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Dresden Lokales Das Weinkombinat am Felsenkeller setzt auf handwerkliche Tropfen
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09:14 28.11.2018
Jens Hugel bietet nur handwerklich produzierte Weine, abseits vom Mainstream, an. Schnäppchenjäger werden bei ihm nicht fündig. Quelle: Lars Müller
Dresden

Wo einst das Malz für Bier gelagert wurde, hat sich Jens Hugel mit seinem Weinkombinat eingerichtet. Die früheren Brauereigebäude am Felsenkeller in Plauenschen Grund eigneten sich perfekt als Weinlager, sagt er. Hugel, Jahrgang 1985, setzt auf handwerkliche Weine, wie er sagt. Die sucht er genau aus und ordert fast nur bei Winzern, die er persönlich kennt. Beliebige Massenware sei ihm ein Graus, ebenso die in der Branche übliche Preisdrückerei. So etwas werde guten Weinen und ihren Machern nicht gerecht. Zudem sei es schlichtweg unwirtschaftlich, wenn Sonderangebote zum Standard würden.

Jens Hugel kennt sich aus im Weinhandel, hat mehrere Jahre in verantwortlicher Position bei einem Dresdner Weinversand gearbeitet. Dabei ist der studierte Historiker, der im Zwickauer Land aufgewachsen ist, ein echter Quereinsteiger. „Ich habe schon als Jugendlicher gerne Wein getrunken“, sagt er. Schon im Elternhaus habe er ganze Menüs gekocht. „Da gehörten gute Weine einfach dazu“, erinnert er sich. Nach seinem Studium in Chemnitz hat es ihn schließlich nach Dresden verschlagen, seit Frühjahr 2017 ist er selbstständiger Weinfachhändler.

Wein ist und bleibt Geschmackssache

Weinfreunde mit Anspruch und die gehobene Gastronomie beliefert er von seinem Weinkombinat aus. Etwa die Hälfte seien gewerbliche Kunden, die andere Hälfte sind private Weinkenner. Die Mehrzahl seiner Kunden lebt im Westen, auch Leipzig erweise sich zunehmend als Absatzmarkt. Wer im Weinkombinat kauft, ist Neuem gegenüber aufgeschlossen, neugierig und recht experimentierfreudig. Oberflächliche Schickimicki-Weintrinker sind bei Hugel falsch. „Alle Weine, die ich online anbiete, habe ich auch auf Lager. Das ist mir wichtig.“ Von gut 60 Weingütern aus aller Welt verkauft er ausgewählte Tropfen, etwa 250 Artikel sind aktuell gelistet. Viele Weine sind biologisch produziert oder sogenannte Naturweine, die ganz ohne Schönung auskommen und deren Trauben ohne synthetische Chemie im Berg produziert wurden. „Es sind die ursprünglichsten Weine“, sagt er. Zugleich räumt der Kenner aber ein, dass nicht alle Weinfreunde solche Tropfen schätzen. Es gibt eine Szene für Natur- und auf der Maische vergorene Orangeweine, die habe sich allerdings inzwischen gefestigt und wachse in Deutschland kaum noch. Wein ist und bleibt Geschmackssache. Gerne erklärt er außergewöhnliche Weine - etwas aufschwatzen, ist aber gar nicht seine Sache.

Während hierzulande mancher Weinhändler, Weinbarbetreiber und auch einzelne Weinbauern vor Begeisterung über sich selbst regelmäßig von ihrem eigenen Ego überholt werden, hält Hugel den Ball bewusst flach und präsentiert sich nicht als Koryphäe. Dabei weiß er zweifellos sehr viel über gute Tropfen. Und die meisten Winzer, deren Weine er verkauft, hat er natürlich auch schon in ihren Weinbergen und Kellereinen besucht. Diese persönlichen Kontakte seien wichtig, erklärt er. Nur so könne auch er als Händler genauso hinter den Weinen stehen, wie es ihre Macher tun.

Selbst ausschenken will Hugel nicht

Aus Sachsen hat er derzeit nur den noch recht neuen Winzer Alexandre Dupont de Ligonnès im Sortiment, den er auch als Freund schätzt. Immer wieder gebe es aber in den Anbaugebieten Neuentdeckungen, so Hugel. So bietet er beispielsweise die Premierenweine von Konni&Evi an: Der junge Winzer Konrad Buddrus aus Freyburg an der Unstrut und seine Freundin Eva Wehner sind Ostdeutschlands erste biodynamisch wirtschaftende Winzer. Enger mit der Natur geht nicht. Ihre Naturweine werden in hippen Weinbars in Berlin, Amsterdam, London oder Paris ausgeschenkt.

Einen eigenen Weinladen will Jens Hugel zumindest in Dresden nicht eröffnen. Er glaubt mit seinen Erfahrungen nicht, dass dieser lukrativ zu betreiben wäre. Deshalb müssen Weinfreunde auf der Suche nach dem besonderen Tropfen das Weinkombinat im Internet besuchen. Ab 6,99 Euro bis weit über 100 Euro liege die Preisspanne pro Flasche. „Ich verkaufe aber keine Weine, die ich nicht auch selbst trinke“, sagt der Händler. Nachhaltig produziert seien alle.

www.weinkombinat.com

Von Lars Müller

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