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Der Ausbau eines Fabrikgebäudes erhitzt die Gemüter in der Äußeren Neustadt

Und plötzlich steht da eine Wand... Der Ausbau eines Fabrikgebäudes erhitzt die Gemüter in der Äußeren Neustadt

Für Uwe Schneider eigentlich keine große Sache: Von seiner Wohnung auf der Sebnitzer Straße aus beobachtete er die vergangenen Monate die Bauarbeiten am gegenüberliegenden Gebäude. Doch dann der Schock: „Jetzt schauen etwa 100 Anwohner auf eine 40 Meter breite und 16 Meter hohe Brandwand ohne Fenster.“

Anwohner der Sebnitzer Straße, etwa Martin Kopp (r.) und Uwe Schneider, ärgern sich nicht nur über die große und fensterlose Brandwand direkt vor ihrer Nase, sondern auch über das Vorgehen der Stadtverwaltung.
 

Quelle: Dietrich Flechtner

Dresden.  Für Uwe Schneider eigentlich keine große Sache: Von seiner Wohnung auf der Sebnitzer Straße aus beobachtete er die vergangenen Monate die Bauarbeiten am gegenüberliegenden Gebäude auf der Seifhennersdorfer Straße. Die ehemalige Fabrik wird zu einem Wohnhaus umgebaut und grenzt dicht an die grünen Innenhöfe der benachbarten Grundstücke. Doch vor rund drei Wochen folgte der Schock. Auf die bereits zwölf Meter hohe Gebäudewand sind noch einmal vier Meter drauf gesetzt worden.

„Jetzt schauen etwa 100 Anwohner von ihren Balkons und Gärten aus auf eine 40 Meter breite und 16 Meter hohe Brandwand ohne Fenster“, erklärt Schneider. Gemeinsam mit weiteren Mietern aus den betroffenen Häusern auf der Sebnitzer und Kamenzer Straße versucht Schneider nun, auf die aus seiner Sicht groteske Vorgehensweise von Stadt und Bauherr aufmerksam zu machen.

 So habe es im Vorfeld keinerlei Absprachen mit Anwohnern oder Eigentümern der angrenzenden Grundstücke gegeben. Zudem ist in einem ursprünglichen Bebauungsplan der Stadt eine Brandwand mit einer Höhe von maximal 9,60 Metern vorgesehen. Doch dieser Plan ist laut Verwaltung weder rechtskräftig noch bindend, die Baugenehmigung für die 16 Meter hohe Brandwand sei zulässig. Die Brandwand ermöglicht den Bau oder Ausbau eines Gebäudes direkt an der Grundstücksgrenze. Diese Methode wird vorwiegend in Industriegebieten oder aus Mangel an Alternativen eingesetzt.

Einen Hoffnungsschimmer auf Rückbau gibt es

Das ehemalige Fabrikgebäude kann nun dank der höheren Wand von drei auf vier Geschosse erweitert werden, fünf Wohnungen sollen bis nächstes Jahr entstehen. Den Anwohnern der benachbarten Gärten und Innenhöfe bleibt dann aber nur der Blick auf eine große Wand, die aufgrund der vier extra Meter nun auch für einen vorzeitigen Sonnenuntergang sorgt, wie der 76-jährige Anwohner Martin Kopp erklärt. Knapp 20 Parteien aus der betroffenen Nachbarschaft machen nun gegen die Wand mobil.

Man wolle auf keinen Fall den Spielverderber geben oder das Bauen gar verhindern. „Doch so baut man nicht, das geht gar nicht“, sind sich die Anwohner einig. Vor allem die offensichtliche Diskrepanz zu den von der Stadt festgelegten Zielen für das Sanierungsgebiet Äußere Neustadt erzürnt die Gemüter. Dort heißt es nämlich unter anderem, man setze sich für eine „Verbesserung des Wohnumfeldes / des lokalen Klimas“ sowie zur „Sicherung der Wohnqualität“ ein. „Der aktuelle Bau der Brandwand führt dies ad absurdum“, sagt Schneider. So stünden lediglich die Interessen des Investors im Vordergrund. Er befürchtet, dass diese Methode nun Schule macht und in Zukunft ähnliche Vorhaben verwirklicht werden könnten.

Zwar ist die Brandwand an der Seifhennersdorfer Straße mittlerweile fast fertig gestellt, doch einen Hoffnungsschimmer auf einen – zumindest teilweisen – Rückbau gibt es anscheinend. Der Eigentümer der angrenzenden Immobilie an der Kamenzer Straße 33 hat bereits vor Monaten Beschwerde gegen die Baupläne bei der Landesdirektion eingereicht – bislang steht eine Entscheidung aus. Zudem hat er Klage beim Verwaltungsgericht gegen den Bau der Wand erhoben, Stadt und Investor müssen sich nun zu ihrem Vorgehen äußern.

Von Sebastian Burkhardt

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