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Dresden Lokales Der Weltmeister mit dem Schlepper
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09:21 27.07.2017
Der Dresdner Kai Hölzel und seine Tochter Tina trainieren am Copitzer Natursee. Dort zeigen sie ihre erfolgreichen Schiffsmodell und die WM-Pokale  Quelle: Stephan Klingbeil

 Die „Fairmount Summit“ von Kai Hölzel wiegt 13 Kilogramm. Das originalgetreue Modell des Ankerziehschleppers hat der 47-Jährige aus Dresden-Pillnitz über mehrere Jahre hinweg fertiggestellt. „Insgesamt 1000 bis 1500 Stunden braucht man dafür“, erklärt er am Natursee von Pirna-Copitz. Hier trainieren Hölzel und die anderen rund 40 Mitglieder vom Modellsportverein (MSV) Sächsische Schweiz.

Vor 17 Jahren haben sich mehrere Freunde dieses doch eher unbekannten Sports zusammengetan. „Viele kamen aus Dresden oder eben aus dem Raum Pirna, da bot sich das an“, erinnert sich Hölzel. Er selbst baut seit vier Jahrzehnten Schiffsmodelle und steuert die Boote mittlerweile über Funk durch das Wasser. Der dreieckige Parcours ist 36 Meter vom Ufer entfernt. Das ist genormt. Auch bei den Weltmeisterschaften, die vor Kurzem im polnischen Orneta stattfanden, war das wieder so.

Hölzel war dort ebenfalls dabei. In der nordpolnischen Kleinstadt gelang dem gelernten Radio- und Fernsehtechniker der ganz große Erfolg. Zweimal war er an den Start gegangen, er siegte beide Male. Es ist der größter Erfolg – für seinen Pirnaer Verein und für ihn persönlich. 2009, bei der Heim-WM des MSV am Copitzer Natursee, errang der Pillnitzer Silber. Acht Jahre später gewinnt der Deutsche Meister Doppel-Gold.

In der Disziplin F4B überzeugte der Sachse mit seinem Schlepper-Modell die Jury. Er bekam 99,33 von 100 Punkten. Und auch auf dem Parcours im Jezioro Mieczowe ließ er die Konkurrenz hinter sich. Dabei trotzte er Wellen und Regenwetter mit teils schlechter Sicht. Nach drei fast fehlerfreien Rennen dockte Hölzel als Bester mit seinem ein Meter langem Modell des Schleppers von dem niederländischen Unternehmen Fairmount Marine im Ziel an. Mit der „Summit“, zu deutsch „Gipfel“, wurde der versierte Tüftler Weltmeister.

„Als der Sieg feststand, war das für mich eine Mischung aus totaler Erleichterung und überschwänglicher Freude, es war unfassbar“, erinnert sich Hölzel. „Als ich auf dem Siegerpodest oben stand und die deutsche Hymne ertönte, war das ein großer emotionaler Moment“. Bei dem weiteren Titel des Dresdners, in seiner anderen Disziplin F4A, war das nicht anders.

Hier trat Hölzel mit dem kleineren Fischkutter-Modell „Rainbow“ an. Mit dem Boot hatte Hölzel schon viele Siege eingefahren. Hier ging es „nur“ darum, in einer auf sieben Minuten befristeten Rennzeit, den dreieckigen Parcours zu passieren ohne die zwölf Tore aus Bojen zu touchieren. In drei Rennen blieb Hölzel, der außerdem Mannschaftsleiter des mit mehreren WM-Medaillen sehr erfolgreichen Deutschen Nationalteams ist, als Einziger ohne Fehler – und holte somit Gold vor zwei Polen.

Doch der selbstständige Werbefachmann, der dafür bezahlt wird, dass er für Reedereien Modelle von echten Schiffen baut, hatte in Polen noch mehr Grund zur Freude. Denn alle vier WM-Starter des MSV mischten vorne mit. Die erst 14 Jahre junge Alexa Hoffmann wurde Fünfte, deren Vater André Hoffmann sicherte dem Pirnaer F-7-Team, in dem Wettbewerb, bei dem es um seemännische Funktionen der recht wuchtigen Modelle geht, die Silbermedaille. Und obendrein holte Tina Hölzel bei den Juniorinnen Silber. Ein erstaunlicher Erfolg für die Familie und den Verein. Die Hölzels schrieben damit Vereinsgeschichte.

Die 17-jährige (Geburtstag: 31.7.1999, also bald 18 Jahre) Tina Hözel teilt das Hobby ihres Vaters, der schon seit vier Jahrzehnten Schiffsmodelle baut. „Ich interessiere mich für Technik, für Physik und bin natürlich immer bei Turnieren mit der Familie dabei gewesen, da wächst man mit rein“, sagt die mehrfache ostdeutsche und deutsche Nachwuchsmeisterin.

Von Vater Kai bekommt sie gute Tipps. Viele Monate lang tüftelte sie neben dem Abitur an ihrem Modell von der „Littorina“. Das ist ein Forschungskutter aus Kiel, wo sie einst ein Schülerpraktikum absolvierte.

Der Vize-Titel bei ihrem ersten und altersbedingt letzten Start bei einer Juniorinnen-WM war für sie jetzt ein schöner, vorläufiger Wettkampfabschluss. „Ich beginne im August ein Nautik-Studium in Rostock“, erklärt Tina Hölzel. Bei dem Kreuzfahrtunternehmen Aida will sie sich zur Nautischen Offiziersassistentin ausbilden lassen. Sie wechselt damit quasi von den kleinen auf die großen Schiffe. Irgendwann möchte sie auch mal einen Ozeanriesen steuern.

Wegen ihres Studiums wird Tina Hölzel aber die Ostdeutschen Meisterschaften im August verpassen. Für die Deutschen Titelkämpfe im nächsten Jahr und die WM 2019 kann sie sich so nicht qualifizieren. Anders ihr Vater: Ihm bleibt diese Qualifikations-Ochsentour erspart. Als weltbester Schiffsmodellsportler bekommt er einen Freifahrtschein, um seine Titel in zwei Jahren vielleicht verteidigen zu können. „Das wird schwer, schwieriger als Weltmeister zu werden“, sagt der 47-Jährige. Die Konkurrenz schlafe ja nicht.

Von Stephan Klingbeil

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