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Lokales Denkmalgeschützte 49. Grundschule nach Sanierung wiedereröffnet
Dresden Lokales Denkmalgeschützte 49. Grundschule nach Sanierung wiedereröffnet
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19:51 01.05.2018
Das „Kosmonautenfenster“ hatte der Dresdner Künstler Klaus Dennhardt 1971 gestaltet. Es befand sich bis 2014 in der 57. Grundschule und wurde bei deren Abriss geborgen. Weil das Fenster thematisch zur 49. Grundschule passte, ist es nun der Blickfang im 1. Obergeschoss. Quelle: Anja Schneider
Dresden

 „Juri Gagarin 1934–1968“ steht auf dem Pulli des Jungen, dazu das Konterfei des ersten Menschen im Weltall. Der Schüler hat sich passend zum feierlichen Anlass gekleidet. Nein, nicht in der späten DDR, sondern in Dresden-Plauen, mitten im Jahr 2018. Zu feiern gibt‘s die Wiedereröffnung der frisch sanierten 49. Grundschule „Bernhard August von Lindenau“. Nach anderthalb Jahren Bauzeit lernen die 420 Schüler seit Ostern wieder in ihrem Stammhaus an der Bernhardstraße, am vergangenen Freitag wurde der Bau offiziell übergeben.

Die Sanierung war eine ganz besondere: Weil die von 1966 bis 1968 in industrieller Bauweise errichtete Schule vom Typ „Dresden Atrium“ seit 2013 unter Denkmalschutz steht, galt es, die energetische Ertüchtigung und technische Modernisierung der Schule denkmalgerecht vorzunehmen. Sowohl der Denkmalstatus selbst als auch die Mehrkosten und die lange Vorplanungsphase sorgten für arge Bauchschmerzen bei Falk Schmidtgen, Leiter des Schulverwaltungsamts. Doch nach der Sanierung kommt nun die elegante Leichtigkeit des Baus voll zur Geltung und zeigt: Die Ernennung zum Denkmal war gerechtfertigt.

Nach anderthalb Jahren Sanierung konnten die Schüler und Lehrer ihr Stammhaus an der Bernhardstraße wieder in Besitz nehmen.

Offenheit und Freiräume

Eine Schule schaffen, in der sich die Kinder wohlfühlen, war seinerzeit das erklärte Ziel des Architektenteams des VEB Hochbauprojektierung Dresden um die projektverantwortliche Architektin Sibylle Kriesche. Durch die großen Fensterfronten in den Gängen und auf beiden Seiten der Klassenzimmer kommt jede Menge Licht in die Räume – und endlich wieder ausreichend Luft, nachdem die Originalfenster aufgearbeitet wurden und wieder geöffnet werden können. Von den Gängen kann man in die beiden begrünten Innenhöfe blicken. Die Treppen haben keine wuchtigen Geländer, sondern zarte blaue Metallstreben. Überall Luftigkeit und Transparenz – damals quasi ein Quantensprung in der Schularchitektur.

Entsprechend behutsam haben die Architekten vom Dresdner Büro Isfort & Isfort die nötigen Modernisierungen eingepasst: Die Wärmedämmung ist effektiv, aber besonders dünn, um die Fassadenproportionen nicht zu zerstören. Wie 1968 dominieren die Farben Hellblau (Außenwände und Geländer), Blassgelb (Decken) und Rostrot (Fußbodenbelag). Weil wie bei vielen historischen Geländern der Abstand zwischen den einzelnen Streben nicht mehr den heutigen Sicherheitsvorschriften entspricht, wurden in den Treppenhäusern Glasscheiben einzogen.

Ehemalige Schüler schauen beim Händewaschen zu

Sogar die einst berüchtigten Sanitäranlagen sind jetzt ein echter Hingucker: Groß gezogene historische Klassenfotos hinter Glas lockern die kühlen Waschräume auf. Auch über den Aufzug, die moderne Medientechnik und den Schallschutz freuen sich Schüler, Eltern und Lehrer. Schulleiter Uwe Schmidt kann noch immer kaum fassen, wie viele Geräusche die neuen Akustikdecken schlucken, und schwärmt: „Das ist wirklich ein Riesenvorteil.“

Insgesamt rund 11,2 Millionen Euro kostete die Sanierung. Etwa 7,9 Millionen Euro davon steuerte das Land Sachsen aus dem Programm „Brücken für die Zukunft“ bei. In den kommenden Jahren soll noch eine neue Turnhalle errichtet und anschließend die alte zum Veranstaltungsraum umgestaltet werden.

Dieter Bock von Lennep vor seinem Wandbild, das er in den 1970er Jahren schuf und 2017 restaurierte. Foto: Anja Schneider

Raumfahrt als Klammer zwischen Alt und Neu

Als Verbindung zwischen historischen und modernen Elementen haben die Architekten das Thema Raumfahrt ausgewählt. Zwischen 1970 und 1991, also knapp die Hälfte ihres Bestehens, hieß die 49. Schule „POS Juri Gagarin“ und wurde in den 1970er Jahren mit passender „Kunst am Bau“ ausgestattet. Der Dresdner Künstler Dieter Bock von Lennep, inzwischen über 70 Jahre alt, restaurierte seine drei Werke – die Raketenplastik im Innenhof, ein Wandbild und eine Collage im Foyer – im vergangenen Jahren eigenhändig und gestaltete sie teilweise neu. Ein weiterer Blickfang kam dazu: Das beim Abriss der 57. Grundschule geborgene „Kosmonautenfenster“ aus Bleiglas, erschaffen von Klaus Dennhardt aus Dresden, wurde von Studenten der Fachhochschule Erfurt saniert und in der 49. Grundschule eingesetzt. Zudem findet man an den Sicherheitsscheiben in den Treppenhäusern, an der Aufzugswand und im Speisesaal Zitate von Kosmo- und Astronauten. Und manchmal Gagarin-Konterfeis auf T-Shirts.

Von ttr

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