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Lokales Dresden-Laubegast ist wieder eine Insel: Viele Anwohner fliehen vor dem Hochwasser
Dresden Lokales Dresden-Laubegast ist wieder eine Insel: Viele Anwohner fliehen vor dem Hochwasser
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17:58 09.09.2015
Die Bundeswehr ist seit Dienstag in Laubegast im Einsatz. Quelle: Jane Jannke

Da im Falle eines Einschlusses Stromabschaltungen und Versorgungsengpässe drohen, forderte die Stadt am Mittwochvormittag die Bewohner auf, ihre Häuser zu verlassen. Bundeswehr, Technisches Hilfswerk, Polizei und Feuerwehr waren mit zahlreichen Einsatzkräften vor Ort, um beim Verlassen des gefährdeten Stadtteils zu helfen.

Und so hieß es: Bleiben oder gehen? Nach Angaben der Hilfskräfte entschieden sich vor allem ältere und kranke Menschen zum Gehen, viele Jüngere dagegen wollen in ihren Wohnungen ausharren. Angst und Durchhaltewille wechselten sich ab. Viele Alteingesessene haben die Jahrhundertflut 2002 noch lebhaft vor Augen. In Tränen aufgelöst saßen sie am Sammelpunkt und warteten auf Angehörige oder den Abtransport in die Notunterkünfte in der Boxbergstraße und der 37. Grundschule. Unter den Jüngeren dagegen war die Stimmung bisweilen regelrecht ausgelassen, andere wiederum nahmen die Katastrophe schlicht mit Galgenhumor oder gaben sich kämpferisch.

Von drei Seiten schleicht sich die braune Brühe unaufhaltsam in das Viertel. Von Nordosten und Osten hatte sich die Elbe bis zum Mittag die Leubener Straße hinauf bis Höhe Kärntner Weg ihren Weg gebahnt, Teile der Troppauer und Linzer Straße versanken in den Fluten. Südöstlich der Leubener Straße war der Lockwitzbach schon vor Tagen zum tosenden Strom angeschwollen, der Rückstau der ansteigenden Elbe trieb die Fluten durch den alten Elbarm in Richtung Siedlung. Wer wollte, konnte zusehen, wie das Wasser die Leubener Straße Stück für Stück verschluckte. Die Szenerie glich einer Völkerwanderung: Hunderte Menschen waren unterwegs, telefonierten aufgeregt, schleppten Bündel zu den hinter Barrikaden aus Sandsäcken wartenden Amphibienfahrzeugen der Bundeswehr, die die Flüchtenden in Endlosschleife trockenen Fußes zur Sammelstelle an der Pillnitzer Landstraße brachten.

„Wir sind hier mit 60 Mann seit 10 Uhr im Einsatz“, erklärte Kompanieführer Oberleutnant Oliver Gerhardt. Bis zum Mittag habe man bereits um die 400 Personen evakuiert, bringe aber oft auch einfach nur Menschen hinüber, die Besorgungen zu erledigen hätten. „Wir raten unbedingt zum Verlassen der Siedlung, da zu befürchten steht, dass sie in den nächsten Stunden zusehends volläuft“, so Gerhardt. Für diesen Fall haben seine Männer seit Dienstag in stundenlanger Arbeit einen Hunderte Meter langen Wall aus Sandsäcken rings um die Siedlung errichtet. Gestern waren große Teile noch trocken, wirkten regelrecht idyllisch. Kommt das Wasser doch noch, stehen Pumpen bereit, die auch zum Leerpumpen voll gelaufener Keller genutzt werden. Nun blickt alles hoffnungsvoll Richtung Elbpegel. Stimmen die Prognosen, dürfte eine erneute Rekordflut ausbleiben.

Jane Jannke

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