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Lokales Die Dresdner Uniklinik wird Rohrpost-Versuchskaninchen
Dresden Lokales Die Dresdner Uniklinik wird Rohrpost-Versuchskaninchen
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16:27 29.09.2018
Projektleiter Benjamin Reppe zeigt eine der Kapseln. In dieser können Blut- und Gewebeproben zwischen Labors und OPs verschickt werden. Quelle: Anja Schneider
Dresden

Mit einem lauten Zischen verschwindet die Büchse aus der Neurochirurgie in einem Rohr. Ein Mitarbeiter hat zuvor per Knopfdruck auf einem Chip in der Büchse die Zustellungsadresse gespeichert. Eine Verdichter-Maschine im Keller des neuen Chirurgie Zentrums im Haus 32 auf dem Gelände der Dresdner Uniklinik sorgt nun gleichzeitig für Luftdruck und Sog in dem aktuell rund vier Kilometer langem Rohpostsystem. Mit bis zu acht Metern pro Sekunde, oder umgerechnet knapp 30 Kilometern pro Stunde, saust die mit Blut- oder Gewebeproben bestückte Büchse durch die Rohre. Das System verläuft in den Wänden des neuen OP-Zentrums und anderen Gebäuden oder unterirdisch über den Uniklinik-Campus.

„Durch die unterirdische Verbindung können Gewebeproben in weniger als zehn Minuten aus dem OP in die Pathologie zur Analyse geschickt werden“, sagt der kaufmännische Vorstand des Uniklinikums Wilfried Winzer.

Das Rohrpostsystem läuft vollautomatisch. Der Kaufmännische Klinikvorstand Wilfried Winzer erhofft sich dadurch eine enorme Effizienzsteigerung. Quelle: Anja Schneider

Konkret bedeutet das, während der Krebspatient mit offenen Bauchraum auf dem OP-Tisch liegt, können die Ärzte zum Beispiel Proben des Tumorrandgewebes zur Analyse schicken und bekommen schnell die Antwort zurück, ob sie noch mehr Gewebe entfernen müssen oder ob sie den Tumor schon vollständig herausgeschnitten haben.

Bisher flitzten Hilfskräfte mit dem Rad zwischen den Klinikgebäuden umher, um die Proben an die richtigen Stellen zu befördern. Mit der nötigen Dokumentation dauerte dies bis zu 20 Minuten pro Probe. „Für uns ist das neue Rohrpostsystem eine riesige Effizienzsteigerung“, sagt Winzer. Die vollautomatische Kommandozentrale der aktuell zwölf Rohrpostlinien liegt im Keller des Chirurgischen Zentrums. Hier finden sich die Maschinen für die Steuerung des Luftdrucks und unzählige Weichen für die Rohrpostbüchsen.

Ab Dezember soll das System zwischen dem neuen Chirurgischen Zentrum mit 17 OPs, der Pathologie sowie dem Institut für Klinische Chemie und der Labormedizin an den Start gehen. Langfristig soll der ganze Campus und auch eine Apotheke mit dem vollautomatischem Rohrpostsystem verbunden werden.

„Wir sind Versuchskaninchen“, sagt Winzer. Denn auf dem Campus entsteht die erste vollautomatische Rohrpost. Auch eine automatische Entladung der Büchsen ist in Planung. Rund 1,4 Millionen Euro sind bereits in die Anlage geflossen. Weitere sollen folgen. In Zukunft können Ärzte, Labormitarbeiter und Pflegekräfte dann bis zu 6000 Sendungen pro Tag durch das Rohrpost-Netz schicken. Damit wird die Anlage am Dresdner Uniklinikum zu einer der weltweit größten dieser Art.

Von Tomke Giedigkeit

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