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Dresden Lokales Immer mehr Frauen an der Spitze ostsächsischer Handwerksbetriebe
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21:15 25.11.2018
Manuela Christel leitet eines der 3 548 Einzelunternehmen im Kammerbezirk Dresden, die von Frauen geführt werden. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Das ostsächsische Handwerk wird weiblicher: 3548 der insgesamt der insgesamt 17 496 Einzelunternehmen im Kammerbezirk Dresden werden aktuell von Frauen geführt. Damit liegt der Anteil bei rund 20 Prozent, besagt aktuelle Betriebsstatistik der Handwerkskammer Dresden – fast doppelt so hoch also wie noch 1999, als er gerade elf Prozent erreichte.

Eine diese Einzelunternehmerinnen ist Manuela Christel. Seit 2007 ist die Dresdnerin Fleischermeisterin. In einer Fleischerei arbeitet sie allerdings schon seit fast 28 Jahren. „Meine Eltern eröffneten 1978 eine eigene Fleischerei mit Sitz an der Großenhainer Straße in der Neustadt. Im Jahr 1998 zogen wir dann an unseren jetzigen Standort an der Wilhem-Franke-Straße.“

Eine Schweinehälfte wiegt um die 50 Kilogramm

Obwohl Christel erst Friseurin werden wollte, entschließt sie sich nach der Schule doch für eine Ausbildung zur Fleischereifachverkäuferin. „Auch mein Bruder ist Fleischer geworden“, erzählt sie lachend. Der Beruf liegt der Familie sozusagen im Blut.

Eine Frau im Männerberuf? Das stört Manuela Christel weniger. „Bei der Ausbildung war ich die einzige Frau unter etwa 20 Männern“, erinnert sich die 45-Jährige. Dass der Beruf eher Männern zugeordnet wird, sieht Christel vor allem bedingt durch die körperlich anstrengende Arbeit. „Eine Schweinehälfte wiegt schon um die 50 Kilo – und davon trägt man meistens mehr als nur eine durch die Gegend. Man braucht auch Armkraft zum Auslösen oder zum Kistenschleppen“, erklärt die Dresdnerin.

Mit entsprechenden Vorurteilen sei sie aber nie konfrontiert gewesen. „Ich finde es richtig, dass Frauen alles arbeiten dürfen und sich nun auch in Beschäftigungen behaupten, die oft von Männern ausgeübt werden. Anatomisch sind wir Frauen aber nicht für jede Arbeit geeignet und können nicht einfach ohne Weiteres die Arbeit eines Mannes übernehmen – da braucht man schon manchmal Hilfe“, gibt Christel zu.

Mit der Hilfe von Thilo Kowe führt sie den Laden seit 2014 selbst. Etwa 90 Prozent der angebotenen Wurst stellt die Fleischerei selbst her. Auch Mittagsgerichte und Partyservice sind im Angebot. Zudem verkauft die Fleischerei hausgemachte Fertiggerichte im Glas – eine echte Marktlücke, meint die Firmenchefin. „Das spricht viele Kunden an, die keine Zeit oder keine Lust haben, selbst zu kochen“, sagt sie.

„Es ist schön, sein eigener Chef zu sein.“

Ihr Unternehmen ist eine echte Manufaktur – alles wird in Handarbeit hergestellt. Dafür sei es eben ein bisschen teurer und qualitativ hochwertiger. Herausforderungen bei der Arbeit sieht Christel ganz klar in guter Planung und richtiger Kalkulation. „Man muss zusehen, dass man alles verarbeitet. Dafür muss man die Menge gut berechnen können, so dass eben wenig Überschuss bleibt.“

Was sie am meisten empfehlen kann? „Das ist wirklich schwierig“, gibt die 45-Jährige zu. „Die Sülze schmeckt besonders gut – viele Kunden sagen, es wäre die Beste.“ Obwohl Fleisch und Wurst ihren Alltag dominieren, hat sie die Lust daran und darauf nicht verloren: „Herzhaft kann man öfter essen als beispielsweise Süßes. Ich glaube, ein Bäcker hätte da eher ein Problem“, sagt sie schmunzelnd. „Außerdem isst man ja nicht immer dasselbe – es gibt einfach viel zu viel.“

Ihr Vater, der früherer Inhaber Ferdinand Christel, würde gern selbst noch ab und an mit Hand anzulegen. „Manchmal hilft er auch noch aus“, erzählt Christel. Wie das eben so ist in einem Familienbetrieb – so ganz loslassen könne man da nie. Und schließlich mache die Arbeit auch Spaß: „Es ist schön, sein eigener Chef zu sein. Und es ist schön, wenn die Ware den Kunden schmeckt.“

Zur Handwerkskammer Dresden gehören aktuell 22.289 Mitgliedsbetriebe, 17.496 inhabergeführt. „Gerade weil das Handwerk noch immer von vielen als Männerdomäne angesehen wird, ist es ein sehr erfreuliches Ergebnis, dass sich der Anteil an Einzelunternehmerinnen im Handwerk in den vergangenen knapp 20 Jahren nahezu verdoppelt hat“, so Manuela Salewski, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Kammer. Friseur-, Kosmetik-, Maßschneider- und Fotobetriebe werden Salewski zufolge am häufigsten von Frauen geführt. „Natürlich gibt es Luft nach oben. Die Zahlen sind jedoch ein Beleg dafür, dass Frauen auch im Handwerk eine immer größere Rolle spielen – auch in Berufen, die eher den Männern zugeordnet werden“.

Von Annafried Schmidt

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