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Dresden Lokales Die Hightech Schwebebahn aus Dresden zieht nach Karlsruhe
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14:01 06.09.2017
Dietmar Berger (l.) und Dr. Ruben Hühne bauen die SupraTrans ab – mit einem weinenden Auge, denn eine Weiterentwicklung in der Region war nicht möglich.  Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

Schweben über dem Boden, Fortbewegen nahezu widerstandslos – was klingt wie in einem Zukunftsfilm, ist an einigen wenigen Orten weltweit heutzutage schon möglich. So auch bis vor wenigen Wochen am Niedersedlitzer Standort des Leibniz-Institut für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW), wo seit 2011 die Fahrversuchsanlage SupraTrans aufgebaut ist. Doch die Hightech Schwebebahn samt Forschung zieht nun um an das Institut für Technologie nach Karlsruhe. Dort sollen die Kollegen in einem weiterhin gemeinsamen Projekt mit dem IFW die seit 1993 in Dresden weiterentwickelte Technologie zur Marktreife führen.

Eigentlich als reines Forschungsobjekt aufgestellt, entwickelte sich die SupraTrans mit der Zeit zur Attraktion für Schüler, Studenten, Wissenschaftler und Investoren, sogar eine Episode „Die Sendung mit der Maus“ widmete sich der Dresdner Forschungsanlage. „Die Zielgruppe waren aber von Anfang an potentielle Projektpartner, die uns bei der Weiterentwicklung unterstützen“, erklärt Dr. Ruben Hühne, der seit 2015 für die SupraTrans verantwortlich zeichnet und seit fast 15 Jahren an der europaweit einzigartigen Anlage arbeitet.

Seit der Entdeckung der keramischen Supraleiter 1986 herrschte ein regelrechter Hype um diese vielversprechende Technologie, auch das IFW begann 1993 seine Forschung, zunächst mit kleinen Modellen und Projekten, ehe 2002 die erste Versuchsanlage mit einem Einsitzer folgte. 2008 bewilligten dann Bund und Land einen Projektantrag, 2011 konnte schließlich eine rund 80 Meter lange Versuchsanlage mit einem neuen Zweisitzermodell aufgebaut werden, die peu à peu erweitert wurde, beispielsweise durch kleine Hügel oder Weichen.

Im Fokus des IFW stand seit jeher die Weiterentwicklung der grundlegenden Technologie und Materialien, nämlich der Supraleiter. Diese spielen auch die entscheidende Rolle beim Aufbau der Magnetschwebebahn. Auf den Schienen sitzt ein sehr starker Dauermagnet, der ein kontinuierliches Magnetfeld erzeugt. Dieses durchdringt, anders als beispielsweise Metall, Beton oder andere Stoffe, das supraleitende Material nahezu vollständig und ungestört. Der Supraleiter im Fahrzeug wird dann durch flüssigen Stickstoff auf Minus 196 Grad Celsius gekühlt und somit die Teilchenbewegung gen Null reduziert (ähnlich wie im Weltall). So wird das Magnetfeld „eingeschlossen“ beziehungsweise „eingefroren“ und das Fahrzeug kann sich anschließend dank eines Induktionsantriebes im Schwebezustand fast ohne Widerstand auf den Schienen bewegen.

Doch das Dresdner Institut ist mit seiner Forschung nun am Ende angelangt, das supraleitende Material ist ausgereift und nicht mehr länger das zentrale Thema. „Das IFW ist in der Weiterentwicklung der Supratrans an seine praktischen Grenzen gestoßen“, erklärt Ruben Hühne. Für eine Weiterentwicklung, die letztlich auch zur Marktreife führen kann, seien noch viele Fragen zu klären. Die Themen Sicherheit, Witterung, Einbettung in den normalen Verkehr, Praxistauglichkeit sowie die Entwicklung eines Schienensystems seien nicht die Aufgaben des IFW, das auf Werkstoffe spezialisiert ist, so Hühne.

Deshalb kommt das KIT ins Spiel, das sich genau diesen Fragestellungen widmen kann. Mit Professor Bernhard Holzapfel, der lange Zeit am IFW und am Projekt SupraTrans arbeitete, später nach Karlsruhe wechselte und auch ein Faktor bei der jetzigen Zusammenarbeit ist, wartet dort auch ein vertrautes Gesicht. Am KIT soll dann unter anderem an einem elektrischen Kühlsystem geforscht werden, dass effizienter und effektiver ist, als die bisherige Stickstoffkühlung. „Es müssen einfach die nächsten Schritte gegangen werden, und das kann nicht am IFW geschehen“, so Hühne.

Dennoch blickt man dort mit einem weinenden Auge auf den bevorstehenden Abtransport der Hightech-Bahn. So habe man in den vergangenen Jahren intensiv um Partner aus der Region geworben, die die Weiterentwicklung der SupraTrans nahe ihres Entwicklungsortes Dresden übernommen hätten. „Doch leider konnten wir keinen regionalen Partner gewinnen“, so Hühne. Auch Dietmar Berger bedauert den Wegzug der SupraTrans aus Dresden. Der Ingenieur betreute die Anlage seit 2009 als technischer Leiter und koordiniert nun den Abtransport nach Baden-Württemberg.

„Irgendwann muss jede Entwicklung einmal in anderen Hände gegeben werden, das ist ein normaler Prozess. Das KIT hat sehr viel Expertise und Referenzen – wir sind froh, so einen Partner gefunden zu haben“, sagt Hühne. Die Supratrans ist mittlerweile schon abgebaut und in spezielle Transportkisten verpackt. Sie soll in den kommenden Wochen nach Karlsruhe überstellt werden. Die Verträge zwischen den beiden Instituten sind in der vergangenen Woche unterzeichnet worden.

Von Sebastian Burkhardt

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