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Lokales Diskussion um Pegida: Rechte Hetze ist im Netz lauter als die Demokraten
Dresden Lokales Diskussion um Pegida: Rechte Hetze ist im Netz lauter als die Demokraten
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15:33 03.12.2015
Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Zuletzt erwischte es unter anderem den Schokoladen-Hersteller Lindt: Angefeuert von rechten Online-Portalen ergoss sich ein Shitstorm über der Facebook-Seite des Unternehmens. Auslöser war ein Adventskalender mit einem orientalischen Motiv. Dass es diesen bereits seit Jahren gibt war völlig egal: Hass und Boykottandrohungen fluteten im Minutentakt die Kommentarspalte.

Das Phänomen ist nicht neu, wird aber immer deutlicher: Rechte Hetze dominiert die sozialen Netzwerke. Rechte sind im Netz deutlich lauter als die Demokraten, gibt auch Blogger Martin Fuchs zu. „Rechte nutzen soziale Medien intensiv und strategisch“ konstatiert Simone Rafael, Chefredakteurin des Portals „Netz gegen Nazis“. Rechtsextreme wie Rechtspopulisten hätten intensiv studiert, wie im Netz Kampagnen organisiert und Themen gesetzt werden. Teilweise hätten sie sich auch Know-How eingekauft, ergänzt Blogger Fuchs am Mittwochabend auf einer Diskussionsrunde der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Dresden.

Das spüren auch die Medien. Es gebe Tage und Themen, an denen die Hälfe aller Kommentare wegen gröber Verstöße gelöscht werden müssten, so Gunter Neumann, Online-Chef des MDR Sachsen. Pegida habe diesen Trend deutlich verstärkt. Mit dem Aufkommen der islam- und fremdenfeindlichen Bewegung hätten sich sehr viele Menschen neu auf Facebook und Twitter angemeldet, um nun oft und regelmäßig fremdenfeindliche Inhalte zu posten oder um Andersdenkende zu diskreditieren.

„Eine Form von Engagement für die Ideologie, die schwer zu toppen ist“, nennt Simone Rafael das. Neben einigen gut vernetzten Seiten, die ihre Inhalte abgesprochen und strategisch veröffentlichen, gebe es auch viele Bürger, die tatsächlich den ganzen Tag vor dem Rechner sitzen, um das Internet und vor allem Kommentarspalten mit fremdenfeindlichen Inhalten zu fluten. Viele der Hasskommentatoren seien zudem aufrichtig von dem überzeugt, was sie schreiben.

Teilweise bleibt es nicht bei fremdenfeindlichen Kommentaren, am Ende stehen regelmäßig Bedrohungen von Andersdenkenden. Nachdem beispielsweise die Seite „pi news“ im vergangenen Jahr Eric Hattke, den Sprecher von „Dresden für alle“, an den Pranger stellte, folgten unzählige Mails bis hin zu Morddrohungen sowie Droh-Anrufe bei Hattke und dessen Eltern.

Auch Silvio Lang, Sprecher des Bündnisses Dresden Nazifrei, erhält nach eigenen Angaben wöchentlich Beschimpfungen und Bedrohungen. Bei einigen Facebook-Kommentatoren wohne er offenbar „mietfrei in deren Kopf“, wie Lang schildert. Er selbst habe sich an die Drohungen inzwischen gewöhnt. Er ergreife aber diverse Schutzmaßnahmen, berichtet er.

Um dem Problem von Hetze, falschen Verdächtigungen und Bedrohungen Herr zu werden, schlägt Blogger Martin Fuchs eine bundesweite Netiquette, also eine Art Verhaltenskodex vor. MDR-Redakteur Gunter Neumann erteilt dem allerdings eine Absage. Dafür wäre eine eindeutige Haltung aller Medien nötig. Die gebe es schlicht nicht. Er erinnert daran, dass es einige Medien gibt, die Online und in den sozialen Netzwerken bewusst auch auf die Klicks von Fremdenfeinden setzen. Sein Rezept ist eine konsequente Moderation: So gelinge es ab und zu, Diskussionen wieder zu versachlichen.

„Netz gegen Nazis“-Chefin Rafael setzt vor allem darauf, dass möglichst viele Menschen selbst aktiv werden, um Nazis im Internet zu wiedersprechen. Dabei müsse aber jeder seine eigene Strategie finden. Zudem nennt sie zahlreiche Projekte wie „Rechts gegen Rechts“ oder die „Hooligans gegen Satzbau“, die sich kreativ mit dem Problem auseinander setzen.

Wichtig sei es auf jeden Fall, Rechten auch im Internet entgegen zu treten. Pegida habe es bereits geschafft, gesellschaftliche Feindbilder zu erstellen, warnt Gunter Neumann. Rechte Einstellungen würden sich immer mehr verfestigen. Das Problem werde nicht kleiner, sagt auch Silvio Lang. Durch neue Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, werde das Thema eher noch wichtiger.

Stephan Lohse

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