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Die Dresdner waren nicht immer Faschings-Muffel

Spaßbefreit? Die Dresdner waren nicht immer Faschings-Muffel

Dresden im Februar 1955: Zehn Jahre nach dem wohl traurigsten Faschingsdienstag am 13. Februar bot sich in der Dresdner Innenstadt ein Anblick, der heute fast undenkbar wäre: Hunderte Dresdner tummelten sich zum großen Faschingsumzug auf dem Theaterplatz. Dresdner Narren zogen ausgelassen durch die von der Zerstörung gezeichnete Innenstadt.

Günter Bibrach, Ehrenpräsident des Dresdner Carneval-Clubs, ist seit 38 Jahren Karnevalist.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Dresden im Februar 1955: Zehn Jahre nach dem wohl traurigsten Faschingsdienstag am 13. Februar bot sich in der Dresdner Innenstadt ein Anblick, der heute fast undenkbar wäre: Hunderte Dresdner tummelten sich zum großen Faschingsumzug auf dem Theaterplatz. Mit ausgefallenen Kostümen und Kutschen zogen die Dresdner Narren ausgelassen durch die von der Zerstörung gezeichnete Innenstadt. Büttenreden, bunte Kostüme, Faschingsumzüge und Kamellen – buntes Treiben in der Faschingszeit sucht man im Veranstaltungskalender des Landeshauptstadt heute vergeblich.

Kutschen und Trubel auf dem Theaterplatz, inszeniert mit historischen Kostümen.

Kutschen und Trubel auf dem Theaterplatz, inszeniert mit historischen Kostümen.

Quelle: Im Februar 1955 wurde in Dresden beim Umzug auf den Straßen der Innenstadt noch ausgelassen Fasching gefeiert.

Die Dresdner feiern anfangs sehr verhalten, aber dann werden sie zu richtigen Faschingsnarren und wollen gar nicht mehr aufhören“, meint Günter Bibrach. Der 66-Jährige bekleidet das Amt des Ehrenpräsidenten der Dresdner Karnevalisten. Unter dem Motto „In der Hölle ist der Teufel los“ stiegen 1980, ein Jahr nach der Gründung des Clubs, die ersten Karneval-Feiern an drei Tagen im Haus Altmarkt. „Das waren drei tolle Tage – dort konnten wir uns richtig austoben und einfach mal die Luft rauslassen“, erinnert sich Bibrach.

Die Dresdner Karnevalisten waren in der DDR als Volkskunstkollektiv eingestuft, nach der Wende haben sich die Karnevalisten als Verein eintragen lassen. „Das war für uns eine schwierige Zeit. Denn: Nach der Wende hat in unseren Programmen ein wenig das Ablassventil gefehlt. Alle fanden die Wende toll, an politischen Themen fehlte es vorerst – also mussten wir in unseren Shows auf Klamauk gehen“, sagt Bibrach. „Die Grenzen wurden in der Faschingszeit geöffnet und viele wollten sich den Karneval lieber in Köln anschauen.“ Günter Bibrach erinnert sich aber immer gerne an die goldenen Jahre des Vereins. Mitte der 80er Jahre wurde unter anderem im Haus Altmarkt sowie im Kulturhaus Sachsenwerk gefeiert: „Im Jahr 1987 hatten wir bei 13 Veranstaltungen hintereinander weg volles Haus. An jedem Abend waren unsere Feiern im ehemaligen Haus der Armee, das heute das Goethe Institut beherbergt, mit 250 bis 300 Gästen restlos ausverkauft.“

Im Februar 1955 wurde in Dresden beim Umzug auf den Straßen der Innenstadt noch ausgelassen Fasching gefeiert.

Im Februar 1955 wurde in Dresden beim Umzug auf den Straßen der Innenstadt noch ausgelassen Fasching gefeiert.

Quelle: Im Februar 1955 wurde in Dresden beim Umzug auf den Straßen der Innenstadt noch ausgelassen Fasching gefeiert.

Zwischen 60 und 100 Mitglieder zählt der Verein. Die Zahlen schwanken, neue Gesichter und frischer Wind sind immer gerne gesehen. „Momentan sind wir rund 60 Mitglieder, der Elferrat ist derzeit allerdings noch unterbesetzt.“ Die Mitglieder des Dresdner Carneval Clubs sind nicht nur an Fasching aktiv. Das ganze Jahr über werden Programme geplant, Kostüme genäht, Kulissen gebaut und an dem Jahresmotto gefeilt. Auch zum Stadtfest präsentieren sich die Dresdner Narren an ihrem eigenen Wagen und informieren zum Vereinsleben. Ein großer Veranstalter hat bereits Interesse angemeldet: Derzeit stehen für den Verein Verhandlungen und Gespräche über eventuelle künftige Faschingsveranstaltungen im Parkhotel an.

Die diesjährige Saison des Dresdner Carneval Clubs steht unter dem Motto „Der DCC erlebt es ständig, nachts wird die Bücherei lebendig!“ – am Wochenende sowie am Faschingsdienstag sind die Karnevalisten im Watzke noch an einigen Terminen in Aktion zu erleben.

Von Juliane Weigt

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