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Dresden Lokales Der Mosambikaner Emiliano Chaimite hat seine Heimat in Dresden gefunden
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14:45 26.09.2017
Ich habe mich hier nie fremd gefühlt, sondern immer als Teil gesehen“, sagt Emiliano Chaimite über seine Arbeit im Städtischen Klinikum.  Quelle: Anja Schneider
Dresden

 „Ich habe mich hier nie fremd gefühlt, sondern immer als Teil gesehen“, sagt Emiliano Chaimite. Mit „hier“ meint er das Städtische Klinikum in Friedrichstadt. Seit 1991 ist er Teil der Belegschaft, zunächst als Auszubildender, jetzt als Pfleger in der Urologie. Als er fünf Jahre zuvor aus Mosambik nach Deutschland kam, hatte er andere Pläne. Aber das Leben kam dazwischen.

„Wir waren jung und gespannt, als wir hier ankamen. Es war November und natürlich sehr kalt. Aber wir sind sehr nett empfangen worden“, erinnert sich der heute 50-Jährige an seine ersten Schritte auf DDR-Boden. Als Vertragsarbeiter war er in den Ostteil des Landes gekommen. Der Plan: Sich im sachsen-anhaltinischen Schönebeck zum Gießer ausbilden zu lassen. Gesagt, getan. Nebenbei absolvierte er einen sechsmonatigen Sprachkurs. „Das war für mich die Chance“, sagt Emiliano Chaimite. Doch dann kam die Wiedervereinigung. Und mit den Plänen war es dahin.

„Man hat uns gesagt: Wenn ihr hierbleiben wollt, braucht ihr einen Job und eine Wohnung. Ich wollte hierbleiben, weil mir meine Ausbildung in Mosambik nichts gebracht hätte“, erzählt er. Was also tun? Da kam ihm sein Onkel in den Sinn, der hatte im Pflegebereich gearbeitet und damit Eindruck hinterlassen bei Emiliano Chaimite. Also zog er nach Dresden, machte im Rahmen eines Wiedereingliederungsprojektes in Radebeul seine Mittelstufe und begann die Ausbildung im Friedrichstädter Krankenhaus. Es sollte die richtige Entscheidung sein. „Es war in den ersten Wochen sehr schwierig für mich, aber ich fühlte mich willkommen“, sagt er.

So willkommen, dass ihm die Klinik nach Ausbildungsende sofort eine Stelle in der Urologie anbot. Da hatte der Mosambikaner eigentlich schon wieder andere Pläne. In die Schweiz wollte er gehen, um mehr Geld zu verdienen. Wenn da nicht seine afrikanische Mentalität gewesen wäre: „Ich wollte nicht undankbar sein und wollte etwas zurückgeben. Also habe ich die Stelle angenommen.“ Und wie das nun einmal so ist, wurden aus ein paar Monaten Jahre. Es kamen Freundschaften hinzu und auch die Liebe hielt ihn in Dresden. „Das Leben hat seinen eigenen Weg“, fasst es Emiliano Chaimite zusammen.

Jetzt reicht er Instrumente am Operationstisch oder bereitet Patienten auf Eingriffe vor. „Er erledigt seine Aufgaben wie jeder andere auch“, beschreibt es Andrea Schulze, Abteilungsleiterin in der Endoskopie. Generell herrsche am Friedrichstädter Krankenhaus eine ausgesprochene Teamarbeit. Medizin kennt eben keine Grenzen. Mitarbeiter aus 30 Nationen sind hier tätig. Sie kommen aus Polen, Tschechien, Frankreich oder Russland, aber auch aus Finnland, Syrien, Brasilien oder gar Nepal.

Manchmal sei es schon schwierig im Umgang mit den Patienten, das gibt der 50-Jährige zu. „Kann der denn was?“ liest er manchmal in deren Augen. „Von dem lasse ich mich nicht behandeln.“ Auch dieser Satz ist gefallen. In solchen Momenten aber kann er sich auf seine Kollegen verlassen, die den Mann vor die Wahl stellten: Entweder Sie lassen sich von ihm behandeln oder Sie gehen eben. Auch von komischen Situationen kann Emiliano Chaimite berichten. Etwa von dem Patienten, der – gerade aus der Narkose erwacht und noch nicht vollständig Herr seiner Sinne – den Pfleger sah und fragte: „Bin ich jetzt in Afrika?“ Er war es nicht.

Alle zwei Jahre reist der 50-Jährige nach Mosambik, wo seine Mutter und seine Geschwister wohnen. Seine Heimat aber hat an der Elbe gefunden. „Ich fühle mich als Dresdner. Für mich sind alle Türen offen.“ Zudem übernimmt er Verantwortung für seine Landsmänner. Bereits 1994 hat er den ersten mosambikanischen Verein in Dresden gegründet, engagiert sich auch für den Ausländerrat. Er sieht es auch als seine Aufgabe an, den neuangekommenen Flüchtlingen als gutes Beispiel voranzugehen. „Wir müssen zeigen, dass wir kein Sonderfall sind. Man kann zu etwas kommen, aber dann muss man sich reinknien. Sie müssen sehen, dass sie mit anpacken müssen. Und das müssen sie von uns lernen.“ Ein besseres Beispiel könnten sie kaum finden.

Von Christin Grödel

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