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Lokales Wiederaufbau des Lukaskirchturms rückt in weite Ferne
Dresden Lokales Wiederaufbau des Lukaskirchturms rückt in weite Ferne
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14:02 24.11.2018
Zumindest hängt wieder ein Ziffernblatt der Uhr der Lukaskirche. Quelle: Dietrich Flechtner
Dresden

An der evangelischen Lukaskirche in der Dresdner Südvorstadt zeigt sich der Un­terschied zwischen Wunsch und Bedürfnis. Bei der Frage „Wie weiter?“ scheiden sich die Geister. Zwei Interessengruppen stehen einander gegenüber. Die einen hät­ten für den 115 Jahre alten Neorenaissancebau gern die alte Turmhaube zu­rück. Sie war bei den Bombenangriffen 1945 abgeknickt. Zurück blieb der rund 50 Meter hohe Turmstumpf. Die Turmhaube würde ihn auf 83 Meter erhöhen, nahezu das Doppelte. Dann sähe die Kirche fast so aus wie 1903, als sie nach Plänen des Leipziger Architekten Georg Wei­denbach auf künstlicher Anhöhe er­richtet wurde – zu­mindest von au­ßen.

Den Hingucker und Orientierungspunkt in der Stadtsilhouette, der einem auffallen würde, wenn man von Süden in den Talkessel kommt, wünschen sich auch etliche Stadtbewohner, auch wenn sie nie in einen Gottesdienst gehen würden. Dieses Ziel vertritt der 2002 gegründete Förderverein und sammelt Spenden. Jüngst sorgte er für öffentliches Aufsehen, als eines der vier historischen Zifferblätter am Turm angebracht wurde.

Andere sind weniger himmelstürmend. Sie fragen sich: Was muss jetzt am dringendsten gemacht werden, damit die Gemeinde mit ihren rund 3500 Mitgliedern das Kirchgebäude weiterhin nutzen kann? Die Interessen der Mitglieder vertreten der Kirchenvorstand, Pfarrer Dieter Rau und Architekt Stefan Jarmer.

Seit März steht ein Gerüst. Hauptturm und östlicher Seitenturm sind oben repariert worden. Von dort waren Steine her­ab­gefallen. Ein Netz ver­hinderte Schlimmeres. Als die Zeit des Provisoriums ab­lief, habe die Ge­meinde Handwerker hin­aufschicken müssen, sagt Jarmer. Jetzt sind die Turmdächer dicht und die Steine sicher. „Und der Turm hat nicht mehr diese Baskenmütze auf“, sagt Pfarrer Rau.

Nun ist der Glockenstuhl für die vier Stahlgussglocken von 1921 dran. Rund 70.000 Euro kostet die Sanierung insgesamt. Den größten Teil davon teilen sich Landeskirche und Denkmalpflege. Die Gemeinde selbst will 22.200 Euro an Spenden aufbringen. Läuft alles nach Plan, könnten sie außen bis Jahresende fertig sein, wie Stefan Jarmer sagt. 2019 soll das Innere des Turms umgestaltet werden. Unter anderem so, dass man von dort künftig auf direktem Wege auf die Emporen hinaufkommt. „Jetzt muss man dazu durch die ganze Kirche nach vorn bis neben den Altarraum“, so Pfarrer Rau.

Üble Gerüche aus dem Tonstudio

Als nächstes muss der Kranz der Räume saniert werden, der sich rings um den Hauptraum unter den Emporen entlangzieht. Den teilen sich Kirchgemeinde und Konzertveranstalter. Einer ist Tonstudio. Der Volkseigene Betrieb Deutsche Schallplatten hatte das bis 1972 eingebaut. Weit genug entfernt von Hauptstraßen mit Au­tolärm, besaß die Kirche die ideale Lage. Das habe das Gebäude vor der Schließung bewahrt, so Rau. Heute dünsten die Materialien von einst üble Ge­rüche aus. Musikern, die hier proben und aufnehmen, sei das kaum noch zuzumuten.

Doch als Konzertsaal werde die Lukaskirche so häufig wie kaum eine andere in Dresden genutzt, sagt der Pfarrer. Um die 50 Konzerte gibt es pro Jahr – Klassik, Jazz, Pop. Veranstalter schätzen an dem Saal, dass man so viele Stühle aufstellen kann, wie gebraucht werden. Die Akustik hatte damals beim Umbau Vorrang. Schöner hat das die Kirche nicht ge­macht. Die Wände sind unten mit glattem Holz verkleidet, darüber sind Akustik-Platten mit Löchern angebracht. „Man sitzt hier drin jetzt wie in einer Holzkiste“, meint Architekt Jarmer. Die Gemeinde hätte gern ein Schiff, das wieder mehr nach Sakralraum aussieht. Doch schon das ist Zukunftsmusik. Es wäre die letzte Etappe. „Bis dahin wird es wohl eher 20 Jahre dauern“, sagt Rau. „Vor allem: Es muss genügend Geld dafür da sein.“ Jarmer schätzt, dass ein zweistelliger Millionenbetrag nö­tig ist.

Die Lukaskirche Dresden

Förderverein: Ziel ist Errichtung einer originalgetreuen Kopie des Turmhelms. Dafür hat der Förderverein bereits mehr als 213 000 Euro Spenden gesammelt. Informationen gibt es im Internet: www.lukaskirchturm-in-dresden.de

Kirchgemeinde: rund 3500 Mitglieder; Angebote wie etwa „Religion für Erwachsene“, Meditativer Tanz, Tanzkreis, Seniorenkreise, für Jugendliche Lukastheater, Treff „Mittwoch nach 8“, für Familien Eltern-Kleinkind-Kreis, Pfadfinder; Kirchenmusik mit „Lukasspatzen“, Kurrende, Chor, Gospelchor, Offenes Singen, Posaunenchor, Flötenkurs, Lukasband

Gottesdienste: diesen Sonntag, 10 Uhr, zum Ewigkeitssonntag; 2. Dezember, 10 Uhr, zum 1. Advent; 3. Dezember, 19 Uhr, Gebet nach Taizé

Konzerte: 28. November, 18.30 Uhr, Sinfonisches Nachwuchskonzert zur Vorweihnachtszeit des Heinrich-Schütz-Konservatoriums (HSKD); 29. November, 20 Uhr, Vonda Shepard; 2. Dezember, 17 Uhr, Weihnachten in aller Welt; 9. Dezember, 18 Uhr, Bachs Weihnachtsoratorium, Kantaten 1-3; 15. Dezember, 17 Uhr, Amina Africa“, Adventskonzert des St. Lukas Gospelchores; 24. Januar 2019, 20 Uhr, Veronika Fischer + Band

Geschichte: errichtet als Hallenkirche im Neorenaissance-Stil 1898; 1903 nach Plänen des Leipziger Architekten Georg Weidenbach aus Ziegeln, Lausitzer Granit und Postelwitzer Sandstein; 1945 Turmhelm abgeknickt; 1959 - 1972 zum Tonstudio für Orchesterproben und Schallplattenaufnahmen umgebaut, Kirchraum in vereinfachtem Stil

www.lukaskirche-dresden.de

Was sie von sich aus gar nicht erwähnen, ist die Turmhaube. In ihrer Planung kommt sie vorläufig nicht vor, weil sie noch hinter der Zu­kunftsmusik liegt. „Erst müssen alle Räume in ei­nem zu­kunftsfähigen Zustand sein, nutzbar für un­sere Gemeinde und für die Musik“, be­tont der Pfarrer. „Die Turmhaube kostet viel Geld, das wir im Mo­ment nicht ha­ben. Und wir brauchen sie nicht. Diese Räume dagegen brauchen wir und die vielen Konzertbesucher wirklich dringend.“ Jarmer spricht von ei­nem „postkartengleichen Urzustand“. 40 Jahre et­wa habe die Kirche mit Turmspitze ge­standen, mittlerweile 73 Jahre ohne. Und Rau wird nachdenklich, wenn er an Mitgliederschwund und Ge­mein­dezusam­men­legungen denkt: „Die­ weithin sichtbare Turmspitze – sind wir das wirklich heute als Kirche? Sind wir nicht viel mehr für die spirituelle Betreuung von Ju­gend­lichen bis zu Senioren und mit unserer so­zialdiakonischen Arbeit ge­fragt?“

Von Tomas Gärtner

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