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Die Antilopengang gibt sich am Freitag zum wiederholten Male die Ehre in Dresden

Interview Die Antilopengang gibt sich am Freitag zum wiederholten Male die Ehre in Dresden

Vor einem Jahr brachten die Rapper Danger Dan, Panik Panzer und Koljah alias Antilopengang das Album "Aversion" heraus. Über alle Sparten hinweg schreien sie dort ihren Unmut über die Welt hinaus. Wir haben uns vorab mit den Rappern getroffen, als sie als Vorband von Fettes Brot den Schlachthof zum Beben brachten.

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Gegen Mainstream-Boyband-Fotos: Panik Panzer, Danger Dan und Koljah (v.l.) von der Antilopengang.

Quelle: Anja Schneider

Dresden. Wie kam es zum schrägen Namen Antilopengang?

Panik Panzer: Das ist eigentlich eine Verwechslung. Ursprünglich geht es um einen Freund von uns, der Andreas Loben heißt. Kurzform Andy Loben. Irgendwie wurde dann aus der Andy-Loben-Gang eben die Antilopengang.

Koljah: Andreas Loben hat am Anfang auch bei unserer Gang mitgemacht. Es gibt ja oft jemanden, der mitmacht, aber nicht richtig zur Band gehört. Und als es dann Ernst wurde, haben wir unseren Namensgeber verloren (lacht).

Wie würdet ihr euer Album "Aversion" mit eigenen Worten beschreiben?

Koljah: Diese Aversion zieht sich wie ein roter Faden durch das Album. Wir haben uns über die Ablehnung und Abgrenzung definiert. Das sieht man auch in den Songs auf verschiedene Art und Weise. Der Song "Beate Zschäpe hört U2" ist vielleicht das beste Beispiel. Das Lied "Anti Alles Aktion" trägt im Titel schon diese Negation. Die Verneinung war so stark präsent auf dem Album, dass wir das in dem Titel zusammengefasst haben. Natürlich ist das auch ein stummer Schrei nach Liebe. Wir hätten gern, dass alles gut wäre.

Danger Dan: Wir sind sonst positiv eingestellt. Wäre uns die Welt egal, dann müssten wir uns auch nicht darüber beschweren. Und natürlich steckt hinter einer Aversion auch immer der Wunsch nach etwas Schönerem.

Welcher Song liegt von Aversion liegt euch am meisten am Herzen?

Koljah: Das ist sehr schwierig, denn jeder hat wahrscheinlich einen anderen. Ich mag "Ibiza" total gern. Allerdings stört mich der Refrain, denn das Lied ist an sich schön stimmig. Das haben wir uns wohl selbst kaputt gemacht (lacht).

Entweder oder: Lieber im Studio oder auf der Bühne?

Danger Dan: Immer wenn eine Studiophase schon länger anhält, wünscht man sich, dass sie endlich vorbei ist und man wieder auf die Bühne kann. Wenn man tagelang auf Tour ist, dann wünscht man sich nur noch nach Hause und endlich wieder ins Studio. Ich wünsche mir meistens das, was ich gerade nicht habe (lacht).

Koljah: Früher mochte ich die Studio- arbeit viel lieber. Das lag vielleicht auch daran, dass wir noch kein Publikum hatten (lacht). Live-Auftritte finde ich inzwischen cooler.

Ist die HipHop-Szene immer noch mit dem Gangster-Klischee behaftet?

Danger Dan: HipHop ist inzwischen so facettenreich wie noch nie. Inzwischen gibt es alles - Gangsta-Rap, Studenten-Rap, es gibt Hippies und Kampfsportler, die rappen.

Koljah: Ich glaube in den USA, wo HipHop schon länger besteht, ist das gar keine Diskussion mehr. Die Wahrscheinlichkeit, dass der nächste Präsident schon auf einer Freestyle-Bühne gestanden hat, ist relativ hoch. Wir sind irgendwo zwischen Gangster und Präsident (lacht).

Was sind eure Eindrücke von Dresden - Menschen, Besonderheiten, Flair?

Danger Dan: Unsere Eindrücke von Dresden sind sehr unterschiedlich, weil wir zu verschiedenen Anlässen an verschiedenen Orten hier waren. Der Auftakt unserer gleichnamigen Tour "Aversion" war bereits in Dresden. Das war sehr schön. Das war meiner Meinung nach eins der schönsten Konzerte. Die Groovestation war komplett voll und das Publikum war super.

Koljah: Und der Käse beim Catering war super! Ich weiß nicht, wo die Dresdner diesen Käse herbekommen, aber der ist Wahnsinn!

Im Juni seid ihr nach Freital gereist, um ein spontanes Konzert vor einer Flüchtlingsunterkunft zu geben. Wie kam es dazu?

Danger Dan: Wir waren auf Tour und haben im TV eine Übertragung aus Freital gesehen. Die Zustände haben uns erschreckt. Wir haben spontan entschieden, dass wir am nächsten Tag dorthin fahren. Dresdner Gruppen haben uns dann unterstützt und alles organisiert. Wir sind jedoch nicht nach Freital gefahren wegen der Leute, die Terror machen, sondern um die Leute, die da jetzt leben, zu begrüßen und wenigstens eine Stunde Ablenkung zu schaffen.

Panik Panzer: Es ging darum, Präsenz zu zeigen und vielleicht mit dem Konzert auch ein paar mehr Leute nach Freital zu locken.

Was habt ihr dort erlebt?

Koljah: Es war ein tolles Erlebnis. Die Kinder haben getanzt, 400 Leute konnten einfach mal abtanzen. Uns gegenüber standen allerdings auch 200 Hooligans, besorgte Bürger und Asylgegner. Die standen 50 Meter entfernt von der Bühne und brüllten "Wir wollen euch brennen sehen!" und andere fremdenfeindliche Parolen. Vor dem Flüchtlingsheim war eine gute Stimmung, aber diese Parolen haben uns schockiert.

Danger Dan: Sich diese Zustände vor Ort anzuschauen, war unfassbar. Ich glaube das Anstrengende war der Kontrast. Die Bühne wurde auch dazu genutzt, dass die Geflüchteten von ihren Erlebnissen erzählen konnten. Das waren so ergreifende Geschichten. Wenn dann im selben Augenblick wenige Meter weiter irgendwelche Idioten solche Dinge rufen, ist das unerträglich.

Gibt es eine Anekdote der Band, über die ihr heute noch lacht?

Danger Dan: Wir wollten uns nach einem Konzert frisch machen, um danach mit den Fans zu reden. Ich hab mein Deo ausgepackt und es aufgetragen. Da meinte Koljah: "Hey, das riecht total toll. Kann ich auch?" Dann ging das Deo im Kreis herum und der letzte, der es benutzte, sagte: "Jungs, das ist kein Deo, das ist Haarspray!" Das ist eine Anekdote, an die ich gern zurückdenke (lacht).

Juliane Just

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