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Das bringen die neuesten Fahrerassistenzsysteme

ADAC-Experte im Interview Das bringen die neuesten Fahrerassistenzsysteme

Thomas Kubin ist Experte für Fahrzeugtechnik und Sicherheit beim ADAC Dresden. Für die DNN-Sicherheitsserie hat er bereits etablierte, aktuelle und weniger bekannte Fahrerassistenzsysteme unter die Lupe genommen und bewertet. Im Interview spricht er über die immer größere Bedeutung dieser Systeme.

Ein Journalist nimmt am 11.05.2015 auf einer Teststrecke des Mercedes-Benz Werks in Sindelfingen (Baden-Württemberg) während einer Testfahrt die Hände vom Lenkrad.

Quelle: dpa

Dresden. Thomas Kubin ist Experte für Fahrzeugtechnik und Sicherheit beim ADAC Dresden. Für die DNN-Sicherheitsserie hat er bereits etablierte, aktuelle und weniger bekannte Fahrerassistenzsysteme unter die Lupe genommen und bewertet. Im Interview spricht er über die immer größere Bedeutung dieser Systeme.

Thomas Kubin, ADAC Dresden

Thomas Kubin, ADAC Dresden

Quelle: Adac

Frage: Welche Bedeutung haben Fahrerassistenzsysteme mittlerweile?

Thomas Kubin: Sie unterstützen den Autofahrer in kritischen Situationen und helfen daher, Unfälle zu vermeiden oder zumindest deren Schwere zu verringern. Sie sind eine sinnvolle und notwendige Ergänzung zur passiven Sicherheit wie Airbags oder Gurtstraffer. Aufgrund der heutigen Möglichkeiten und des technischen Fortschritts ist es daher notwendig, diese Assistenzsysteme stetig zu verbessern und weiter zu entwickeln.

In welchen Fahrzeugen sind Assistenzsysteme am sinnvollsten?

Neben privaten Kfz sollten diese Komponenten auch flächendeckend in Bussen und Lkws eingesetzt werden, was zum Teil auch schon der Fall ist. Das ist wichtig, da Unfälle mit diesen Fahrzeugen meistens besonders schwere Folgen haben. Zudem haben Motorräder oftmals bereits Assistenzsysteme an Bord. Ab 2017 ist für alle neu zugelassenen Motorräder über 125 ccm ABS Ausrüstungspflicht.

Sollten sich die elektronischen Assistenten vom Fahrer abschalten lassen können?

Nein. Leider ist das bei älteren Modellen, vor allem beim ABS oder ESP, gelegentlich möglich. Bei aktuellen Fahrzeugen ist es so, dass sich bei den Lkw häufig der Notbremsassistent abschalten lässt. Es dient nicht der Sicherheit, solche Systeme in die Nutzfahrzeuge zunächst einzubauen und dann dem Fahrer die Möglichkeit zu geben, diese auszuschalten.

Müssen Assistenzsysteme Pflicht in Fahrzeugen werden?

Ja, zumindest bei den wichtigen. Diese sollten in naher Zukunft Ausrüstungsvorschrift für alle Fahrzeuge werden. Doch das ist gar nicht so einfach umzusetzen. Diese Systeme werden immer komplexer, was auch eine stärkere Ausstattung der Fahrzeuge mit Sensorik-Bauteilen, Kamera- / Videotechnik und eine umfangreiche Vernetzung verschiedener Systeme im Fahrzeug erfordert. Dadurch verteuern sich die Fahrzeuge. Doch Sicherheit darf keineswegs nur Privileg teurer Luxus- oder Oberklassefahrzeuge sein. Hier muss man Regelungen finden.

Gibt es Sicherheitssysteme, die unnötig sind und das Autofahren nur komplizierter machen?

Man kann generell sagen, dass jeder Fahrerassistent sinnvoll ist und eine gewisse Notwendigkeit hat. Es ist aber unrealistisch, innerhalb einiger Jahre all diese Systeme zur Vorschrift zu machen.

Gibt es große Qualitätsunterschiede bei den Fahrerassistenten der einzelnen Automobilhersteller?

Die Funktionalität der Assistenzsysteme ist bei den verschiedenen Fahrzeugmodellen unterschiedlich. Mal funktioniert ein bestimmtes System beim Fahrzeug „X“ besser als bei Fahrzeug „Y“. Bei einem anderen System ist es dann vielleicht umgekehrt. Der ADAC veröffentlicht deshalb regelmäßig Tests in seinen Zeitschriften oder im Internet.

Thomas Kubin erklärt und bewertet für Sie die gängigsten Fahrerassistenten

Bremsassistent BAS

Das System erkennt an einer schnellen Bremspedalbetätigung eine Notsituation, steuert die maximale Bremskraft und unterstützt damit das Bremsen.

Wie sinnvoll? Sehr sinnvoll, denn es kann den Bremsweg bei Gefahrenbremsungen verkürzen.

Wie notwendig? Sehr notwendig. Es ist bereits Ausrüstungsvorschrift für neue Fahrzeuge

Notbremsassistent

Mithilfe von Radar- oder Lasersensoren wird eine kritische Auffahrsituation erkannt. Das System arbeitet mit einem Abstandsregelsystem (ACC) zusammen. Der Fahrer wird zunächst optisch und akustisch, danach durch eine Teilbremsung gewarnt. Erfolgt keine Reaktion, wird eine Vollbremsung eingeleitet.

Wie sinnvoll? Sehr sinnvoll, denn das System kann einen Auffahrunfall verhindern.

Wie notwendig? Sehr notwendig. Vor allem auch im Bereich der Nutzfahrzeuge.

Multikollisionsbremse

Nach einer Unfallerkennung wird über das ESP das Fahrzeug abgebremst. Somit können Folgeunfälle vermieden werden.

Wie sinnvoll? Sinnvoll, denn bei ca. 25 Prozent aller Pkw-Unfälle kommt es zu Folgekollisionen mit weiteren Fahrzeugen.

Wie notwendig? Eine Notwendigkeit besteht auf Grund der Häufigkeit von Folgekollisionen, auch wenn die Bedeutung nicht so signifikant wie beispielsweise beim Notbremsassistenten ist.

Fernlichtassistent

Automatische Aktivierung des Fernlichts, sobald es die Verkehrs- und Umgebungsbedingungen zulassen. Entgegenkommende oder vorausfahrende Fahrzeuge sowie Beleuchtungen in Ortschaften werden erkannt und es wird automatisch abgeblendet.

Wie sinnvoll? Sehr, denn Fußgänger und Objekte können schneller erkannt werden, der Fahrer wird entlastet und kann sich besser auf den Verkehr konzentrieren. Das Blenden anderer Verkehrsteilnehmer wird minimiert.

Wie notwendig? Eine Notwendigkeit ist gegeben, da das System einen wichtigen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit, besonders in Bereichen schlecht beleuchteter Straßen / Landstraßen leisten kann.

Totwinkelassistent

Radarsensorik oder Videotechnik erkennt eine kritische Annäherung eines nachfolgenden Fahrzeuges auf versetzter Fahrspur und warnt den Fahrer durch ein Warnlicht im Außenspiegel und / oder Warnton bei gesetztem Blinker.

Wie sinnvoll? Sehr sinnvoll, da das System Unfälle durch das Übersehen von Fahrzeugen im toten Winkel vermeiden kann.

Wie notwendig? Dieses System erhöht definitiv die Sicherheit beim Fahrspurwechsel.

Spurassistent

Durch ein Videosystem oder Infrarotsensorik wird das unbeabsichtigte Überfahren der Fahrbahnrand-Markierung erkannt und der Fahrer gewarnt. Dies kann durch optische oder akustische Signale erfolgen oder durch Vibrationen am Lenkrad. Bei neueren Systemen erfolgt teilweise auch eine leichte bis mittlere Lenkkorrektur.

Wie sinnvoll? Sehr sinnvoll. Unfälle, bei denen es durch Übermüdung oder Ablenkung zum Abkommen von der Fahrbahn kommt, können vermieden werden.

Wie notwendig? Vor allem im Nutzfahrzeugbereich notwendig.

Einparkassistent

Mithilfe von Sensoren oder Kameras wird eine Parklücke vermessen und dem Fahrer beim Einparken assistiert. Eine weitere Steigerung ist das automatische Einparken.

Wie sinnvoll? Das System kann für den einzelnen Fahrer sinnvoll sein, vor allem wenn es auf Grund von schwierigen Parksituationen oder anderen Beeinträchtigungen zu Problemen kommt.

Wie notwendig? Eine generelle Notwendigkeit besteht nicht.

Abbiegeassistent für Lkw / Bus

Die Bereiche vor und neben dem Fahrzeug werden überwacht. Der Fahrer wird gewarnt, sobald sich in diesen Bereichen Fußgänger oder Radfahrer befinden.

Wie sinnvoll? Sehr sinnvoll, da es in Kreuzungsbereichen oder Einmündungen oftmals gefährliche Situationen gibt.

Wie notwendig? Sehr, da das System Unfälle mit häufig sehr schweren oder tödlichen Verletzungen reduziert.

Müdigkeitserkennung

Mit Kamera-/ Videosensorik sowie der Überwachung der Lenkradbewegung, wird die Fahrweise analysiert. Ist eine Ermüdung des Fahrers zu erkennen, wird dieser gewarnt.

Wie sinnvoll? Sinnvoll, denn Übermüdung ist die Ursache für mehrere Tausend Unfälle pro Jahr.

Wie notwendig? Notwendig, wenn die Unfälle auf Grund von Übermüdung verringert werden sollen.

Von Sebastian Burkhardt

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