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Lokales Deutliche Mehrheit der Dresdner hat ein Herz für historische Bauprojekte
Dresden Lokales Deutliche Mehrheit der Dresdner hat ein Herz für historische Bauprojekte
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14:00 02.01.2017
Die Mehrheit der Dresdner hält das Engagement für alte Bausubstanz und die Rekonstruktion früherer Bauwerke für gerechtfertigt. Quelle: dpa

Die Mehrheit der Dresdner hält das Engagement für alte Bausubstanz und die Rekonstruktion früherer Bauwerke für gerechtfertigt. Im aktuellen DNN-Barometer widersprechen 65 Prozent der Befragten der Aussage, „Dresden konzentriere sich zu sehr auf die Erhaltung und den Wiederaufbau alter Bauwerke und vernachlässige dabei die moderne Architektur“. Das Institut für Kommunikationswissenschaft der TU Dresden hat dafür im Auftrag der DNN Ende November/Anfang Dezember 505 repräsentativ ausgewählte Dresdner befragt.

Grundsätzlich ist das Interesse der Dresdner am Baugeschehen in der Stadt relativ groß. Viele wesentliche Projekte der letzten Jahre sind einer breiten Mehrheit bekannt. Nahezu drei von vier Dresdnern haben schon vom Projekt Hafencity gehört. Dahinter folgen das Narrenhäusel (63 Prozent), Herzogin Garten (54 Prozent), Marina Garden (41), Gartenstadt Striesen (40) und das „Moritzhaus“ am Neumarkt, von dem zum Zeitpunkt der Befragung 29 Prozent der Dresdner schon etwas gehört hatten.

Nur jedem fünften Dresdner wird beim Baugeschehen in der Stadt zu viel um alte Bausubstanz gerungen. 19 Prozent der Dresdner sehen damit die moderne Architektur an den Rand gedrängt. 14 Prozent sind bei ihrer Antwort unentschieden und zwei Prozent wissen gar nicht, was sie dazu sagen sollen. Ähnlich hohe Zustimmungswerte für die alte Bausubstanz und den Wiederaufbau hatte es bei einem Barometer 1997 gegeben. Damals widersprachen 68 Prozent der Meinung, Dresden sei zu sehr auf die Bauwerke der Vergangenheit ausgerichtet, nur 15 Prozent stimmten der kritischen Haltung gegenüber der Historisierung zu. Im März 2002 hatten sich die Gewichte etwas verschoben. Zu diesem Zeitpunkt stimmten 29 Prozent der Befragten der Aussage zu und sahen die moderne Architektur vernachlässigt, nur 56 Prozent sahen das vor 15 Jahren nicht so.

Eng verbunden mit dem Wiederaufbau historischer Elemente der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Stadt ist die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND). 52 Prozent der Dresdner haben von der Gesellschaft schon mal gehört, der Bekanntheitsgrad liegt damit über dem der halben Bürgermeister-Riege der Stadt.

Der GHND-Verein gründete sich 1999 als eine Initiative Dresdner Bürger, für die sich mit der archäologischen Rekonstruktion der Frauenkirche die Hoffnung verband, dass auch der umgebende Neumarkt in seinem historischen Bild und als harmonische, städtebauliche Einheit wiederhergestellt wird. „In Anbetracht vieler gesichtslos funktionaler Neubauten im Dresdner Zentrum sehen wir allein darin die letzte Chance, dieser Stadt ihre alte Identität und zugleich ein bürgerfreundliches Zentrum zurückzugeben“, heißt es in der Selbstdarstellung des Vereins, der sich seitdem nicht scheut, das Ziel mit allem Nachdruck zu verfolgen. Für andere Meinungen lässt die Anhängerschaft der Gesellschaft bisweilen wenig Platz. Großen Rückhalt haben die Neumarkt-Wächter bei den Friends of Dresden, einem 1994 von Nobelpreisträger Günter Blobel gegründeten Förderverein.

43 Prozent der Dresdner, die schon einmal vom Verein gehört haben, sind sich auch bewusst, dass die Gesellschaft eine Privatinitiative ohne Stimmrecht oder Mandat der Stadt Dresden ist. Insgesamt ebenfalls 43 Prozent halten den Verein allerdings entweder für ein von der Stadt beauftragtes Gremium mit Stimmrecht bei Entscheidungen zur Gestaltung des Neumarktes (23 Prozent) oder für ein von der Stadt eingesetztes beratendes Gremium des Stadtrates, welches sich um die Gestaltung des Neumarktes kümmert (20 Prozent).

„Der Verein hat es geschafft, an einem wichtigen Platz, einem emotional aufgeladenen Platz eine beachtliche Qualitätsdiskussion anzustoßen“, meint Baupolitiker Thomas Löser. Die Hartnäckigkeit, mit der darum gerungen wurde, sei dessen „großes Verdienst“. Löser: „Ich finde es grundsätzlich gut, wenn sich Bürger einbringen, auch wenn sie es vehement tun. Andere Haltungen sollten aber nicht grundsätzlich abgelehnt werden. Wir brauchen mehr Toleranz in der Debatte.“ Es sei nicht möglich zu sagen, dass historische Bebauung für alles die Lösung ist. „Wir müssen auch zeitgenössische Antworten finden.“ Nach dem weitestgehenden Abschluss des Neumarktes sei nun eine breitere Diskussion über Qualität von Architektur insgesamt in der Stadt notwendig. Da könne die Gesellschaft einen großen Beitrag leisten. „Der oft als seelenlos empfundenen zeitgenössischen Architektur kann das nur guttun“, meint Löser, der auch Fraktionschef der Grünen im Stadtrat ist.

Von Ingolf Pleil

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