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Lokales Das Projekt „People in Dresden“ präsentiert die bunte Vielfalt der Elbestadt
Dresden Lokales Das Projekt „People in Dresden“ präsentiert die bunte Vielfalt der Elbestadt
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07:29 18.03.2018
Robert Löbel, Sandra Mendez und Jessica Buskirk (von links) – die drei Menschen hinter der Dresdner Initiative „People in Dresden“. Quelle: Sophie Aschenbrenner
Dresden

Vier junge Christen aus dem Irak, ein deutscher Student an der Technischen Universität, ein Ehepaar aus Kolumbien – sie alle sind Dresdner. Die Initiative „People in Dresden“ stellt sie vor. Auf Facebook und Instagram präsentiert das Projekt täglich einen Menschen aus der Elbestadt, beschreibt seine Wünsche und Leidenschaften. Der Dresdner Robert Löbel startete „People in Dresden“ vor drei Jahren gemeinsam mit einer amerikanischen Austauschschülerin, die ein ähnliches Projekt – „Humans of New York“ – aus ihrer Heimatstadt kannte. Wenig später kamen Jessica Buskirk und Sandra Mendez dazu. Einmal wöchentlich ziehen sie gemeinsam durch die Stadt, ausgestattet mit Kamera und Block, auf der Suche nach Geschichten.

Engagement für Geflüchtete

Die Idee hinter dem Projekt ist simpel: „People in Dresden“ möchte die Vielfalt der Stadt zeigen und spielt dabei dezidiert auf das islam- und fremdenfeindliche Bündnis Pegida an. „Ich bin dazugekommen, als Pegida sehr stark war. Und ich fand es eine gute Idee zu zeigen: Es gibt auch nette, offene Menschen in Dresden“, sagt Buskirk. Die 41-jährige Kunsthistorikerin zog vor neun Jahren nach Dresden. „Es ist doch schön, wenn eine Stadt Vielfalt hat. Wir Ausländer sollten uns nicht verstecken“, meint sie. Auch Mendez hofft, mit der Initiative etwas bewegen zu können. „Ein Mensch ist mehr als ein Kopftuch, ein Salsatanz, ein Akzent“, sagt sie. 2015 wurde die 35-jährige Venezolanerin rassistisch beschimpft, der Täter versuchte, eine Flasche nach ihr zu werfen. Es sollte nicht das letzte Mal bleiben.

Seit fünf Jahren lebt die Erziehungswissenschaftlerin in Dresden, engagiert sich für Geflüchtete und in der Lesben- und Schwulenszene. Als sie bei den Pegida-Demonstrationen Menschen für „People in Dresden“ befragte, wurde sie sofort mit den üblichen Stereotypen konfrontiert, erzählt sie: „Kokain, Salsa, sowas.“ Jetzt, in einem Café neben dem Goldenen Reiter in der Dresdner Neustadt, können die drei Freunde darüber lachen. Doch Mendez ist es ernst. „Meine Kinder leben hier. Ich möchte ihnen zeigen: Ja, es gibt Rassismus. Aber wir müssen das nicht einfach annehmen. Wir können etwas dagegen tun.“

Neue Mitstreiter gesucht

Durch „People in Dresden“ wünschen sich die drei Initiatoren, bei den Lesern Empathie zu wecken für die unterschiedlichen Menschen, die in der Stadt leben. „Wir versuchen eine gesunde Mischung aus verschiedenen Leuten zu zeigen“, sagt Löbel. Manchmal gelinge das besser, manchmal weniger gut – „denn viele ältere Menschen wollen nicht so gern mit uns reden“, bedauert der 41-jährige Beamte. Den drei Freunden liegt das Projekt am Herzen. Auch eine Ausstellung oder Diskussionsrunden würden sie gern organisieren. Doch die Kapazitäten sind knapp, neue Mitstreiter schwer zu finden. „Zehn bis zwölf Stunden pro Woche muss man schon einrechnen für das Projekt – unbezahlt“, sagt Buskirk. So gibt es künftig erst einmal weiterhin täglich einen Dresdner – mit und ohne Kopftuch, Einwanderer und Alteingesessene, Arme und Reiche. „Das ist das Schöne“, sagt Mendez noch zum Abschluss. „Es gibt keine Hierarchie. Ob schwarz oder weiß, jeder hat einen Tag für seine Geschichte. Alles steht nebeneinander.“ Dann müssen die drei los. Es wartet noch ein Interview – mit einem spanischen Paar.

Von Sophie Aschenbrenner

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