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Lokales Das Purotex-Areal ist weitgehend entgiftet
Dresden Lokales Das Purotex-Areal ist weitgehend entgiftet
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11:56 14.12.2016
 Eine giftige Altlast verschwindet aus dem Dresdner Stadtbild.  Quelle: Jürgen-M. Schulter
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Dresden

Eine giftige Altlast verschwindet aus dem Dresdner Stadtbild: Die Sanierung des ehemaligen Purotex-Geländes in der Friedrichstadt steht kurz vor dem Abschluss. In wenigen Tagen werden die Dekontaminierungs-Spezialisten im Auftrag der Stadt die letzten Kubikmeter verseuchter Erde auf dem Gelände der früheren chemischen Reinigung aus DDR-Zeiten ausgebohrt und abtransportiert und den Untergrund verdichtet haben. „Dann sind wir fertig“, kündigte Sachgebietsleiter Bernd Richter vom städtischen Umweltamt an.

Ab 1850 waren auf dem Grundstück chemische Reinigungen tätig und zuletzt der DDR-Dienstleistungsbetrieb Purotex. Deren Chemikalien hatten das etwa 846 Quadratmeter große Areal an der Friedrichstraße 17 über Jahrzehnte hinweg vergiftet. So gelangten auch rund 2,5 Tonnen „leichtflüchtige halogenisierte Kohlenwasserstoffe" (LHKW) in den Boden und in das Grundwasser. Diese Chemikalien gelten als gesundheitsgefährend.

Da der VEB Purotex mit der DDR untergegangen ist und nicht mehr haftbar gemacht werden kann, hat letztlich die Kommune die Aufgabe übernommen, das Gelände in Ordnung zu bringen. Im September 2016 begann die rund 1,6 Millionen Euro teure Sanierung. Einen Großteil der Kosten, nämlich etwa 1,1 Millionen Euro, steuerte der „Europäische Fonds für Regionale Entwicklung“ (EFRE) bei.

Sanierer setzten auf Großbohrer

Die beauftragten Spezialisten haben mit Großbohrern schadstoffbelastetes Bodenmaterial in bis zu 14 Metern Tiefe extrahiert. Insgesamt mussten sie rund 4000 Kubikmeter chemiegetränkte Erde austauschen. Bis zum März 2017 sind noch einige Restarbeiten fällig, um Chemiereste aus dem Grundwasser zu holen. Ist die Sanierung abgeschlossen, sollen auf dem Purotex-Areal Wiesen wachsen und Zufahrten für einen neuen Wohnkomplex nebenan entstehen.

Und das kontaminierte Purotex-Gelände war und ist kein Einzelfall: In Dresden haben seit über 200 Jahren Militär und Gewerbe ihren – oft ziemlich giftigen – Stempel im Boden hinterlassen, besonders aber die „Volkseigenen“ Betriebe der DDR. Nach der Wende haben die kommunalen Umweltschützer einige Tausend Standorte mit – in unterschiedlichem Maße – verseuchten Böden untersucht und teils saniert. Seit 1991 stuften sie fast 2900 Altstandorte als besonders bedenklich für die Umwelt ein. Die Stadt konzentrierte sich in ihren Bemühungen anfangs vor allem auf besonders schlimm verseuchte große Grundstücke.

Uranfabrik war die schlimmste Altlast

Das mit Abstand größte Öko-Projekt nach der Wende war die Sanierung des verstrahlten Areals in Coschütz-Gittersee, auf dem die Russen und die Wismut zunächst Uran geschürft, dann ein Reifenwerk den Boden verschmutzt und die DDR-Chemieindustrie eine große Invest-Ruine, das Reinstsiliziumwerk, hinterlassen hatten. Nach der Wende ließen die Behörden den Boden auf rund 76 Hektar austauschen, verfüllten hier teils auch Erde vom Autobahn-Bau an der A 17. Dann richteten sie in Coschütz-Gittersee das größte kommunale Gewerbegebiet Dresdens ein. Rund 45,5 Millionen Euro investierten Stadt, Land und Bund von 1993 bis 2012, um die ökologische Katastrophe im Dresdner Süden zu beenden.

Im Zuge weiterer ökologischer Großprojekte ließ die Stadt die ehemalige Hausmülldeponie Proschhübel, die Deponie Reitzendorf, das Plattenwerk Sporbitz, das Glaswerk Sabra, die Sondermülldeponie am Hammerweg und zahlreiche andere Altlasten sanieren. Sie gab dafür im Schnitt zwischen zwei und fünf Millionen Euro pro Jahr aus.

LHKW-verseuchte Betriebe nun im Fokus

Seit die radioaktiven Hinterlassenschaften in Coschütz-Gittersee beseitigt sind, konzentrieren sich die Umweltbehörden nun auf kleinere, chemisch kontaminierte Flächen. Zudem drängen verstärkt Landesbehörden darauf, LHKW-verseuchte Grundstücke anzugehen. Betroffen sind vor allem Stadtteile wie die Friedrichstadt, in denen „über viele Jahre Betriebe der Metallverarbeitung, die militärische Nutzung, chemische Reinigungen, Tankanlagen und dergleichen Ursachen für oftmals schwerwiegende Boden- und Grundwasser-Verunreinigungen waren“, schätzte Bernd Richter vom Umweltamt ein. Altlasten wie das nun gereinigte Purotex-Areal hatten hier über Jahre die „städtebauliche Entwicklung des gesamten Quartiers“ gehemmt.

Zweistellige Millionenbeträge werden daher in den nächsten Jahren von Stadt, Land und EU in Dresden aufzuwenden sein, um die schlimmsten Altlasten endlich zu beseitigen, geht aus städtischen Schätzungen hervor. Rund 300 belastete Flächen wollen die Umweltbehörden jetzt näher unter die Lupe nehmen und möglichst gleich sanieren.

Giftiger Boden auch an Rosenstraße

„Wir haben noch Flächen mit gleichen Schadstoffen wie auf der Friedrichstraße an der ehemaligen chemischen Reinigung am Lockwitzbachweg und am Chemiehandel Rosenstraße, mit jährlichen Kosten von zirka 450. 000 Euro“, nennt Sachgebietsleiter Richter einige Beispiele. „Daneben ist der Schwerpunkt für die nächsten Jahre die Collmberghalde, deren Endverwahrung nach derzeitiger Rechnung rund zehn Millionen Euro kosten wird. Da werden wir hoffentlich im kommenden Jahr mit dem ersten Bauabschnitt beginnen können.“

Von Heiko Weckbrodt

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