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Auto & Verkehr Die Gartenstadtbahn: Die Linie 8 verbindet Hellerau mit der Südvorstadt

DNN-Sommerserie: Wir bringen Sie auf Linie Die Gartenstadtbahn: Die Linie 8 verbindet Hellerau mit der Südvorstadt

Wer sitzt eigentlich in Dresdens Straßenbahnen und auf welchen Linien kann die Stadt besonders gut erkundet werden? In unserer Sommerserie „Auf Linie“ stellen wir zweimal wöchentlich eine Straßenbahnlinie mit ihren Besonderheiten vor. Heute: Linie 8 - die Gartenstadtbahn. 

In der Südvorstadt endet die Linie 8 am Nürnberger Ei. Das bemalte Trafohäuschen nimmt Bezug auf Nürnberg und den Erfinder der tragbaren Kleinuhr.

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden. Wir starten morgens kurz nach 9 Uhr an der Endhaltestelle in der Südvorstadt – am Nürnberger Ei. Bis 1992 gab es hier eine Gaststätte mit dem Namen. Dann wurde sie abgerissen. An ihrer Stelle entstand ein Büro- und Geschäftshaus mit eiförmigem Grundriss. Heute befindet sich darin u.a. das Welcome-Center der TU Dresden. Kein Wunder, denn der Uni-Campus ist nahe, zu Fuß in wenigen Minuten zu erreichen.

Warten ist am Nürnberger Ei nicht langweilig. Es gibt Geschäfte, Café und Imbiss und einen kleinen Park. An einem bemalten Trafohäuschen wird optisch die Brücke nach Nürnberg geschlagen und Wissenswertes über das Nürnberger Ei und Peter Henlein, den „Erfinder der tragbaren Kleinuhr“ erzählt.

Die Linie 8 verbindet die idyllische Gartenstadt Hellerau im Norden mit der Südvorstadt.

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Die „8“ kommt. Der Fahrer hat an dieser Endhaltestelle nur wenige Minuten Pause. Er bleibt in der Bahn und verschwindet nicht, wie der Fahrer der Bahn zuvor, im Haltestellenhäuschen mit Aufenthaltsraum und Toilette.

9.10 Uhr geht es Richtung Hellerau. Neun Fahrgäste sind zugestiegen. Darunter Sandra Stephan (28). Sie nutzt zweimal in der Woche die Straßenbahn. „Heute fahre ich mit Mia ins Nordbad in der Neustadt zum Babyschwimmen“, verrät sie uns. Aline Nagaba (34) wohnt am Großen Garten und fährt sonst Bus. „Heute war ich hier aber beim Arzt und muss nun noch zur Krankenkasse. Deshalb nehme ich die Bahn.“ Alexander Ryl (60) dagegen fährt fast jeden Tag Straßenbahn. „Ich bin seit einem Jahr arbeitslos. Weil ich einen Schwerbehindertenausweis habe, kann ich kostenlos Straßenbahn fahren. Ich nutze das und fahre in die Stadt, an die Elbe oder erledige Wege.“

Die Linie 8 hat inzwischen am Nürnberger Platz gehalten, ist über die Münchner und die Fritz-Löffler-Straße – an der malerischen Russisch-Orthodoxen Kirche mit den Zwiebeltürmchen vorbei - zum Hauptbahnhof gefahren. Auch hier steigen, wie an der Haltestelle Reichenbachstraße, nur wenige zu. Keiner spricht ein Wort. Die meisten richten ihre Aufmerksamkeit aufs Handy, schreiben Nachrichten, hören Musik. Die anderen schauen zum Fenster raus. „Heute ist der Tag des Pekanusskuchens“, meldet das DVB-Fahrgastfernsehen. Aha.

Linie 8 und Tanz

Linie08 heißt eine Aufführungsreihe der Freien Szene Tanz in Dresden im Festspielhaus Hellerau. Der Projektname nimmt Bezug auf die Straßenbahnlinie 8, mit der man von Hellerau ins Stadtzentrum gelangt, und steht für die Verbindung Helleraus mit der Stadt Dresden, seinen Künstlern und seiner Tanzszene. „connected limits“ ist das Thema am 22. und 23. September. „An diesem dreiteiligen Linie08-Abend geht es um Geheimnisse. Und um gleiche und ungleiche Paare, die sich gegenübertreten und gemeinsam tanzen. Sie transportieren das Publikum durch unterschiedliche Orte und Zeiten und enthüllen dort Verborgenes“, so Daniela Lehmann vom TanzNetzDresden.

Erst an der Haltestelle Hauptbahnhof Nord – an der Prager Straße in Höhe Wiener Platz – wird es quirlig. Eine große Kindergruppe steht draußen, steigt aber dann doch nicht ein. Die Bahn füllt sich trotzdem. Auch eine größere Reisegruppe mit älteren Herrschaften aus Frankreich steigen zu. Nun geht’s weiter entlang der St. Petersburger Straße. Am Georgplatz biegt die Bahn nach links ein und hält an der Haltestelle Prager Straße zwischen Dr.-Külz-Ring und Waisenhausstraße. Hier steigen wider Erwarten nur wenige aus bzw. ein. Mehr los ist dann am Postplatz. Die Franzosen sind noch in der Bahn. Als sie den Zwinger sehen, kommt eine gewisse Aufregung in die Truppe. Am Theaterplatz steigen sie aus.

Der Theaterplatz ist zum Teil Baustelleneinrichtung, denn die Augustusbrücke wird saniert. Für den Autoverkehr ist sie schon gesperrt. Voraussichtlich ab 7. August dürfen auch die Straßenbahnen für ein Jahr nicht mehr drüberfahren. Die „8“ wird dann über den Pirnaischen Platz und die Carolabrücke umgeleitet. Aber jetzt kann man von hier noch den Blick auf die Silhouette der Altstadt genießen.

Steckbrief

Linienverlauf: Hellerau - Albertplatz - Postplatz (Zwinger) - Prager Straße - Hauptbahnhof - Südvorstadt (seit 28. Mai 2000)

Linienlänge: 13,3 Kilometer

Fahrzeit: 39 Minuten

Haltestellen: 26

Fahrgastzahlen: 20.100 Fahrgäste pro Werktag (2016)

Die Bahn biegt nach rechts in die Köpckestraße, dann am Carolaplatz nach links in die Albertstraße ab und nutzt die gerade Piste, um zu beschleunigen. Auf dem Jorge-Gomondai-Platz fällt der Blick auf ein Nachtlager hinter einem Gebüsch. Wer immer es genutzt hat, ist schon weg. Und schon ist Stopp am Albertplatz. Dann geht es auf der Königsbrücker Straße viereinhalb Kilometer Richtung Klotzsche. Auf der rechten Seite in der Neustadt erwacht gerade das Geschäftsleben.

Am und im Filmtheater Schauburg auf der linken Seite wird gerade gebaut, damit das Kino zum 90. Geburtstag im Oktober in neuem Glanz erstrahlt.

Die nächste Baustelle kommt dann nach der Querung der Stauffenbergallee am Dresdner Stadtarchiv. Novaled schafft sich an der Elisabeth-Boer-Straße einen neuen Firmensitz, saniert dafür bis Mitte 2018 die unter Denkmalschutz stehende Alte Mühle und errichtet einen Neubau.

Ein paar hundert Meter zuvor auf der rechten Seite befindet sich eines der größten Militärhistorischen Museen Europas. Von dem spektakulären Keil, den Daniel Libeskind in den historischen Altbau getrieben hat, sieht man von der Straßenbahn aus leider nichts. Denn dazwischen befindet sich die Zeitenströmung.

Das 60 000 Quadratmeter große Areal bietet Raum für Unternehmen und Kultur. Neben Dresdner Klassikerhandel, Triumph, Einrichtungshaus Dessin und Restaurant Elements haben sich hier viele weitere Firmen niedergelassen. Zudem gibt es gerade die Terrakottaarmee-Schau (bis 17. September) und die multimediale Kunstausstellung „From Monet to Klimt“ (bis Ende Dezember).

Unversehens sind wir an der Haltestelle Infineon Süd angelangt. Hier wird im III. Quartal der Bau einer neuen Gleisschleife beginnen. Die Linie 8 biegt nach links ab und fährt ein paar hundert Meter auf eingleisiger Strecke mitten durch den Wald. An der Haltestelle Am Hellerrand hat man die Gartenstadt Hellerau, gegründet 1909 durch den Möbelfabrikanten Karl Schmidt, erreicht. Die Siedlung aus kleinen Reihen-, Doppel- und Einfamilienhäuschen, in deren Vorgärtchen bunte Blumen blühen, vermittelt ein idyllisches Bild. An einem leeren Grundstück wirbt eine Baugemeinschaft um Mitstreiter, dann geht’s am Festspielhaus Hellerau vorbei.

In der Straßenbahn ist außer uns nur noch ein Fahrgast. Er steigt mit seinem Rad am Brunnenweg aus. Eine Haltestelle weiter ist Endstation an der Gleisschleife. Der Fahrer hat jetzt etwas länger Pause und verschwindet im Straßenbahnfahrerhäuschen. Wir steigen um in die Bahn, die zuvor angekommen ist und in wenigen Minuten Richtung Südvorstadt startet.

Es sitzen schon einige Fahrgäste drin. „Ich fahre zwei- bis dreimal pro Woche mit der Linie 8, um Wege zu erledigen“, sagt Petra Strämel (62). Jetzt will sie zum Sport ins Nordbad in der Neustadt. „Mich stört, dass die Bahn in den Schulferien nur alle 15 Minuten fährt und nicht alle zehn Minuten wie sonst“, sagt sie. „Dieser Abstand ist einfach zu lang.“ „Ja, und die Einsatzzeiten abends und am Wochenende sind eine Katastrophe“, ergänzt Lothar Wahler (58). „Sonnabends fährt die Linie 8 erst ab 8 Uhr, sonntags ab nach halb eins. Meine Frau geht am Wochenende arbeiten. Da muss sie früh erst ein Anruf-Linientaxi bestellen, umsteigen und ist viel länger unterwegs. Und zu bestimmten Zeiten wie am Sonntagvormittag fahren nur Pendelwagen von Hellerau bis Infineon-Nord. Die Linie 8 ist die mit dem schlechtesten Angebot. Das treibt die Leute zum Auto.“

Von Catrin Steinbach

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