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Lokales Die CDU-Stadtratsfraktion blickt in Prag über den eigenen Tellerrand
Dresden Lokales Die CDU-Stadtratsfraktion blickt in Prag über den eigenen Tellerrand
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12:00 06.09.2018
Klausur auf dem Original: Die Mitglieder der CDU-Fraktion und CDU-Kreisvorsitzender Christian Hartmann (Mitte) besichtigen die Karlsbrücke in Prag. Quelle: tbh
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Dresden

Sonntag, 13.30 Uhr: Sanft schaukelnd rollt der weiße Bus über die Autobahn 17. Einige der Fahrgäste unterhalten sich, andere bearbeiten ihre Tablet-Computer, manche haben die Augen geschlossen. Im Bus sitzen ehrenamtliche Politikerinnen und Politiker. Hinter ihnen liegen zweieinhalb Tage in Tschechiens Hauptstadt Prag. Die CDU-Stadtratsfraktion hat sich die Millionen-Metropole als Ort für ihre Herbstklausur ausgesucht.

„Tschechien ist unser Nachbarland, es gibt vielfältige Verbindungen zu Sachsen und Dresden“, erklärt CDU-Fraktionsvorsitzender Jan Donhauser die Wahl des Reiseziels. Prag ist näher an Dresden herangerückt. Die Fraktion testet es selbst: Hinzu Zugfahrt, Rückreise mit Flixbus. Nach nicht mal zwei Stunden hat der Bus die Bayrische Straße am Hauptbahnhof erreicht. Die Hinreise dauerte 25 Minuten länger.

In Tschechien lässt sich auch der Umbruch eines politischen Systems beobachten. Die Sozialdemokraten spielen im Parlament mit 7,27 Prozent Stimmanteil keine Rolle, das bürgerliche Lager ist in mehrere Bewegungen zersplittert. Stärkste Kraft ist eine 2011 gegründete Bewegung, die sich ANO nennt, was auf Tschechisch sowohl „Ja“ als auch „Aktion unzufriedener Bürger“ bedeutet. ANO regiert das Land und hat mit 17 Sitzen auch im Prager Stadtrat das Sagen. Die tschechische CDU hat sich mit ihren zwei Stadträten in ein Bündnis mit einer anderen bürgerlichen Bewegung und den Grünen begeben, das über acht Sitze verfügt.

Mit 65 Stadträten kommt die 1,2-Millionen-Stadt Prag aus, in Dresden mit etwas mehr als 500 000 Einwohnern sind es 70 Stadträte. Im Oktober ist Kommunalwahl in Tschechien, Wahlplakate muss man in der Metropole aber mit der Lupe suchen. Hier und da ein Großplakat, das war es dann aber auch. „Bei uns undenkbar“, sind die Dresdner erstaunt.

Freitag, 13.30 Uhr: Der Zug kommt am Hauptbahnhof an. Mit der Straßenbahn geht es in den Stadtteil Kampa ins Hotel, das etwa einen Kilometer von der berühmten Karlsbrücke entfernt liegt. Prag und Dresden haben ein hervorragendes ÖPNV-Netz gemeinsam, in der tschechischen Hauptstadt gilt weitgehend ein Fünf-Minuten-Takt. Die ersten Stadträte haben ihre Zimmer noch nicht einmal bezogen, da heißt es schon wieder Aufbruch: Tschechische Gäste warten im Verbindungsbüro des Freistaats Sachsen am Fuß der Karlsbrücke.

Freitag, 19.30 Uhr: Die Konferenz ist beendet. Abendbrot in einem Bierkeller in der Altstadt.

Sonnabend, 8.20 Uhr: Wer das Nachtleben der Metropole getestet haben sollte, muss Härte zeigen: Am frühen Morgen geht es mit der Straßenbahn zum Wenzelsplatz. Hier residiert die Deutsch-Tschechische Industrie- und Handelskammer in einem Bürogebäude mit einem umwerfenden Kuppelsaal, der einen hervorragenden Blick über die Altstadt von Prag bietet. Viel Zeit, die Aussicht zu genießen, gibt es nicht. Zwei Vorträge bis zum Mittag stehen an.

Sonnabend, 13 Uhr: Der Prager CDU-Stadtrat hat den kommunalpolitischen Erfahrungsaustausch kurzfristig abgesagt. Donhauser nutzt die Zeit für eine Fraktionssitzung und ein erstes Fazit: Welche Initiativen aus dem Gehörten und Gesehenen lassen sich für die Stadtratsarbeit in Dresden ableiten? Die Diskussion ist kontrovers.

Sonnabend, 15.30 Uhr: Stadtführerin Milena gibt einen Schnelldurchlauf durch die Prager Baugeschichte. Sie schimpft über die Bettler in der Innenstadt: „Überall werden Arbeitskräfte gesucht, und die lungern hier herum.“ Natürlich schaut sich die Fraktion die Karlsbrücke besonders genau an: „Völlig abwegig, die Augustusbrücke zur Karlsbrücke machen zu wollen“, schüttelt Baupolitiker Gunter Thiele den Kopf. „So geht Karlsbrücke richtig“, meint Donhauser. Schmal ist das Original und ohne Straßenbahngleise wie die Elbquerung in Dresden.

Sonnabend, 19 Uhr: Abendessen am Kampa-Park.

Sonntag, 9 Uhr: Früh am Morgen setzt sich die Reisegruppe in Bewegung. Straßenbahnfahrt zum Gottesdienst der deutschen evangelischen Gemeinde. Pfarrerin ist eine Dresdnerin: Elisabeth Veronika Förster-Blume war bis 2017 persönliche Referentin von Landesbischof Carsten Rentzing, ehe sie an die Kirche „St. Martin in der Mauer“ wechselte. Sie kann eine große Gemeinde begrüßen – neben den Gästen aus Dresden hat auch eine Reisegruppe aus der Schweiz den Weg ins Gotteshaus gefunden.

Sonntag, 13 Uhr: Der Bus startet. „Es ist stets ein Gewinn, über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen“, zieht Donhauser ein erstes Fazit.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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