Menü
Dresdner Neueste Nachrichten | Ihre Zeitung aus Dresden
Anmelden
Lokales Digitalisierung macht Kriegsverluste nutzbar - Vorreiter Dresden
Dresden Lokales Digitalisierung macht Kriegsverluste nutzbar - Vorreiter Dresden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:01 25.11.2018
Der große Lesesaal der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB). Quelle: dpa/Sebastian Kahnert
Dresden

Die Digitalisierung im Kulturbereich macht Hoffnung auf die zumindest virtuelle Wiedergewinnung kriegsbedingt verlagerter Bestände deutscher Bibliotheken. „Sie hilft, Verlorenes zumindest wieder zugänglich und für uns nutzbar zu machen“, sagte der Generaldirektor der Sächsischen Landesbibliothek - Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB), Achim Bonte. Seine Einrichtung hat gerade eine entsprechende Kooperation mit der Russischen Staatsbibliothek Moskau zur gemeinsamen Erschließung von 250 Musikhandschriften vereinbart.

SLUB-Generaldirektor Achim Bonte Quelle: Dietrich Flechtner

Die überwiegend aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert stammenden Musikalien des sächsischen Hofes gehören zu den Beständen des Hauses, die sowjetische Trophäen-Kommissionen ab 1945 abtransportierten. Nach zehn Jahren Vorträgen und Willenserklärungen, der Annäherung und mehr Transparenz im Zuge des deutsch-russischen Bibliotheks-Dialogs gibt es nun „wirkliche Kontakte auf Fachebene“, berichtete Bonte. „Wir sind zu tätigem Handeln und Austausch über das Handwerkliche gekommen.“

Damit ist die SLUB Vorreiter in Deutschland. „Es ist der erste und entscheidende Schritt, der Türöffner für Weiteres sein kann, und eine Blaupause für andere Bibliotheken“, sagte der Generaldirektor. „Ich glaube, dass beide Seiten sehen, dass kulturelle Zusammenarbeit unter den schwierigen politischen Verhältnissen ein Weg sein kann, die Verbindung nicht abreißen zu lassen.“

Manchmal muss einfach das Original her

Bonte mahnte in diesem Zusammenhang zu Verantwortung und Fingerspitzengefühl. Bei allem, was schmerzlich vermisst werde, „müssen wir sehen, dass es eine großzügige Geste ist“. Schließlich habe nicht Russland, sondern Nazi-Deutschland den Krieg begonnen. An der offiziellen deutschen Position ändere sich allerdings nichts - der Anspruch auf das Eigentumsrecht sei nicht aufgegeben, jedoch Sache der nächsten Generationen. „Aber wir wollen nicht untätig bleiben müssen in der Zeit, die wir gestalten können.“

Die virtuelle Rekonstruktion sei Ergebnis von „Politik als Kunst des Möglichen“. Überzeugt haben die russische Seite dabei wohl auch interessante Projektvorschläge wie gemeinsame Konzerte auch mit künftig wieder komplettierten Musikhandschriften zum Vorteil beider Nationen und der kulturellen Zusammenarbeit. Bonte geht davon aus, dass dieser „erste Fonds“ dazu führt, dass Vertrauen wächst und die Erschließung weiterer Musikalien und später auch Texthandschriften, Inkunabeln und Drucken folgen.

„Wenn wir tatsächlich mal so weit kämen, alles, was überhaupt physisch noch vorhanden ist, digital wieder im Haus und damit auch weltweit verfügbar und langzeitarchiviert zu haben, dann sind wir schon ein erhebliches Stück weiter.“ Immerhin zählt die SLUB noch rund 200.000 Kriegsverluste.

Die nun vereinbarte technisch aufwendige digitale Reproduktion reiche für viele Forschungsfragen aus. „Wir können die Musikalien sofort in unserer Präsentation zeigen und in die Deutsche Digitale Bibliothek einspielen“, sagte Bonte. „Es gibt aber auch Schätze, wo das Haptische, die Aura des Originals eine Rolle spielt.“

Von dpa/Block

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Musikalisch geht es auf dem neuen Neustadt-Adventskalender zu. Und der Kirchenmusik an der Martin-Luther-Kirche kommen auch die Einnahmen daraus zugute. Den Kalender zeichnet Juliane Hackbeil – und zwar bereits seit Sommer.

24.11.2018

Jetzt machen Eltern im Dresdner Norden mobil: Mit Petitionen beim Land und bei der Stadt wollen sie um mehr Oberschulplätze kämpfen. Mütter und Väter fordern eine wohnortnahe Schule für ihre Kinder.

24.11.2018

Unter dem Motto „Krieg die Kurve, H&M!“ protestierten am Sonnabend in Städten auf der ganzen Welt Aktivisten gegen miese Arbeitsbedingungen bei Hennes und Mauritz. In Dresden führten junge Leute ein kleines Theaterstück auf – direkt vor der Ladentür.

24.11.2018