Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Bewährungsstrafe weil sich Schlosser als Privatdozent ausgab
Dresden Lokales Bewährungsstrafe weil sich Schlosser als Privatdozent ausgab
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:45 14.02.2019
Gerechtigkeits-Göttin Justitia (Symbolbild). Quelle: dpa
Dresden

Wenn „man(n)“ aus reinem Imponiergehabe beim Tête-à-Tête im Séparée einer Dame ins Ohr schwindelt, man sei Oberarzt, ist das zwar gelogen, aber so lange man nicht wirklich zum Skalpell greift, rückt nicht gleich die Staatsanwaltschaft an. Was die Lady tut, wenn der Schwindel auffliegt, ist eine andere Sache. Wenn man sich allerdings offiziell gegenüber Ämtern, Behörden – oder um sich vielleicht einen finanziellen Vorteil zu verschaffen – als etwas ausgibt, was man nicht ist, ist das strafbar. Wegen Missbrauch von Titeln, Berufsbezeichnungen und Auszeichnungen stand Rene D. am Mittwoch vor dem Amtsgericht. Der gelernte Betriebsschlosser hatte sich als Privatdozent ausgegeben.

Unter fehlendem Selbstvertrauen scheint der Angeklagte nicht gelitten zu haben. Er hatte einen Hang zu Höherem, gab sich als Jurist aus und erhielt so über die Vermittlung eines Bekannten ein Praktikum in der Kanzlei eines wirklichen Anwalts. „Herr D. sagte, dass er sein 1. Staatsexamen absolviert hat, dann aber einen Schlaganfall erlitten habe und sich nun auf das 2. Examen vorbereiten will. Er habe durch den Anfall viel vergessen, es klang plausibel.“ Trotzdem fragte er nach einem Zeugnis, wurde aber immer vertröstet.

In 50 Fällen gab er sich als Privatdozent aus

Rene D. wurde mit Büroarbeiten betraut, akquirierte aber hinter dem Rücken seines „Arbeitgebers“ Mandanten für sich und lud sie in die Kanzlei ein. Als sein Chef das mitbekam, warf er ihn raus. Dann gingen in der Kanzlei Faxe an den „Privatdozenten Rene D.“ ein. In 50 Fällen hatte sich der Betriebsschlosser als solcher ausgegeben und mit dem Hinweis Rechtsanwalt oder Politik-, Geschichts- und Rechtswissenschaftler deutschlandweit Staatsanwaltschaften, Gerichte, Polizei und weitere Behörden angeschrieben.

Er habe seiner Tätigkeit Nachdruck verleihen wollen und sei davon ausgegangen, dass er sich so nennen dürfe, erklärte sein Anwalt. Dann ist der Angeklagte wohl auch davon ausgegangen, dass er einen Einkauf per Karte bezahlen kann, auch wenn sein Konto nicht gedeckt ist. Das nennt man Betrug und das war ebenfalls angeklagt. Der 49-Jährige, der erheblich vorbestraft ist, wurde zu einem Jahr und neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. In die Entscheidung floss ein früheres Urteil mit ein.

Von Monika Löffler

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

„Dresdner Frauen“ ist der Titel eines Buches, das tragische, verblüffende und teilweise unglaubliche Geschichten von Frauen erzählt, die die Stadt in der Vergangenheit prägten. Diese Serie wirft kurze Schlaglichter auf diese Persönlichkeiten. Heute geht es um Lili Elbe.

14.02.2019

Feueralarm in der Centrum Galerie: Dieses Szenario ist keine Seltenheit, das Shopping-Center wird im Vergleich zur restlichen Innenstadt besonders häufig evakuiert. Dennoch wird kein Alarm auf die leichte Schulter genommen. Center-Manager Jürgen Wolf erklärt, warum.

14.02.2019

Nicht immer zahlen ertappte Verkehrssünder in Dresden brav die verhängten Verwarn- oder Bußgelder. Mancher lässt sich auch eine Geschichte einfallen, um sich von seiner Verfehlung reinzuwaschen. Die Mitarbeiter der Bußgeldstelle haben deshalb mitunter gut zu lachen – manchmal auch zu staunen.

14.02.2019