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Dresden Lokales Drei Tage aus der Fußperspektive
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11:03 12.04.2018
In über 200 Städten findet das Jane’s Walk Festival bereits statt, wie hier auf einer Stadtwiese in Wien im vergangenen Jahr. Quelle: "Dresden zu Fuß"
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Dresden

Wie wirkt Dresden aus der Sicht eines Architekten? Oder aus dem Blickwinkel eines Kindes? Aus welcher Perspektive vermag ein Obdachloser seine Heimatstadt wahrnehmen? Uta Gensichen von „Dresden zu Fuß“ möchte die Dresdner Bürger auf eine ungewöhnliche Reise durch ihre Heimatstadt mitnehmen. Die Initiative organisiert vom 4. bis zum 6. Mai das erste Jane’s Walk Festival in Dresden.

Uta Gensichen ist Initiatorin der Dresdner Jane’s Walks. Quelle: Anja Schneider

Die Jane‘s Walks sind kostenfreie, von Bürgern geführte Spaziergänge durch ihren Stadtteil oder ihre Straße. Jeder kann mitspazieren oder selbst einen „Walk“ leiten. „Dabei geht es nicht darum, eine klassische Stadtrundführung zu geben“, erklärt Initiatorin Gensichen, vielmehr stehe jeder Spaziergang unter einem bestimmten Thema. „Das kann kulinarisch sein, historisch, musikalisch oder architektonisch, jedoch stets aus der Fußperspektive“.

Eva Jähnigen führt unter städtebaulichen Aspekten

Die 37-Jährige versucht derzeit, auch einen Walk mit Behinderten zu organisieren. „Es ist sicher spannend, die Lebensweise von behinderten Menschen bei einem Spaziergang näher kennenzulernen“, meint die Organisatorin. Sie möchte, dass die Dresdner im Rahmen der Spaziergänge zusammenkommen und über das Quartier sprechen, in dem sie leben.

Bislang sind zehn Anmeldungen bei Uta Gensichen eingegangen. Privatpersonen bieten Führungen im gesamten Stadtgebiet – unter anderem in Gruna, Löbtau, Trachau oder der Äußeren Neustadt an. Die Veranstalterin konnte sogar ein bekanntes Gesicht für das Projekt gewinnen: die Dresdner Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Grüne). Am 5. Mai leitet die Kommunalpolitikerin eine städtebauliche Führung mit dem Titel „Wohlgefühl in der Altstadt“.

Über 200 Städte beteiligen sich

Namensgeberin des Festivals ist die kanadische Aktivistin Jane Jacobs. Sie setzte sich bis zu ihrem Tod im Jahr 2006 dafür ein, dass Stadtviertel lebendig bleiben und Städte von allen Einwohnern gestaltet werden. Bereits 1961 kritisierte Jacobs die entmenschlichte und autozentrierte Stadtplanung. Diese führe zu Isolation in den Stadtteilen.

Vor zehn Jahren fand der erste Jane’s Walk in Kanada statt – zu Ehren Jane Jacobs. Das Festival findet seitdem jährlich am ersten Maiwochenende statt. Mittlerweile beteiligen sich über 200 Städte weltweit an den Jane’s Walks. Hierzulande steckt das Projekt allerdings noch in den Kinderschuhen: Neben den Führungen in Dresden sind im Mai lediglich in Kiel und Bamberg Spaziergänge geplant.

Ein Jane's Walks in Wien Quelle: "Dresden zu Fuß"

Dabei hat gerade Dresden zahlreiche Parkanlagen und Spazierwege zu bieten, findet Gensichen. Die Festival-Organisatorin verfolgt neben der sozialen Komponente der gemeinsamen Spaziergänge noch ein weiteres Ziel: Die Dresdner sollen mehr laufen. „Im Moment dominiert das Autofahren unser Stadtbild. Die Jane’s Walks sind auch dafür da, den Fußgängern wieder den städtischen Raum zu generieren, der ihm zusteht“, erläutert die Aktivistin.

Hoffnung auf Mitläufer und den Wettergott

Aus Überzeugung versucht Gensichen, so nachhaltig wie möglich zu leben. Daher besitzt sie auch kein Auto. „Ich möchte niemandem vorschreiben, wie er zu leben hat“, stellt die 37-Jährige klar. „In Städten sind es jedoch immer die selben Dinge, die mich stören: Lärm und Dreck. Und Autos haben an beidem ihren Anteil.“ Deswegen ist Gensichen Mitglied bei „Dresden zu Fuß“. Der Verein setzt sich für die Belange von Fußgängern ein und gibt ihnen eine Stimme. Die Ortsgruppe nimmt Stellung zu stadtplanerischen Konzepten, organisiert Infoabende, Vorträge, Diskussionsrunden – oder eben ein Festival für Fußgänger.

Und wenn es vom 4. bis zum 6. Mai durchgängig aus Kannen gießen sollte, einfach aufs Auto umsteigen? Nix da. „Regen wäre schon doof. Aber die Spaziergänge finden trotzdem statt“, verrät Gensichen. „Eine Schlecht-Wetter-Variante oder ein Plan B, so etwas ist nicht angedacht.“ Die Organisatorin hofft daher auf strahlenden Sonnenschein – und auf viele interessierte Mitläufer, die ihre Stadt im Gehen näher kennenlernen wollen.

Noch bis zum 18. April können Spaziergänge auf dresdenzufuss.de/janeswalk angemeldet werden.

Von Junes Semmoudi

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