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Dresden-Klotzsche wird in Paris zum Gespräch

Design-Chef der Metro auf Ideensuche Dresden-Klotzsche wird in Paris zum Gespräch

Bahnhöfe stehen in Frankreich wie in Deutschland vor der gleichen Herausforderung: Sie müssen Aufenthaltsqualität bieten und wirtschaftlich betrieben werden können. Das sagt Yo Kaminagai, Design-Chef der Pariser Metro, und wurde in Klotzsche fündig: „Ökonomisch und sozial sehr kreativ“, lobte er das Bahnhofsgebäude.

Den Bahnhof der Zukunft gestalten: Jochen Schulz, Yo Kaminagai und Bernd Probst (von links) im Gespräch.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. „In Dresden gibt es nur drei sanierte Bahnhöfe“, sagt Unternehmensberater Gerd Probst und zählt auf: „Den Hauptbahnhof, den Bahnhof Neustadt und den Bahnhof Klotzsche.“ Für Nummer drei trägt Probst selbst die Verantwortung. Er hat den Bahnhof von der Deutschen Bahn gekauft und gründlich renoviert. Bernhard Probst, Bruder des Unternehmensberaters, hat in dem Bahnhofsgebäude einen „Vorwerk Podemus“ Biomarkt eröffnet.

„Es fahren jetzt mehr Leute mit der Bahn“, hat Gerd Probst beobachtet. 2500 Ein- und Aussteiger seien es täglich, der Biomarkt werde wochentags von 300 bis 500 Kunden besucht. „Wer von Bautzen kommt und zum Flughafen will, muss hier eine halbe Stunde warten. Jetzt haben die Reisenden Aufenthaltsqualität, bekommen in der Bio-Bahnhofswirtschaft einen Imbiss oder einen Kaffee“, so der Unternehmensberater.

Noch ist nicht alles optimal am Bahnhof Klotzsche, findet Gerd Probst. „Wir würden gerne mehr Informationstafeln anbringen, aber es ist schwierig.“ Es gebe zu viele Zuständigkeiten, die Bahn, ihre Tochtergesellschaften, aber auch der Verkehrsverbund Oberelbe hätten ein Wörtchen mitzusprechen. An einem Zaun hat Probst immerhin eine Tafel mit Werbung für den Biomarkt, aber auch Hinweisen auf die nahen Bus- und Straßenbahnhaltestellen anbringen können.

Der kleine Bahnhof Klotzsche wird bald Gesprächsthema in der Weltmetropole Paris sein. Am Dienstag besuchte Yo Kaminagai, der Design-Chef der Pariser Metro, den Bahnhof und hielt vor Fachleuten einen Vortrag zu der Frage, wie Bahnhöfe besser gestaltet werden können. „Die Verbindung zwischen Bahn und Biomarkt ist sozial und ökonomisch kreativ. Ich halte das für eine sehr interessante Idee“, erklärte der Experte, der von Gerd Probst ehrfurchtsvoll als „Guru“ des Bahnhofs-Designs bezeichnet wurde.

Auch in Paris und Umgebung, so Kaminagai, gebe es viele kleine Bahnhöfe, die vor den gleichen Herausforderungen wie in Deutschland stünden: „Sie müssen Aufenthaltsqualität bieten, aber gleichzeitig einen wirtschaftlichen Betrieb garantieren.“ Der Bahnhof der Zukunft müsse viele Nutzungen miteinander verknüpfen, die Größe sei dabei nicht wichtig. Und der Bahnhof müsse Service bieten, so der Design-Chef: „Die Fahrgäste möchten ihre Mobiltelefone oder Tablets aufladen. Aber wo können sie das heute?“

Die Gestalter müssten Pfade und Wege so organisieren, dass Menschen gerne Bahnhöfe betreten würden, fordert Kaminagai. Seinen Besuch in Dresden werde er auch dafür nutzen, das Straßenbahnnetz in Augenschein zu nehmen und die Bergbahnen zu besuchen. „Davon habe ich schon viel gehört“, so Kaminagai.

Auch Jochen Schulz vom Nahverkehrsverbund Schleswig-Holstein lobte den Bahnhof Klotzsche. „Das ist ein Ort geworden, an dem man sich gerne aufhalten will.“ Der Investor habe sein Vorhaben verwirklicht und nicht wie in vielen anderen Fällen das Bahnhofsgebäude nur gekauft, um es weiter verfallen zu lassen. „Es sind die kleinen Bahnhöfe, die die Menschen anziehen“, meint Schulz. Voraussetzung: Ein Investor, der sich Gedanken macht.

Am Freitag, 2. Juni, liest der Dresdner Dichter Thomas Rosenlöcher um 20 Uhr im Bahnhof Klotzsche Texte und Beobachtungen rund um die öffentliche Fortbewegung.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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