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Lokales Der Flüchtling Suleman ist wieder zurück in Dresden
Dresden Lokales Der Flüchtling Suleman ist wieder zurück in Dresden
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10:09 16.08.2016
   Quelle: Anja Schneider

 Der zu Unrecht nach Italien ausgewiesene Flüchtling Suleman Osman durfte wieder nach Dresden zurückkehren. Der junge Eritreer ist nun wieder in Deutschland. Ohne die Hilfe zahlreicher Beamter, freiwilliger Helfer und großzügiger Spender aus dem Netz wäre dies nicht möglich gewesen, betonte Ellen Demnitz-Schmidt, die Chefin des Jugend- und Kulturzentrums „Spike“ in Leubnitz-Neuostra.

Sie hat inzwischen im „Spike“ eine Stelle für Suleman organisiert: Er beginnt dort in dieser Woche seinen Bundesfreiwilligendienst. Danach will er „Soziale Arbeit“ in Breitenbrunn studieren. Auch das Visum für seinen legalen Aufenthalt hat er nun.

 Schon vor seiner Abschiebung hatte Suleman ehrenamtlich als Dolmetscher im „Spike“ gearbeitet, aber auch bei der AWO, im Jobcenter, Sozialamt, bei der Polizei und in Krankenhäusern übersetzt. „Er war bereits der bestintegrierteste Eritreer, den man sich nur vorstellen kann“, sagte Ellen Demnitz-Schmidt. Suleman habe in Dresden sehr schnell Deutsch gelernt. Zudem habe er bereits fließend Englisch, Arabisch, Tigrinisch und Tigre (zwei von neun eritreischen Sprachen) gesprochen. Und Suleman habe nicht nur Übersetzungsarbeit geleistet, sondern auch Aufgaben als Kulturvermittler übernommen, „denn er hat Verständnis für das, was wir hier machen“, erklärte die „Spike“-Chefin. Der junge Mann helfe vor allem auch anderen Eritreern, die in Sachsen eintreffen und hier „einen ganz besonders schweren Kulturschock erleben“. Insofern habe der Dolmetscher nachhaltige Integrationsarbeit geleistet.

Suleman Osman war erstmals im August 2014 nach einer beschwerlichen Flucht aus Eritrea in Dresden angekommen. Er lebte bereits über 15 Monate in Deutschland, als er in der Nacht vom 14. Dezember 2015 von der Polizei abgeholt wurde. „Das war ein großer Schock für uns“, berichtet Ellen Demnitz-Schmidt.

Denn gerade hatten sie gemeinsam versucht, eine bezahlte Arbeitsstelle für ihn  zu finden. Dafür indes wären aber Arbeits- und Ausbildungsnachweise hilfreich gewesen, die der Flüchtling nicht vorweisen konnte. Suleman hatte nach eigenen Angaben in Eritrea zwar als Grundschullehrer für Naturwissenschaften gearbeitet. Die eritreische Regierung gebe aber weder Pässe noch Arbeitsbescheinigungen an Geflüchtete heraus. Das gelinge – wenn überhaupt – nur mit Bestechungsgeldern, schätzte die Spike-Chefin ein. Zudem habe Suleman Angst, dass die afrikanische Diktatur seiner Familie etwas antun könnte. „Das sind gängige Methoden, um die Flüchtlinge in Abhängigkeit zu halten und an ihnen zu verdienen. Ausweisdokumente, und vor allem Abitur- und Studienabschlüsse zu beantragen, fielen also flach.“

Hinzu kam, dass die Mitarbeiter im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge nichts über die ehrenamtliche Arbeit von Suleman in Dresden wussten. Deshalb forderte ihn die Behörde auf, Deutschland zu verlassen, und lehnte auch seinen Widerspruch gegen die Ausweisung ab. Sein Anwalt hatte es versäumt, ihm die Ablehnung mitzuteilen. Daher überraschte ihn die Abschiebung.

Eritrea kam nach Italien, wo ihm 2014 seine Fingerabdrücke erstmalig abgenommen wurden. „Unter seiner dünnen Jacke war er kurzärmelig“, schrieb Ellen Demnitz-Schmidt auf Facebook, nachdem sie ihn besucht hatte. Dabei hätten zu der Zeit in Italien winterliche Temperaturen zwischen null und sieben Grad geherrscht.

Dort hat sie zusammen mit zwei weiteren Spike-Mitarbeitern eine Anwaltskanzlei ausfindig gemacht, die den Fall Suleman übernommen hat. Nach einer schier endlosen Tortur durch die bürokratischen Dickichte gelang es ihnen schließlich, Asyl für Suleman in Italien zu bekommen. Mit seinem neuen italienischen Pass konnte er dann wieder legal als Gast nach Deutschland reisen – nach knapp sieben Monaten.

www.spikedresden.de

Von Stephan Zwerenz

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