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Das "weiße Gold" für den Skiweltcup liegt am Elbufer in Dresden

Ski-Ereignis in Dresden Das "weiße Gold" für den Skiweltcup liegt am Elbufer in Dresden

Am Dresdner Elbufer ist Winter. Der Schnee für den erstmals in der sächsischen Landeshauptstadt stattfindenden Skiweltcup für Langläufer ist bei frühlingshaften Temperaturen „ausgelegt“ worden, wie die Fachleute sagen. Mancher Mitarbeiter nimmt dafür einiges auf sich.

1500 Kubikmeter Naturschnee aus Oberwiesenthal und 2500 Kubikmeter Kunstschnee aus zwei „Snow-Factorys“ am Flughafen werden von Donnerstag früh an auf dem Elbradweg am Königsufer zur Ski-Piste präpariert.

Quelle: Kahnert/dpa

Dresden. Das Schild der Maschine senkt sich, kurz wühlen die Ketten durch den Untergrund, dann zieht der Acht-Tonnen-Koloss los in Richtung Finanzministerium. Die Attacke gilt aber nicht der staatlichen Behörde, sondern dem Schneeberg, den ein Laster gerade ans Elbufer gekippt hat. „Die Kulisse ist schon etwas besonderes“, erklärt Bully-Fahrer Peter Scholl. „Es macht Spaß.“ Seit Donnerstag, 6 Uhr läuft der Einsatz für die Rennstrecke des Skiweltcups, der an diesem Wochenende in Dresden ausgetragen wird. Die Weltelite im Skilanglauf wird am Königsufer unterhalb des Ministerialgebäudes starten, durch die Baustelle Augustusbrücke hindurch fahren,  am Japanischen Palais wenden und wieder zurück zum Ministeriums skaten, wo auch das Ziel ist. Insgesamt 1,4 Kilometer ist die Strecke lang. Seit Dezember läuft in einem Hangar auf dem Flughafen in Klotzsche die Schnee-Produktion.

Schnee für den Skiweltcup in Dresden

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Zwei sogenannte Snow-Factorys verwandelt Regenwasser in kleine Eiskügelchen, die zwar kein echtes „Powder“-Gefühl aufbringen, aber stabiler sind als zarte Schneekristalle. Das ist ganz im Sinne der Veranstalter, denn das Wetter hat die Macher des Skiweltcups um die beiden Journalisten René Kindermann und Torsten Püschel im Stich gelassen. Für den Wettkampftermin hatten sie sich den Zeitpunkt ausgesucht, an dem die Wahrscheinlichkeit für natürlichen Schnee bei relativ niedrigen Temperaturen am größten war – rein statistisch zumindest. Doch ausgerechnet in diesem Jahr gebe es eine Wetterlage wie „noch nie“ um diese Zeit, hat sich Kindermann von Meteorologen erklären lassen. Ein Hochdruckgebiet glucke über Nordeuropa und treibe die Schneewolken nach Amerika. Dort gibt es derzeit reichlich Schnee. Am Elbufer ist alles in sattes Grün-Braun getaucht. Weil es so warm ist, haben die Veranstalter die Anlieferung des Schnee um einen Tag verschoben. Zehn Lkw pendeln nun seit Donnerstag Früh zwischen Flughafen und Elbufer. Dabei wird Kunstschnee und Naturschnee gemischt. Denn irgendwann war es wohl auch dem Skiverband zu heiß geworden. Er wollte mehr Schneereserven als am Flughafen offenbar produziert werden konnten, so kam doch noch das Erzgebirge ins Spiel. Zu den 2500 Kubikmetern Schnee aus der Eismaschine, kommen nun 1500 Kubikmeter aus Oberwiesenthal hinzu.

Georg Zipfel, früher selbst Skilangläufer und Bundestrainer, ist gegen Mittag ganz froh, dass die Lkw-Fahrten einige Zeit dauern. „Es ist ganz gut, dass es nicht so schnell geht“, meint der 64-Jährige mit einem Blick zur Sonne, die auf den Asphalt am Königsufer knallt. Wenigstens gebe es keinen Wind, den Zipfel aus Erfahrung als besonders schlimmen Feind des Schnees ausgemacht hat. Der Schwarzwälder kennt sich aus, unter anderem hat er auch schon den Skiweltcup in Düsseldorf gestemmt. Seit der Skizirkus dort nicht mehr Station macht, stellen die Touristiker in der Rheinmetropole in Frage, ob Veranstaltungen dieser Art noch zeitgemäß sind. André Schollbach, Landtagsabgeordneter und Fraktionschef der Linken im Dresdner Stadtrat, hat seine Antwort am Donnerstag erneut verbreitet: „Für wichtige Aufgaben im Sozial- und Bildungsbereich fehlt es in unserer Gesellschaft vielfach an Geld. Gleichzeitig wird aber mehr als eine halbe Million Euro an Steuergeldern dafür ausgegeben, dass Tonnen an Kunstschnee erst mit großem Energieaufwand produziert, anschließend mit Lastkraftwagen quer durch die Stadt gekarrt und sodann an den Elbwiesen ausgekippt werden.“

Terminplan

Freitag: 12 bis 14 Uhr Offizielles Training der Athleten

Sonnabend: 9.50 bis 11.50 Uhr Qualifikation Einzel, Damen/Herren;

12.20 bis 13.50 Uhr Finalläufe, direkt im Anschluss Siegerehrung

Sonntag: 9.15 bis 10.45 Quali Team-Sprint, 11.15 bis 12.05 Finals, anschließend Siegerehrung

Montag bis Freitag: Schulsport mit Tobias Angerer

Montag: 9 Uhr: Auftritt deutsche Paralympics-Schülermannschaft

Dienstag: 14 Uhr: Junior City Biathlon mit Lasergewehren (SV Altenberg)

Sonnabend 20.1. : 10 Uhr: Sachsencup – Nachwuchsmeisterschaft für sächsische und tschechische Sportler

Sonntag 21.1.: 10 Uhr: Skifahren für Jedermann

In Nordrhein-Westfalen war Fahrer Peter Scholl auch schon dabei. Mit dem Pistenbully nimmt er den nächsten Schneeberg ins Visier. Vor dem fünf Meter breiten Schild türmt sich das „weiße Gold“ (Zipfel), verteilt sich und gerät unter die Ketten des Bullys. Zwei sind davon im Einsatz, der Hersteller stellt sie für solche Events kostenlos zur Verfügung. Seit 1986/87 ist Scholl damit unterwegs. „Es macht Spaß“, sagt er und nimmt dafür auch einiges auf sich. Der 56-Jährige hat Frau und Tochter und lebt im Allgäu. Eigentlich ist er Elektriker in einer Klinik. „Das hier ist Hobby.“ Für den Einsatz im Schnee nimmt er jedes Mal Urlaub. Seine Frau sieht das nicht so gern. Scholl aber fühlt sich in seinem Fahrzeug mit 380 Pferdestärken unter dem Sitz pudelwohl und lässt sich auch nicht durch neugierige Beifahrer aus der Ruhe bringen. Vor 45 Jahren ist er erstmals Pistenraupe gefahren, sein Vater hat das schon gemacht. In Dresden ist er bislang nur einmal wegen des Weihnachtsmarktes gewesen, der Allgäu ist weit. Das muss auch ein Händler einsehen, der Scholl zu Hause etwas anliefern will für sein Sommer-Hobby – das Motorradfahren. Scholl ist 600 Kilometer weg, sagt er ihm am Telefon im Pistenbully, seine Frau wird das managen. Am Sonntag ist Scholl erst wieder zu Hause. Dann sind die Wettkämpfe der Profis vorbei und die Piste wird für Nachwuchs- und später Freizeitsportler um die Hälfte verkürzt, die andere Hälfte ist dann Schneereserve. Bis dahin hat Scholl noch einiges zu tun. Er fährt so lange, bis die Strecke präpariert ist. „Spätestens Freitag früh müssen wir fertig sein.“ Zwischen 12 und 14 Uhr ist das erste offizielle Training angesetzt. Ist das zu schaffen? „Na klar“, sagt Scholl lachend. Schwingt sich in das rote Monster und zieht weiter seine Bahn .

Von Ingolf Pleil

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