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Lokales Deshalb will Dresden den Zelleschen Weg schmaler bauen
Dresden Lokales Deshalb will Dresden den Zelleschen Weg schmaler bauen
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13:51 08.04.2019
So soll der Zellesche Weg nach dem Willen der Verwaltung ausgebaut werden: Überbreite Fahrspuren und breite Rad- und Gehwege. Quelle: Dresdner Verkehrsbetriebe AG
Dresden

Die Stadtverwaltung arbeitet in einer Arbeitsgemeinschaft mit den Dresdner Verkehrsbetrieben und den Stadtwerken Dresden GmbH an einer europaweiten Ausschreibung für den Zelleschen Weg. „Wir halten an der beschlossenen Variante mit einem zweistreifigen Ausbau mit überbreiten Fahrspuren fest“, erklärte Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Bündnis 90/Die Grünen) gegenüber DNN. Das hatte der Stadtrat am 21. Januar 2016 mit den Stimmen der damaligen rot-grün-roten Mehrheit beschlossen. „Das ist auch heute noch richtig“, so Schmidt-Lamontain.

Der motorisierte Individualverkehr verliert nichts

Kostengründe, die Erhöhung der Sicherheit für den nichtmotorisierten Verkehr und die zu erwartende Verkehrsbelegung der Strecke würden für die beschlossene Variante sprechen. Der motorisierte Individualverkehr werde mit einer Reduzierung der vier Fahrspuren nicht an Tempo verlieren, so Schmidt-Lamontain. „Da alle Kreuzungen auch bei der zweistreifigen Variante voll ausgebaut werden, ist ein zügiger Verkehrsfluss gewährleistet.“

Die Kreuzungen seien für den Verkehrsfluss kritisch und würden deshalb mindestens vierspurig ausgebaut, so der Baubürgermeister. „Wenn es verkehrstechnisch notwendig sein sollte, etwa für eine Abbiegespur, kommen weitere Spuren dazu. Deshalb wird die Geschwindigkeit nicht geringer sein.“

Breite und sichere Rad- und Gehwege

Die beschlossene Ausbauvariante erlaube es, im Umfeld der Sächsischen Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden (SLUB) breite und sichere Rad- und Gehwege zu bauen. Die Technische Universität habe über 45 000 Beschäftigte und Studierende im Bereich Zellescher Weg, viele von ihnen würden mit dem Fahrrad fahren. „Wir müssen dringend die Radwegesicherheit vor der SLUB erhöhen“, weiß Schmidt-Lamontain.

Die Stadtratsfraktionen von CDU und FDP fordern in einem aktuellen Antrag, die Planungen zu stoppen und die Strecke vierspurig auszubauen. Die Verwaltung habe 2016 mit der Vorzugsvariante eine bedarfsgerechte und ausgewogene Planung vorgelegt, erklärte Gunter Thiele, baupolitischer Sprecher der CDU. „Doch die damalige Stadtratsmehrheit hat die Pläne der Verwaltung verworfen und sich über die einstimmigen Voten der Ortsbeiräte hinweggesetzt. Das Ergebnis der Umplanung war ein Rückbau der Straße.“

Rückbau verkennt Bedeutung der Verkehrsache

Dieser Rückbau werde der verkehrlichen Bedeutung dieser Straße als wichtige Ost-West-Verbindung und auch als Umleitungsstrecke für die Autobahn nicht gerecht. „Das Argument, eine überbreite einspurige Fahrbahn werde das Überholen problemlos ermöglichen, sehe ich mit Blick auf die starke Nutzung durch Lkws und Busse und angesichts der verminderten Fahrbahnbreite anders“, so der Baupolitiker. Die 2016 beschlossene Variante weiche von der Richtlinie für die Anlage von Stadtstraßen ab, es werde zu Problemen mit der Genehmigungsfähigkeit kommen.

Offen für Gespräche und Korrekturen

Die CDU wolle die von der Universität vorgebrachten Einwände aber nicht einfach übergehen. „Ich verstehe das Anliegen, hier insbesondere für die zahlreichen Radfahrer gute und sichere Lösungen zu finden.“ Die CDU werde das Gespräch mit den beteiligten Akteuren suchen. „Wir wollen uns auf mögliche Anpassungen verständigen.“ Bis 2023 seien keine Mittel für den Zelleschen Weg im Haushalt eingeplant, so dass kein Umsetzungstermin weiteren Gesprächen und einer Korrektur im Wege stünden“, erklärte Thiele.

Soll der Zellesche Weg vierspurig bleiben?

Rot-grün-rot hatte 2016 im Stadtrat den Umbau der Straße samt Reduzierung auf zwei überbreite Fahrspuren beschlossen. CDU und FDP wollen das nun rückgängig machen. Sollen die vier Fahrbahnen erhalten bleiben?

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Sollte der CDU/FDP-Antrag im Stadtrat eine Mehrheit erhalten, müsste die europaweite Auschreibung auf Eis gelegt werden, erklärte Schmidt-Lamontain. „Dann müssten wir Grundstücksverhandlungen führen.“ Bei einem vierspurigen Ausbau müsste die Stadt sowohl in den SLUB-Wall als auch in Vorflächen von TU-Institutsgebäuden sowie in private Grundstücke eingreifen.

Breite Straßenschneise durch den Uni-Campus

„Der Eingriff in den SLUB-Wall wäre nicht nur städtebaulich nachteilig, sondern auch aus Umweltgesichtspunkten“, gibt Schmidt-Lamontain zu bedenken. Der Wall mit den Linden sei mit dem SLUB-Gebäude angelegt worden, um Eingriffe in die Landschaft auszugleichen. Es spreche aber auch ein städtebauliches Argument gegen die vierspurige Trasse: „Wir arbeiten an einem hochwertigen Campus für die TU. Es würde unseren Bemühungen regelrecht zuwiderlaufen, wenn wir mitten in das TU-Areal eine breite Straßenschneise treiben und die Aufenthaltsqualität vor der SLUB dadurch mindern“, so der Baubürgermeister.

Der vierspurige Ausbau sei zudem kostenintensiver als der zweispurige, die Fertigstellung würde sich deutlich nach hinten verschieben, erklärte Schmidt-Lamontain. Der Stadtrat hat das letzte Wort zum Zelleschen Weg.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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