz zu den einheimischen Europäischen Schwarzpappeln sind die Hybridpappeln extrem anfällig für den Befall mit Misteln“, erklärt Karl-Hartmut Müller. So war das Loschwitzer Pappelwäldchen in den vergangenen Jahren ein Herd für die massive Ausbreitung der Misteln in der Umgebung, vor allem auch in umliegenden Obstgärten.

In Abstimmung mit den zuständigen Fachämtern gab es deshalb mehrere Fällaktionen. Die letzte im Winter 2016/17. „Auf etwa einem Drittel der Gesamtfläche wurden sämtliche Hybridpappeln entnommen“, so Müller. Rings um die Flächen wurde ein Waldgürtel belassen, damit sich die dort lebenden Vögel (67 Arten wurden nachgewiesen), Reptilien, Wirbellose und auch die Rehe zurückziehen können.

Im Frühjahr werden 1000 Stieleichen gepflanzt

Im vergangenen Herbst wurden auf den frei gewordenen Flächen je etwa 1000 Schwarzpappeln und Flatterulmen gepflanzt. Jetzt im Frühjahr findet erneut eine Pflanzaktion im großen Stil statt. Diesmal kommen rund 1000 kleine Stieleichen in den Boden. Die neu gepflanzten Bäumchen sind zwischen 0,30 und 1 Meter hoch und ein Leckerbissen vor allem für Rehe. Deswegen schützen Zäune die Neuanpflanzungen.

Laut Karl-Hartmut Müller sollen die noch verbliebenen Hybridpappeln innerhalb der nächsten zehn Jahre entnommen werden. Denn dann werden die neu angepflanzten Schwarzpappeln fruchtbar. Und man will auf jeden Fall vermeiden, dass sich das Erbgut ihrer Nachkommen wieder mit dem der Hybridpappeln vermischt.

Von Catrin Steinbach

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