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Dresden Lokales Drei Jugendliche aus Dresden sind mit ihrer Nachhilfe-App „Tutorus“ auf Erfolgskurs
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08:47 04.12.2018
Das Tutorus-Team: Robert Schröder, Albrecht Nacke und Konstantin Kraut­häuser (v.l.n.r.). Quelle: Tutorus
Dresden

Eine eigene App zu entwickeln und er­folgreich zu vermarkten, davon träumt so mancher Jugendlicher. Konstantin Krauthäuser, Albrecht Nacke und Robert Schröder leben diesen Traum längst. Denn während Gleichaltrige in ihrer Freizeit auf dem Bolzplatz kicken, schalten die drei Elftklässler vom Kreuzgymnasium lieber ihre Laptops ein. Doch nicht etwa zum chatten oder spielen, sondern um an ihrem Projekt zu arbeiten.

Die Gymnasiasten sind die stolzen Entwickler von „Tutorus“, einer Online-Plattform zur Vermittlung von Nachhilfelehrern. Das Besondere dabei: Die Tutoren auf „Tutorus“ sind selbst noch Schüler oder Studenten. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Lehrer im Nachhilfestudio oftmals der kleine Bruder vom eigenen Mathelehrer sein könnte. Der Stoff wird auf die selbe Art und Weise vermittelt“, meint Konstantin. Zwischen Gleichaltrigen sei der Wissenstransfer ef­fizienter, davon ist der 16-Jährige überzeugt. „Denn der beste Nachhilfelehrer ist doch der Kumpel in der Fünf-Minuten-Pause, oder?“

Mit Herzblut und Leidenschaft

Das Konzept für die neue Plattform entstand aus der Not heraus: „Ich hatte Probleme in Mathe, deshalb habe ich Nachhilfemöglichkeiten gesucht“, erinnert sich Robert. Gängige Anbieter waren ihm zu teuer, Erklärvideos im Netz nicht individuell genug. Am Kreuzgymnasium werden allerdings ältere Schüler seit Jahren als Nachhilfelehrer für die jüngeren Klassen vermittelt. „Da kam uns die Idee: Wir wollen ein ähnliches System auch um­setzen – nur größer und in digitaler Form“, erzählt Albrecht.

In den letzten Osterferien ist der Startschuss für „Tutorus“ gefallen, seitdem stecken die drei Jungen viel Herzblut in ihr Projekt. Jeden Tag arbeiten sie gut zwei Stunden am Programmiercode, dem Produktdesign oder an der Vermarktungsstrategie. Die nötigen Kenntnisse in Sachen Informatik und Marketing hat sich das Trio selbst angeeignet.

„Fast wie bei Parship

Die Idee hinter „Tutorus“ ist simpel: Schüler, die sich in der „Tutorus“-App an­melden, können über einen Suchalgorithmus passende Tutoren aus der eigenen Wohngegend finden, die ihnen den Schulstoff erklären. „Das ist fast wie bei Parship“, sagt Robert und lacht. Die Plattform kann durch ihr Konzept günstigere Preise bieten als herkömmliche Nachhilfestudios, so wollen die Erfinder die Kosten für eine Unterrichtseinheit unter 15 Eu­ro drücken. Ein kleiner Anteil des Stundenpreises geht an das „Tutorus“-Team. Vermittlungsprovision nennt Robert diese Abgabe. „So verdienen wir unser Geld“, sagt er.

Mithilfe eines Suchfilters können Schüler bei „Tutorus“ den passenden Nachhilfelehrer in ihrer Nähe finden – fast wie bei Parship. Quelle: Tutorus

Wer als „Tutorus“-Lehrer sein Ta­schengeld aufbessern will, kann sich auf verschiedene Weise bewerben: Einerseits können Klassenlehrer eine konkrete Empfehlung für einen guten Schüler ab­geben. Außerdem können eingescannte Zeugnisse an die „Tutorus“-Team ge­schickt werden. Zu guter Letzt sollen auch Probestunden möglich sein, in denen Schüler die Arbeit ihrer Nachhilfelehrer beurteilen können.

Soweit so gut. „Wir wollen aber auch die Eltern in den Prozess einbeziehen“, sagt Konstantin. Nach der Nachhilfestunde erhalten die Eltern des Schülers deshalb ein Stundenprotokoll und die Rechnung über eine Web-App. „So wird der Fortschritt sichtbar – und der Unterricht bleibt transparent“, ergänzt Albrecht.

10 000 Euro und eine Google-Förderung

Tutorus“ ist zwar noch nichts weiter als eine Idee, die sich in der Umsetzung be­findet. Dennoch konnten die Urheber schon erste Erfolge verbuchen: Im Frühjahr nahmen die Teenager an einem bundesweiten „Business Plan“-Wettbewerb der Plattform „Startup Teens“ teil. Beim Finale in Berlin stellte das Trio seine Idee dutzenden Investoren und Jurymitgliedern vor – und überzeugte auf ganzer Linie, so dass die Dresdner Schüler den Hauptpreis ergattern konnten. „Das war ein surreales Erlebnis“, meint Robert. „Den Scheck in Höhe von 10 000 Euro haben wir dann für notwendiges Technikequipment eingelöst.“

Seit dem Erfolg bei „Startup Teens“ hat sich einiges im Leben von Konstantin, Robert und Albrecht verändert. Mittlerweile hat sogar der Internet-Gigant Google bei den Dresdnern angeklopft und ihnen kostenfreie Serverkapazitäten im Wert von rund 20 000 Euro angeboten. Da­mit können die Elftklässler die Funktionsweise ihrer App testen. Auch sind mehrere Investoren mit den Gymnasiasten in Kontakt getreten. Das liegt wohl daran, dass es bislang kein vergleichbares Produkt auf dem Markt gibt. „Hinzu kommt, dass die Menschen unsere Ge­schichte mögen. Sie finden es super, dass die Plattform nicht von Unternehmern betrieben wird, die nur finanzielle Interessen verfolgen. Hinter der Idee stehen drei Schüler, die ein Problem ihrer Generation lösen wollen“, sagt Robert.

Er und seine beiden Mitstreiter denken groß: Spätestens wenn sie volljährig sind, wollen Robert, Konstantin und Albrecht ein deutschlandweit agierendes Un­ternehmen gründen und mit „Tutorus“ eine Marktlücke schließen. Im Lauf der elften Klasse möchten die jungen Visionäre die Entwicklung abschließen – und ihr Produkt spätestens zum Abschluss der Schule auf den Markt bringen.

Dass sie mit ihrer Freizeitbeschäftigung ein großes Opfer bringen, ist den Tüftlern durchaus bewusst: „Durch die Arbeit an ’Tutorus’ wird wohl keiner von uns ein Spitzenabi schaffen. Schule ist uns zwar wichtig, aber wir fokussieren uns in erster Linie auf unser Projekt“, sagt Konstantin.

Und wenn das wider erwarten doch nicht klappt? „Wir stehen hinter unserem Produkt. Wenn es nicht genutzt wird, dann ist das eben so“, sagt Albrecht. „Aber wir haben trotzdem schon jetzt so viele neue Erfahrungen gemacht, die ohne ’Tutorus’ niemals möglich wären.“

Mehr Infos unter www.tutorus.org

Von Junes Semmoudi

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