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Dresden-Balkan-Konvoi hilft permanent im Flüchtlingscamp Idomeni

Flüchtlingshilfe in Griechenland Dresden-Balkan-Konvoi hilft permanent im Flüchtlingscamp Idomeni

„Das Lager wächst und wächst und wächst, pro Tag kommen mehrere Hundert Leute an“, schildert der Dresdner Florian Höntsch die Lage im Flüchtlingscamp Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze. Seit rund zwei Wochen ist er für den Dresden-Balkan-Konvoi vor Ort, um den Menschen zu helfen.

 
 

Quelle: Dresden-Balkan-Konvoi

Dresden.  „Das Lager wächst und wächst und wächst, pro Tag kommen mehrere Hundert Leute an“, schildert der Dresdner Florian Höntsch die Lage im Flüchtlingscamp Idomeni an der griechisch-mazedonischen Grenze. „Inzwischen kommen nicht nur Menschen aus dem Süden, sondern auch aus dem Norden, weil sie von Serbien zurückgeschickt werden.“ Insgesamt sind etwa 13.000 Menschen im Lager, schätzt er. Die hygienischen Bedingungen seien absolut inakzeptabel: Zwar gebe es mobile Toilettenhäuschen und Duschcontainer, allerdings seien es viel zu wenige, und sie seien nicht gepflegt. Erschwerend kommen die Witterungsbedingungen hinzu: Tagsüber herrsche T-Shirt-Wetter, so Höntsch, Schatten gibt es kaum auf den zur Riesen-Zeltstadt umfunktionierten Feldern. Nachts dagegen sinken die Temperaturen auf etwa fünf Grad Celsius. Schon mehrfach seien Unwetter mit Starkregen und Gewitter über das Lager hereingebrochen, etliche Zelte wurden geflutet, Flüchtlinge verloren ihr spärliches Obdach. Die Erde sei enorm aufgeweicht – „ein Nährboden für Bakterien, das macht uns große Sorgen“, so der Dresdner.

Süßer, heißer Chai für Geflüchtete

Seit rund zwei Wochen ist Florian Höntsch für den Dresden-Balkan-Konvoi in Griechenland, um den Menschen im Camp zu helfen: Er kocht Chai-Tee in einer Gulaschkanone, verteilt den süßen, heißen Gewürztee, kauft ein, hilft niederländischen Ehrenamtlern bei der Essenzubereitung, erledigt Fahrdienste, kümmert sich einfach um die Geflüchteten. Um vor allem den Kindern im Lager ein wenig Abwechslung zu bieten, haben die Dresdner beispielsweise einen Jonglage-Workshop organisiert. „Die Arbeit hier ist immer sehr spontan, planen kann man nicht, man denkt von Tag zu Tag“, erzählt Florian Höntsch. Er hilft aus freien Stücken, weil er überzeugt ist, dass Unterstützung bitter nötig ist. Eigentlich absolviert er gerade einen Bundesfreiwilligendienst beim Sukuma Arts e.V., aber der hat ihn für die Arbeit in Griechenland freigestellt.

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Seit Monaten engagieren sich ehrenamtliche Helfer des Dresden-Balkan-Konvoi in Idomeni. Ihre eindrücke der Arbeit an der griechischen Grenze.

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Insgesamt arbeitet ein Dutzend Mitstreiter des Dresden-Balkan-Konvois wie Höntsch ehrenamtlich in Idomeni, dazu kommen noch einmal sieben Dresdner, die sich auf der griechischen Insel Chios um Geflüchtete kümmern. Viele Studenten sind darunter, dazu Menschen, die über „freie Spitzen“ verfügen oder sich frei genommen haben. Im November 2015 war der erste Hilfskonvoi aufgebrochen, nur wenige Wochen später organisierten die Dresdner eine permanente Anwesenheit in Idomeni. Seit ein paar Tagen ist „Team 9“ in Griechenland, bald folgt Nummer 10. „Am kommenden Sonntag fahren noch mal zwei Fahrzeuge mit Zelten, Schlafsäcken sowie sieben Personen an Bord gen Süden“, erzählt Axel Steier vom Dresden-Balkan-Konvoi. Die „Neuen“ lösen Ehrenamtler ab, die schon länger in Idomeni helfen. „Zwei bis sechs Wochen bleiben die meisten Freiwilligen“, so Steier.

„Wir wollen unser Lächeln nicht verlieren“

Finanziert wird das Ganze ausschließlich mit Spenden – und wo die nicht reichen, schießen die Initiatoren aus privater Tasche zu oder müssen eben das Hilfsangebot kürzen oder ganz streichen. „Insgesamt brauchen wir 4000 bis 5000 Euro pro Woche“, so Steier. „Allein 3000 Euro gehen für Einmal-Pappbecher drauf, die wir aus hygienischen und ökologischen Gründen verwenden.“ Dazu kommen noch Benzin, anfallende Reparaturen und natürlich die Kosten für Tee, Zucker und Gewürze. Inzwischen geben die Dresdner rund um die Uhr Tee aus, haben sozusagen ein kleines Café aufgebaut. „Wir wollen kein Ich-geb-dir-was-und-dann-musst-du-wieder-gehen, sondern wir wollen den Kontakt zu den Flüchtlingen, die Gemeinschaftsaktion“, sagt Höntsch. „Wir wollen unser Lächeln nicht verlieren, das ist für die Menschen so wichtig.“

Freiwillige sorgen für Essen

Quasi die gesamte Essensversorgung im Flüchtlingscamp werde von mehreren internationalen Freiwilligen-Organisationen gestemmt, berichten die Dresdner. „Von staatlicher Seite kommt in Griechenland keine Hilfe, und vom Flüchtlingshilfswerk UNHCR gibt’s nie Essen, in keinem Camp in Europa“, so Axel Steier. „Die haben halt auch nicht viel.“ So unterstützen sich die privat organisierten Initiativen gegenseitig. „Wir arbeiten beispielsweise eng mit ’Ärzte ohne Grenzen’ und den Niederländern von ’Aid Delivery’ zusammen, die täglich rund 8000 Portionen Essen kochen“, erzählt Höntsch. „Auch mit ’Solidaritea’, einer sechsköpfigen internationalen Gruppe, die Tee in ihrer mobilen Küche zubereitet, versuchen wir, Ressourcen zu teilen.“ Außerdem helfen laut Axel Steier etliche Anwohner, obwohl sie selbst kaum etwas haben. „Die Griechen und auch die albanischen Serben sind sehr hilfsbereit – Hut ab.“

Für seine ehrenamtliche Arbeit in den Flüchtlingscamps sammelt der Dresden-Balkan-Konvoi Spendengelder: http://supportconvoy.org/ Einmal pro Woche nehmen die Ehrenamtler auch Sachspenden entgegen (donnerstags 15-19 Uhr, Lößnitzstraße 14). Derzeit werden hauptsächlich Zelte, Isomatten, Schlafsäcke, Schuhe sowie haltbare Lebensmittel benötigt.

Von Tanja Tröger

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