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Lokales Deutschlands „Bürgerin des Jahres“ kommt aus Dresden
Dresden Lokales Deutschlands „Bürgerin des Jahres“ kommt aus Dresden
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21:58 17.02.2016
Elisabeth Ehninger Quelle: dpa
Dresden

Journalist und Cap-Anamur-Gründer Rupert Neudeck aus Köln hat ihn schon bekommen und auch der Düsseldorfer Solo-Cellist Thomas Beckmann, der sich unter dem Motto „Gemeinsam gegen Kälte“ unermüdlich für Obdachlose engagiert. In diesem Jahr fiel die Wahl auf die Dresdnerin Elisabeth Ehninger. Die Vorsitzende des Vereins „Dresden - Place to be!“ erhält den renommierten, mit 20.000 Euro dotierten Bürgerpreis des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Mit der Auszeichnung würdigt die Jury aus 259 Chefredakteuren das Engagement der zierlichen blonden Frau für eine Willkommenskultur in Dresden - jener Stadt, die durch die fremdenfeindliche Bewegung „Pegida“ Schlagzeilen geliefert hat. Vorgeschlagen wurde Elisabeth Ehninger von den Dresdner Neuesten Nachrichten. Die feierliche Preisverleihung findet am 18. Februar in Berlin statt. Die Laudatio für Deutschlands „Bürgerin des Jahres“ hält Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Die musikalische Begrüßung der Gäste übernimmt der Kölner Bandleader Wolfgang Niedecken.

Nicht nur kühn und unerschrocken sein, sondern auch Ideen und Organisationstalent haben muss jemand, der so etwas vorhat: Gleich mehrere spektakuläre Veranstaltungen haben Elisabeth Ehninger und ihre Mitstreiter binnen eines Jahres auf die Beine gestellt, um in Dresden ein Zeichen zu setzen für Weltoffenheit und Toleranz - das legendäre Konzert u.a. mit Herbert Grönemeyer auf dem Dresdner Neumarkt vor mehreren zehntausend Zuschauern vor einem Jahr, ein interkulturelles Gastmahl auf dem Altmarkt mit 5000 Besuchern und erst jüngst ein Begegnungsfest für mehr als 2000 Flüchtlinge und Einheimische im Dresdner Albertinum.

Elisabrth Enhninger engagiert sich in Dresden für die Integration bon Flüchtlingen. Quelle: Dietrich Flechtner

Dabei hatte alles ganz unspektakulär angefangen im Frühjahr 2014. Ausländische Wissenschaftler, die sich in Dresden ansiedeln wollten, hätten es in dieser Zeit schwer gehabt, in der Stadt Fuß zu fassen, berichtet Elisabeth Ehninger. „Wir haben ihnen Paten vermittelt, damit sie sich besser zurechtfinden und ganz schnell wohlfühlen können.“ Zwölf Gründungsmitglieder gehörten dem Verein „Dresden - Place to be!“ damals an, darunter der bekannte finnische Mediziner und Biochemiker Kai Simons, der im Jahr 2000 nach Dresden übergesiedelt war und anfangs selbst Schwierigkeiten mit den Behörden hatte.

Ende des Jahres 2014 aber begann die Zeit der montäglichen Pegida-Aufmärsche - einer Bewegung, mit der sich genau das verschlechterte, was der Verein eigentlich verbessern wollte: die Willkommenskultur in Dresden. „Wir haben dieses Düstere, Destruktive, das von Pegida ausging, und um den Jahreswechsel 2014/15 mit jeder Woche größer wurde, kaum noch ausgehalten“, entsinnt sich Elisabeth Ehninger. Damals habe man sich in kleiner Runde getroffen und beschlossen, „Pegida“ etwas ganz Großes entgegenzusetzen - „so groß, dass Tausende Leute zu uns kommen“, sagt sie. „Wir wollten allen zeigen, dass in Dresden auch weltoffene Menschen leben.“

Das blitzschnell organisierte Benefizkonzert „Offen und bunt - Dresden für alle“ am 26. Januar 2015 auf dem Neumarkt ist dann tatsächlich ein denkwürdiges Ereignis geworden. 25000 Menschen jubelten Herbert Grönemeyer, Sarah Connor, Woods of Birnam und 250 weiteren Künstlern auf der Bühne vor der imposanten Dresdner Frauenkirche zu. Finanziert worden ist das Konzert über private Spenden von etwa 2000 Dresdnern. „230000 Euro sind damals zusammengekommen“, sagt die Vereinschefin.

Verein „Dresden - Place to be!“

gegründet im Frühjahr 2014, derzeit knapp 20 Mitglieder

vermittelt Paten an Neu-Dresdner, die aus dem Ausland gekommen sind und sich in Dresden besser zurechtfinden wollen

organisierte als Reaktion auf die „Pegida“-Aufmärsche u.a. zwei Konzerte, eine Bürgerkonferenz zur Zuwanderungspolitik, ein Gastmahl für alle (“Dresden isst bunt“), ein Begegnungsfest für Flüchtlinge und Leute von hier (“Meet new Friends“) mit mehreren Begegnungsmöglichkeiten für die Tandem-Partner im Laufe des Jahres

weitere Initiativen: eine Fotoaktion im Internet, ein Dresdner Appell, den zahlreiche Prominente wie Sänger Peter Schreier und Trompeter Ludwig Güttler unterstützen (“Dresden, besinne dich! Dresden, empöre dich!“) und aktuell ein Spendenprojekt (“ich helfe.jetzt“)

Angebot: Werken und Nähen mit Flüchtlingen im Zentrum für Regenerative Therapien Dresden (CRTD)

schnelle Integration von Mitarbeitern im Gesundheitsbereich

www.dresden-place-to-be.de

Der vielfache Zuspruch machte Elisabeth Ehninger und ihren Helfern Mut, weitere Willkommensveranstaltungen vorzubereiten - die Bürgerkonferenz mit Diskussionsrunden zur Zuwanderungspolitik im Kongresszentrum am 28. März zum Beispiel, an die sich am Abend auf dem Theaterplatz die zweite Ausgabe des „Offen und bunt“-Konzerts anschloss.

Und weil auch Nächstenliebe durch den Magen geht und gemeinsames Essen verbindet, gab es noch einmal zwei Monate später ein „Gastmahl für alle“. Unter dem Motto „Dresden isst bunt“ nahmen Tausende Flüchtlinge und Dresdner am 10. Juni an einer 600 Meter langen, sternförmig aufgebauten Tafel auf dem Altmarkt Platz. Sie waren Gast und Gastgeber zugleich, brachten mit und bestimmten also selbst, was auf den Tisch kam. In Erinnerung geblieben ist Elisabeth Ehninger, dass an einem Nachbartisch Jugendliche aus Eritrea und junge Dresdner gemeinsam Musik machten. „Es kamen immer mehr junge Leute dazu, und als wir die Tafel gegen 20 Uhr wieder abbauen mussten, saßen sie immer noch da und sangen.“

Ähnlich intensive Begegnungen machte auch das große Willkommensfest „Meet new Friends“ möglich. Weit über 2000 Dresdner und Migranten feierten am 31. Januar ausgelassen im Lichthof des Dresdner Albertinums. Viele von ihnen fanden sich an diesem Sonntag Nachmittag als Tandem-Partner, verabredeten sich zum gemeinsamen Ausflug in den Zoo, zum Besuch eines Konzerts der Dresdner Philharmonie oder eines Fußballspiels bei Dynamo Dresden. Die Organisatoren um den Verein „Dresden - Place to be!“ hatten 70 verschiedene Institutionen um kostenfreie Angebote gebeten - und auch bekommen.

Überhaupt, sagt Elisabeth Ehninger, seien die Willkommenskonzerte und -feste für Flüchtlinge nur möglich gewesen, weil sich unzählige Helfer aus ganz verschiedenen Dresdner Einrichtungen engagiert hätten. Das Staatsschauspiel, die Staatlichen Kunstsammlungen und die Cellex-Stiftung nennt sie stellvertretend. Und die 20 ehrenamtlichen Dolmetscher in ihren leuchtend gelben T-Shirts fallen ihr ein, die beim Begegnungsfest im Albertinum dicht umringt für die Tandem-Partner übersetzt haben. „Das Bemerkenswerte daran ist, dass das genau die jungen ausländischen Wissenschaftler aus Dresdner Instituten gewesen sind, denen wir anfangs Paten vermittelt haben, damit sie sich hier schneller zurechtzufinden“, erklärt Elisabeth Ehninger. „Vor einem Jahr haben wir ihnen geholfen, jetzt helfen sie uns. So geht Freundschaft.“

Von Katrin Richter

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