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Die DNN zu Hause bei... Oberst Matthias Rogg

Die DNN zu Hause bei... Oberst Matthias Rogg

Accessoires, die irgendwie auf eine Tätigkeit bei der Armee verweisen, sucht man in den Wohnungen von Oberst Matthias Rogg vergeblich. Weder in seinem Haus in Potsdam, wo der Direktor des im Oktober wiedereröffneten Militärhistorischen Museums der Bundeswehr mit seiner Frau Jutta und seiner jüngeren Tochter Clara unter einem Dach lebt, noch in der Pendlerwohnung an der Stauffenbergallee hängen zum Beispiel alte Gewehre oder Orden an den Wänden.

Von christoph stephan

Stattdessen zieht sich ein anderes großes Thema durch das Zuhause von Rogg: die Religion.

"Meine Frau und ich sind tief verwurzelt im christlichen Glauben, wir leben diesen sehr offen", erzählt uns der 48-Jährige bei einer Tasse Friesentee. Es ist ein Sonntagnachmittag und wir sind gerade nach reichlich zwei Stunden Autofahrt im Potsdamer Stadtteil Bornstedt eingetroffen, in dem die Familie Rogg seit Ende 1999 lebt. Sie serviert selbstgemachte Apfeltorte und es dauert nicht lange, bis sich Matthias Rogg seine Gitarre schnappt. "Das habe ich mir als Jugendlicher selbst beigebracht. Ich spielte jahrelang in einer christlichen Band, meistens Gitarre und Bluesmundharmonika", sagt er, bevor wir gemeinsam das Lied "Wir sagen euch an den lieben Advent" anstimmen.

Religion und Bundeswehr? Beten für Frieden und gleichzeitig Angehöriger der deutschen Streitkräfte sein, die an Einsätzen in Afghanistan und an der Küste des Libanons beteiligt sind? Ein Widerspruch? "Überhaupt nicht", betont Rogg. "Bei der Bundeswehr passen sehr Viele nicht in allgemeine Klischees. Für mich als Christen kann es natürlich keinen unbedingten Gehorsam geben; man muss Brücken bauen, eigene Parameter setzen. Aber letztlich gibt es ohne Rechtssicherheit auch kein Recht und insofern ist es nicht bis zum Schluss gedacht, Gewalt prinzipiell abzulehnen."

In den Wochen vor der Eröffnung des Militärhistorischen Museums mit dem markanten Libeskind-Keil, als nur wenige wirklich daran glaubten, dass alles pünktlich fertig wird, habe er viel Kraft im Gebet gefunden. Und natürlich bei seiner Familie, mit der Matthias Rogg, wie er selbst sagt, in diesem hektischen Jahr leider viel zu wenig Zeit verbringen konnte.

"Wenn wir zusammen sind, zählt die gemeinsame Teestunde zu unseren wichtigsten Traditionen und die zelebrieren wir ausgiebig." Aus diesem Anlass kommt ein besonderes Teeservice auf den Tisch. Die Roggs haben es vor einigen Jahren während einer Rundfahrt durch Ostfriesland erstanden. Ein handbemaltes Service mit friesischer Rose im Stil des Porzellans aus dem 18. Jahrhundert. "Ich bin zwar in der Pfalz aufgewachsen, aber im ostfriesischen Wittmund geboren und habe immer noch Verbindungen dorthin", erklärt der Oberst.

Mit dem schicken Geschirr beginnt die Teetied, wie Jutta Erb-Rogg vorführt, allerdings erst. Nun wird kräftiger ostfriesischer Tee zubereitet. "Profis machen das mit zwei Kannen, damit die optimalen Temperaturen erreicht werden", sagt sie und ihr Mann ergänzt: "Ideal ist weiches Wasser, aber hier in Potsdam haben wir leider nur hartes. Es ist schon vorgekommen, dass ich aus Dresden Wasser zum Teekochen mitgebracht habe."

Schrittweise weiht uns die Familie in die wichtigsten Gesetze der ostfriesischen Teekultur ein. "Drei Tassen sind Minimum, alles andere gilt als unhöflich", betont Rogg. Die Kluntjes, also der Kandiszucker, und die Sahne dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Letztere muss man langsam am Rand der Tasse reintröpfeln. Entgegen dem Uhrzeigersinn, denn die Roggs lassen ab der "Wulkje Rohm" allen Alltagsstress hinter sich.

Jutta Erb-Rogg leitet den Bornstedter Friedhof, auf dem unter anderem der berühmte Landschaftsgärtner Peter Joseph Lenné begraben liegt. Die ältere Tochter, Hannah, studiert an der Philipps-Universität in Marburg Theologie. Die jüngere Clara geht noch zur Schule.

Bevor sich die Roggs in Potsdam niederließen, sind sie "durch Deutschland vagabundiert". Vater Matthias ist in seinem Leben insgesamt 17-mal umgezogen, hat in elf verschiedenen Bundesländern gelebt. "Das ist halt das typische Soldatenschicksal. Im Schnitt wird man alle zwei Jahre versetzt." Erst in der Hauptstadt Brandenburgs habe sich das Gefühl verfestigt, einen Anker legen zu wollen.

Das spürt man in ganz vielen Ecken des Hauses in Bornstedt. Es strahlt Gemütlichkeit aus. Das gilt für den antiken Stuhl aus Helmut Kohls Heimat Oggersheim, der im Wohnzimmer steht, ebenso wie für den Kamin und die Bilder mit Ansichten vom Roten Kliff auf Sylt, die Rogg im Urlaub selbst gemalt hat. Mit dem Haus in Potsdam seien sie endlich irgendwo richtig angekommen, erklären die Eheleute einmütig. "Deshalb kommt für mich ein erneuter Umzug mit der gesamten Familie nach Dresden vorerst nicht in Frage", meint Matthias Rogg.

Stattdessen hat sich der Museumschef eine kleine Zweitwohnung an der Stauffenbergallee genommen - nur wenige Gehminuten von seiner Arbeitsstätte entfernt. "Ich habe mich sofort in diese Wohnung verliebt. Sie ist nicht riesig, so dass ich sie leicht sauberhalten kann, aber sie ist wiederum groß genug, damit meine Frau auch ohne Probleme hier mit übernachten kann." In dem Gebäude, so weiß Rogg, war früher einmal die Sächsische Kavallerie untergebracht.

Wer jetzt allerdings beim Stichwort Pendlerwohnung eine unaufgeräumte Bude ohne Möbel vor Augen hat, der irrt. Alles liegt aufgeräumt an seinem Platz, in der Mitte steht ein Esstisch mit mehreren Stühlen, an der Decke hat Rogg stilsicher einen modernen weißen Lampenschirm angebracht und auf dem Weg vom Flur passiert man wiederum einen Jugendstilkerzenleuchter. In diesem Ambiente verbringt der 48-Jährige unterm Strich wesentlich mehr Zeit als in seinem eigentlichen Zuhause in Potsdam. "Deshalb war es mir so wichtig, in der Dresdner Wohnung viel Atmosphäre zu schaffen, damit ich hier abends nach getaner Arbeit richtig ausspannen kann."

Meistens gelinge dies schon beim Zubereiten einer leckeren Mahlzeit. Fastfood kommt bei Matthias Rogg nämlich grundsätzlich nur ganz ganz selten in die Tüte. "Ich koche unheimlich gern, meistens vegetarisch. Die asiatische und italienische Küche sagt mir besonders zu." Zeugnis dafür, dass er sich in der Pendlerwohnung wie in seiner ersten gemeinsamen Wohnung mit Ehefrau Jutta fühlt, ist übrigens das Hochzeitsgeschirr im dortigen Küchenschrank.

Künstler, Politiker, Wissenschaftler, Sportler, Vertreter von Kirchen und Religionsgemeinschaften und weitere Persönlichkeiten öffnen den DNN wieder die Türen ihres Zuhauses. Zum zehnten Mal stellen wir interessante Menschen in einer zwölfteiligen Serie privat vor. Heute sind wir zu Gast bei Oberst Matthias Rogg, der seit Juni vergangenen Jahres das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden leitet. Um sein Zuhause vorzustellen, mussten wir zwei Termine ausmachen: für den Besuch in Roggs eigentlichem Haus in Potsdam und den in seiner Pendlerwohnung in der Dresdner Albertstadt. Soviel sei vorab schon verraten, wir entdeckten ein Ambiente, wie man es bei einem Oberst der Bundeswehr wohl überhaupt nicht erwarten würde. Kein Platz für Klischees also.

Matthias Rogg

Direktor Militärhistorisches Museum

Matthias Rogg wurde 1963 in Wittmund geboren; er ist verheiratet mit Jutta Erb-Rogg, das Paar hat zwei Töchter: Hannah und Clara

1983 Eintritt in die Bundeswehr (Panzertruppe) - Berufssoldat

1989 bis 1993 Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Kunst- und Mittleren Geschichte an der Universität Freiburg im Breisgau

1994 bis 1998 Mitarbeit beim Aufbau des "Museums des Dreißigjährigen Krieges" in Wittstock/Dosse

1998 Promotion an der Universität Freiburg zum Thema "Soldatenbilder - Studien zur bildlichen Darstellung von Kriegsleuten im 16. Jahrhundert"

1998 bis 1999 Chef Unteroffizierlehrkompanie Braunschweig

1999 bis 2008 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Militärgeschichtlichen Forschungsamt (MGFA)

2008 bis 2009 Referent im Bundesministerium der Verteidigung

2008 Habilitation im Fach Neuerer Geschichte an der Universität Potsdam

seit Juni 2010 Leiter des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in Dresden

Matthias Rogg ist weiterhin Lehrbeauftragter für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Potsdam sowie an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 30.12.2011

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