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Lokales Drei Dresdner tüfteln an einem intelligenten Zimmergewächshaus
Dresden Lokales Drei Dresdner tüfteln an einem intelligenten Zimmergewächshaus
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14:20 01.12.2016
So ist der Plantabator aufgebaut.  Quelle: PR
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Dresden

 Der eine träumt von Süßkirschen im Winter, die andere möchte von ihrer Vanille-Orchidee endlich einmal Schoten ernten. Unter den hiesigen klimatischen Bedingungen gehört das ins Reich der Phantasie. Doch drei Dresdner arbeiten daran, solche Gartenträume im heimischen Wohnzimmer wahr werden lassen: Gartenbaustudentin Julia Schwarzmeier, Gartenbauingenieur Volker Croy und Maschinenbauingenieur Michael Klotsche.

Dipl.-Ing. Michael Klotsche, Julia Schwarzmeier (2.v.l.) und Gartenbauingenieur Volker Croy tüfteln an einem vollautomatisch steuerbaren Zimmergewächshaus. Für das Projektmanagement haben sie sich Carola Queitsch (2.v.r) mit ins Team geholt. Quelle: privat

Was ist die Idee?

Sie tüfteln, wie sie erzählen, seit geraumer Zeit an einem intelligenten Zimmergewächshaus, dem sogenannten Plantabator. Dieser „plant incubator“ – was übersetzt „Brutkasten für Pflanzen“ heißt – soll es möglich machen, dass jeder – auch ein gärtnerischer Laie – unabhängig von Jahreszeit und Witterung zu Hause seltene Nutz- und Zierpflanzen anbauen kann. Und das auf kleiner Fläche, mit sehr geringem Arbeits- und Energieaufwand, minimalem Wassereinsatz und ohne Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.

Gärtnern ohne Garten also. Eigenes Land, ein Balkon und selbst eine besonders helle Wohnung sind dafür nicht nötig. Auch das Überwintern von wertvollen Kübelpflanzen soll das Zimmergewächshaus möglich machen. Denn viele können Kumquat, Zitrone und all den anderen Schönheiten nicht die richtigen Bedingungen bieten, wenn es draußen schneit und friert. Meist stehen die Pflanzen zu warm und zu dunkel, ist die Luft zu trocken, setzt ihnen Zugluft zu. Die Folge: Krankheiten und Schädlinge wie diverse Läusearten, Spinnmilben usw. haben ein leichtes Spiel. Auch kann man durch den Plantabator dann den ganzen Winter über Früchte ernten.

Um der Verwirklichung des Projektes mit größeren Schritten als bisher näher zu kommen, starteten die drei Tüftler vor zwei Wochen auf der Internetplattform startnext – wie viele andere Unternehmensgründer vor ihnen – eine „Crowdfunding“-Kampagne. Auf Deutsch: Sie stellen dort ihr Projekt vor und werben um finanzielle Unterstützung.

Was soll die Startnext-Kampagne bringen?

15 000 Euro brauchen Julia Schwarzmeier, Volker Croy und Michael Klotsche nach eigenen Angaben mindestens, um nötige Zertifikate zum Brandschutz und vom TüV beantragen zu können. Außerdem soll das Geld verwendet werden, um Sonderanfertigungen zum Beispiel von Werkzeugen zur Herstellung bestimmter Module in Auftrag geben zu können. 1085 Euro sind, so der Stand am 29.11., im Topf. Und wenn das Geld nicht zusammenkommt, dann soll nach Aussage von Volker Croy das Projekt trotzdem weitergeführt werden. Es dauere dann länger.

Was ist am Plantabator anders als an Anbausystemen, die schon im Handel erhältlich sind?

„Wir wollen ein geschlossenes System anbieten, das allerdings von der Umwelt nicht hermetisch abgeriegelt ist. Mittels einer vollautomatischen Steuerung wird in dem Gewächshaus aus Kunststoff das für die jeweiligen Pflanzen optimale Klima geschaffen. Manuelles Gießen, Düngen, Lüften entfallen. Dafür bieten wir vorgefertigte Programme an. Wer selber experimentieren möchte, kann das mittels Computersteuerung allerdings auch“, so Volker Croy.

Ein wichtiger Punkt ist die Beleuchtung. Die Dresdner setzen nämlich weder auf Leuchtstoffröhren, noch auf Natriumdampflampen, Halogenmetalldampflampen oder auch Energiesparlampen, die üblicherweise zur Pflanzenbeleuchtung verwendet werden, sondern auf LED. „Die brauchen zum einen wenig Energie und produzieren nicht so viel Wärme wie z.B. Natriumdampflampen. Zum anderen können wir mit den LED die Lichtfarben besser steuern“, erklärt Volker Croy.

„Natriumdampflampen zum Beispiel geben ein Drittel des Lichtes im gelben Bereich ab. Pflanzen brauchen jedoch Licht im blau-violetten und rot-orangen Bereich. Je nachdem, ob das Wachstum oder das Blühen und Fruchten gefördert werden soll, wird der Anteil des Lichtes in dem entsprechenden Bereich erhöht“, so der Dresdner Gartenbauingenieur weiter. „Wir haben einen chinesischen Hersteller gefunden, der uns die LED in den Lichtfarben herstellt, die wir brauchen und sie auch in kleinen Stückzahlen verkauft. In Deutschland leider ein Ding der Unmöglichkeit.“ Mittels Computer sollen dann die LED so gesteuert werden, dass genau das Licht zur Verfügung steht, dass benötigt wird.

Und wie funktioniert die Bewässerung?

In Erde wollen die Plantabator-Entwickler die Pflanzen in ihrem Gewächshaus nicht setzen. Zum einen hätten so Trauermücken und Thripse keine Chance, sich anzusiedeln. Zum anderen sollen Wurzelkrankheiten weitestgehend ausgeschlossen werden. Die Pflanzen einfach in einen Wasserbottich zu setzen funktioniert aber auch nicht, weil dann Wurzeln faulen können und Algen wuchern. „Wir nutzen eine Aeroponic, d.h. wir besprühen die in der Luft hängenden Wurzeln mit Wasser“, erklärt Croy. Neu sind das Verfahren und auch der Pflanzenanbau ohne Erde nicht.

Wie groß wird das Gewächshaus sein?

Nach Vorstellung der Entwickler soll es unterschiedliche Gewächshausgrößen geben – vom Umfang einer Kaffeemaschine bis hin zur Kleiderschrankgröße. Entsprechend unterschiedlich werde dann auch der Preis ausfallen. „Wir rechnen, dass die vollautomatischen Zimmergewächshäuser etwa zwischen 300 und 2500 Euro kosten werden“, so der Dresdner Gartenbauingenieur. Er und seine Mitstreiter wollen Licht- und Bewässerungsmodul auch separat anbieten. „Gerade Kräuter sind relativ anspruchslos und müssen nicht in einem abgeschlossenen Gewächshaus stehen, gedeihen aber mit unserem LED-Pflanzenlicht und unserem Bewässerungssystem im Zimmer deutlich besser als auf der Fensterbank.“

Wie ist der aktuelle Stand der Entwicklung?

„Die Lampe ist fertig, der Klimacomputer funktioniert und wird mit Daten gefüttert. An der Bewässerung und am Düngesystem arbeiten wir, und das Gehäuse wird gerade schon in verschiedenen Ausführungen getestet“, geben Julia Schwarzmeier, Volker Croy und Michael Klotsche auf www.startnext.com/plantabator Auskunft. Ins Team haben sie sich jetzt die Projektmanagerin Carola Queitsch geholt. Hat die Startnext-Kampagne im Internet Erfolg, wollen die Entwickler das intelligente Zimmergewächshaus in zwei Jahren auf den Markt bringen.

Welche Garantie haben diejenigen, die Geld für die Entwicklung des Plantabators geben, dass aus diesem Wirklichkeit wird?

Wie bei jedem Crowdfounding-Projekt keine. „Wenn wir die 15000 Euro nicht erreichen, bekommt jeder sein Geld zurück“, so Croy. Ansonsten kann man als Geldgeber entscheiden, ob man das Projekt generell so toll findet, dass man es ohne Gegenleistung fördert. Oder man wählt aus diversen Dankeschöns. In diesem Fall zum Beispiel ein Balkonkasten-Set Obst für 25 Euro, ein von Volker Croy geschriebenes Buch mit lustigen Tierbeschreibungen für 50 Euro oder auch eine einstündige individuelle Gartenberatung im Wert von 175 Euro. Man kann aber auch einen fertigen Plantabator erhalten – „allerdings mit etwas Zeitverzögerung, da er noch nicht zu 100 Prozent fertig ist“, heißt es von dem Team.

Wo sehen die Gewächshaus-Entwickler ihre Zielgruppe?

„Der Plantabator ist die Antwort auf stark wachsende Trends wie Urban Gardening sowie ökologischer bzw. kontrollierter Eigenanbau“, erklären die drei auf ihrer Internetseite. Sie sind überzeugt, dass der Plantabator „mit der erfolgreichen Markteinführung und mit einer stetigen Weiterentwicklung“ auch „ein ernst zu nehmendes System in der Entwicklungshilfe“ werden könnte. Denn der modulare Aufbau ermögliche eine Anpassung an die jeweiligen individuellen Gegebenheiten.

Von Catrin Steinbach

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