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Dem „Wirt“ Holger Zastrow fliegen die Herzen zu

Die Dresdner Hofewiese ist bereit für den nächsten Schritt Dem „Wirt“ Holger Zastrow fliegen die Herzen zu

Holger Zastrow ist Landesvorsitzender der FDP, war Landtagsabgeordneter, hat den neuen Striezelmarkt gestaltet, das Stollenfest organisiert. Kaum jemanden habe das interessiert. Aber als „Wirt“ der Hofewiese würden ihm die Herzen nahezu überschwänglich zufliegen.

Magischer Ort. Die Hofewiese liegt in der Dresdner Heide bei Langebrück.Anja Schneider

Dresden.  Holger Zastrow legt eine Landkarte auf den Tisch und strahlt: „Die Hofewiese ist eingezeichnet. Jetzt ist es unumkehrbar. Wenn die Wanderkarte einen erwähnt, hat man es geschafft.“ Die aktuelle Ausgabe „Dresdner Heide/Seifersdorfer Tal“ führt das Ausflugslokal erstmals seit fast 20 Jahren wieder als Gastwirtschaft mit Imbiss. „Die haben die neue Hofewiese bemerkt, ohne dass wir uns beim Verlag gemeldet haben“, freut sich Zastrow.

Es gebe nur zwei Wege, das Jahrzehnte dem Verfall preisgegebene Ausflugslokal in der Heide zu retten, meint Zastrow: „Entweder man findet einen Superreichen. Oder man setzt auf Leidenschaft und Kreativität und geht Schritt für Schritt. Das mit dem reichen Investor ging schief.“ Viele vor ihm hätten wahrscheinlich nur die Probleme gesehen oder typisch Deutsch auf die todsichere, fertige Lösung gewartet. „Wir haben stattdessen die Ärmel hochgekrempelt und gesagt: Wir machen es einfach“, so der Besitzer der Hofewiese.

Der Erfolg gibt Zastrow recht. Es ist ein normaler Nachmittag an einem normalen Werktag mitten in den Ferien, aber der Biergarten ist gut besucht. Eine Rentnergruppe tauscht Jugenderinnerungen aus, die Langebrücker Mütter kommen mit ihren Kleinkindern, Fahrradfahrer kehren auf ein Bier ein, Wanderer machen Rast. Zastrows Ehefrau Ariane, die den Biergarten betreibt, hat alle Hände voll zu tun. Immer wieder klopfen Besucher dem Eigentümer auf die Schulter und wünschen ihm viel Kraft und Erfolg.

Der gebürtige Dresdner Zastrow ist ein seinem Element. „Viele Gastronomen kommen von außerhalb und haben die Magie des Ortes wohl nicht erkannt“, meint er. Die meisten Dresdnerinnen und Dresdner würden positive Erinnerungen mit der Hofewiese verbinden und gerne in die Idylle zurückkehren. Eine Idylle, die im vergangenen Jahr noch verwildert und vermüllt war. „Als wir aufgeräumt haben, hatten wir eine Glocke in den Kiosk gelegt für Leute, die etwas kaufen wollen“, erinnert sich Zastrow. Die Glocke kam nie zum Einsatz, weil wegen des Andrangs immer eine Bedienung im Kiosk bleiben musste.

Der erste Schritt ist getan. Die Hofewiese ist am Netz. Es gibt Wochenenden, da kommen mehr als 1000 Besucher in das Gartenlokal. „Eine so große Resonanz muss erst einmal bewältigt werden. Da sind wir Opfer des eigenen Erfolges geworden“, räumt Zastrow ein und verweist auf Zeiten, als die Gäste eine halbe Stunde auf ihre Bratwurst warten mussten. Das gehe natürlich nicht, zeige aber deutlich: „Wir sind authentisch. Es ist nicht alles gleich perfekt, sondern es muss sich einspielen“. Zudem bewirtschaftet das Ehepaar Zastrow das Landgut immer noch nebenberuflich.

Eine Trinkwasserleitung hat Zastrow legen lassen und die Elektroleitungen verstärkt, der Biergarten ist liebevoll dekoriert, die Plätze unter dem reparierten Laubengang werden abends mit grünen Schirmlampen beleuchtet. „Von Ikea. Aber sie passen perfekt“, meint Zastrow, der viele Ideen für Höhepunkte an den Wochenenden hat.

Jetzt, wo der Biergarten funktioniert, ist es Zeit für den zweiten Schritt, weiß Zastrow. Das sanierungsbedürftige Gebäude wird getrocknet, das Dach ist dicht, aber die richtig großen Investitionen müssen noch getätigt werden. „Für die Hofewiese geben wir alles“, kündigt Zastrow an. Das allein werde nicht reichen, aber der Erfolg des Biergartens habe sich inzwischen herumgesprochen. „Vor 15 Monaten wollte niemand. Jetzt gibt es schon drei Banken, die Finanzierungsgespräche führen wollen.“ Auch Brauereien hätten Interesse für ein stärker Engagement bekundet. Durch die improvisierte Wiedereröffnung der Hofewiese sei es gelungen. die Fantasie mancher Skeptiker anzuregen. Jetzt komme die Bewegung in die Sache, die er für den Erfolg des Gesamtprojektes brauche.

Größtes Problem für Zastrow ist die fehlende Anbindung ans Abwassernetz. Er werde es nicht schaffen, für eine halbe Million Euro einen Kanal nach Langebrück zu graben. „Das lässt sich in 20 Jahren nicht erwirtschaften. Hier müssen wir Lösungen mit der öffentlichen Hand finden.“ Die Hofewiese sei nicht nur reines Privatvergnügen, sondern ein öffentlicher Platz, an dem sich Menschen treffen. Es gehe um Ausflugskultur, um vernünftige und machbare Möglichkeiten.

„Man darf nicht nur schwatzen, man muss es machen“, meint Zastrow und rechnet mit einem Zeitraum von drei Jahren für die nächsten Schritte. Dann soll die Hofewiese ein Ganzjahresbiergarten und ein Erlebnishof sein für Familien- und Firmenfeiern, für kulturelle und gastronomische Events. „Unser Rekord waren zehn Anfragen am Tag nach Terminen für künftige Familienfeiern im Haus.“

Die Infrastruktur für Gastronomie muss dringend verbessert werden. Eine richtige Küche und Kühlzellen müssen her und vieles mehr. Eines, so Zastrow, werde es nicht geben: „Die Hofewiese wird kein klassischer Landgasthof und ich werde mich nicht in die Küche stellen.“ Er sei kein Gastronom und werde deshalb mit Profis zusammenarbeiten.

Das ist noch Zukunftsmusik, aber die Zukunft ist nah. Bis dahin wird die Hofewiese noch Provisorium bleiben mit Papptellern und Plastikbesteck und einem Toilettencontainer. Dass einfache Lösungen funktionieren, zeigt die große Wiese hinter dem Biergarten. Ohne teure Spielgeräte ist sie zum Kinderparadies geworden.

Als Holger Zastrow die Hofewiese am nordrand der Dresdner Heide wieder belebte, waren viele skeptisch und zweifelten, ob das langfristig gut gehen könnte. Doch Zastrow hatte den richtigen Riecher, das Ausflugslokal läuft.

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Was passiert eigentlich, wenn der FDP-Landesvorsitzende 2019 in den Landtag gewählt wird? „Bis dahin hoffe ich, dass die wesentlichen Dinge bei der Hofewiese längst auf den Weg gebracht sind. Außerdem war ich war noch nie Berufspolitiker und will es immer noch nicht werden. Politik ist für mich immer eine Sache von vielen und die Hofewiese sorgt mehr als alles andere dafür, dass man mit beiden Beinen auf dem Boden bleibt. Solche Erfahrungen sind in der Politik nicht von Schaden“, meint er.

Mindestens 300 Besucher der Hofewiese hätten ihm zur Wiederwahl als Landesvorsitzender gratuliert. „Viel mehr als in der eigenen Partei.“ Außerdem lerne er das Leben gerade von einer neuen Seite kennen. Er sei Landtagsabgeordneter gewesen, habe als Unternehmer den neuen Striezelmarkt gestaltet oder 20 Mal das Stollenfest organisiert. „Für all das gab es relativ wenig Interesse oder Wertschätzung. Als ’Wirt’ der Hofewiese jedoch fliegen mir die Herzen fast schon überschwänglich zu“, schmunzelt Zastrow.

Von Thomas Baumann-Hartwig

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