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Der Bilderdieb vo(r)m Dresdner Amtsgericht

Harry N. Der Bilderdieb vo(r)m Dresdner Amtsgericht

Harry N. ist kein Unbekannter in den Gerichtssälen, sondern Dauergast. Mehr als 30 Mal wurde er schon verurteilt, die erste Eintragung stammt aus dem Jahr 1975. Seit Oktober 2016 sitzt er wieder ein. Mit seinem langen, grauen Wallehaar umweht ihn noch immer ein gewisser „Künstlernimbus.“ Mit Kunst hat der Mann auch eine Menge zu tun, allerdings macht er keine, er klaut sie im großen Stil.

Zurück am Tatort: Erst klaute Harry N. im Dresdner Amtsgericht, am Mittwoch wurde er dort zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und zwei Monaten verurteilt.

Quelle: Monika Löffler

Dersden.  Harry N. ist kein Unbekannter in den Gerichtssälen, sondern Dauergast. Mehr als 30 Mal wurde er schon verurteilt, die erste Eintragung stammt aus dem Jahr 1975. Seit Oktober 2016 sitzt er mal wieder ein. Die fünf Monate haben ihre Spuren hinterlassen, der 57-Jährige sieht mitgenommen aus, ist wohl auch krank – na ja, man wird nicht jünger. Aber, mit seinem langen, grauen Wallehaar umweht ihn noch immer ein gewisser „Künstlernimbus.“ Mit Kunst hat der Mann auch eine Menge zu tun, allerdings macht er keine, er klaut sie, dies allerdings im großen Stil.

Der Künstler Robert Schmiedel mit der später gestohlenen Federzeichnung

Der Künstler Robert Schmiedel mit der später gestohlenen Federzeichnung.

Quelle: Monika Löffler

Im April 2015 zeigte der Leipziger Künstler Robert Schmiedel einige seiner Werke in einer Ausstellung in Dresden. Eines Tages war plötzlich ein Landschaftsbild weg, die unverkäufliche Federzeichnung „Chummelhorn, auch gut“. Eine Überwachungskamera zeigt, wie Harry N., die Haare zum Zopf gebunden und schick gekleidet, in die Ausstellung kommt, sich kurz umschaut, das Bild mit seinem wertvollen, historischen Rahmen von der Wand nimmt, einpackt und verschwindet. Das Gebäude war nicht irgendeins, sondern das Dresdner Amtsgericht. Dort hatte der 57-Jährige am Mittwoch wieder einen Auftritt – allerdings auf der Anklagebank.

Durch die Videoaufzeichnungen war man dem dreisten Dieb auf die Schliche gekommen und hatte seine Wohnung durchsucht. Die gesuchte Zeichnung wurde zwar nicht gefunden, die habe er für 30 Euro auf einem Flohmarkt verkauft, hatte N. angegeben. Das Bild tauchte trotz eines Presseaufrufs nie wieder auf. Dafür entdeckten die Ermittler weitere Kunstwerke, unter anderem ein Bild, das im Mai aus der Auferstehungskirche in Plauen gestohlen worden war.

Drei Anklagen wurden verlesen – insgesamt 14 Tatvorwürfe. Von April 2015 bis Oktober 16 war der Angeklagte richtig gut unterwegs. Eine Kunstgalerie auf der Königsbrücker Straße traf es gleich zweimal – Gesamtschaden 26 000 Euro. Aus den Lagerräumen stahl der Angeklagte acht Ölgemälde, Kupferstiche, diverse Drucke, zwei Akte von Siggi Haas und einige großformatige Bilder, von denen man sich fragt, wie er die allein transportiert hat. Harry N. kam tagsüber als normaler Besucher in Hotels oder andere öffentliche Gebäude oder stieg in Villen oder Keller ein – wenn er ging, fehlten Kunstwerke und Sammlerstücke wie Modelleisenbahnen oder Modellautos, antike Operngläser, Münzen, wertvolle Uhren oder teuere Technik, wie Kameras oder Musikanlagen Letzte Tat: Im Oktober 2016 „interessierte“ er sich für einige Bilder im Hotel Taschenbergpalais Kempinski und zerriss beim Entrahmen die Leinwand eines Bildes.

Der Angeklagte räumte die Taten am Mittwoch ein. „Es tut mit ein bissl leid, aber ich brauchte Geld“. Sonst wollte er sich nicht äußern. So blieb einiges im Dunkeln. An wem hat er das Diebesgut verkauft? Hat er spontan geklaut? Der Putztruppe im Atelier auf der Königsbrücker war kurz vor der Tat der Schlüssel für die Lagerräume gestohlen worden. Hat der gelernte Maurer wirklich das Zeug dazu, sofort zu merken, was Kunst und was Krempel ist, oder klaute er im Auftrag? Zumindest ersparte er dem Gericht mit seinem Geständnis eine umfangreiche Beweisaufnahme, was ihm positiv angerechnet wurde. Drei Jahre und zwei Monate muss er jetzt ins Gefängnis – und es gibt noch weitere Ermittlungsverfahren.

Von Monika Löffler

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