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Dresden Lokales Das Lebenswerk zweier Schwestern
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15:55 17.01.2019
Charlotte Meentzen vor einem Werbeschild für ihre Heilkräuter-Kosmetik. Quelle: Privatarchiv Familie Meentzen
Dresden

Gegen jedes Zipperlein ist ein Kräutlein gewachsen. Diese Weisheit verinnerlicht Charlotte Meentzen bereits, als sie noch in den Kinderschuhen steckt. Gemeinsam mit ihrer Schwester Gertrude verbringt sie viel Zeit auf dem Bauernhof ihrer Großmutter, die in den beiden Mädchen die Liebe zur Natur weckt und ihnen darüber hinaus die Wirkstoffe der verschiedenen Pflanzen erklärt. Damit legt sie den Grundstein für das Lebenswerk des Schwesternpaars.

Für ihre Ausbildung als Heilpraktikerin geht die am 12. Juni 1904 in Leipzig geborene Bertha Emilie Charlotte Meentzen nach Österreich. Zurück kehrt sie mit einer ehrgeizigen Idee: Sie will sich mit einer eigenen Kosmetikfirma selbstständig machen.

Mit finanzieller Unterstützung ihrer Familie kann Charlotte ihren Traum wahr machen: 1930 gründet sie in Dresden die Firma und Produktionsstätte „Charlotte Meentzen Heilkräuter Kosmetik“ sowie eine Schule und ein Institut für Naturkosmetik, in dem sie kosmetische Behandlungen anbietet und die eigenen Erzeugnisse vertreibt.

„Mit gerade einmal 26 Jahren, in diesem jungen Alter, noch dazu als unverheiratete Frau – das war schon außergewöhnlich für diese Zeit“, kommentiert Dr. Alexandra-Kathrin Stanislaw-Kemenah. Die Historikerin und Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Dresden hat sich im Rahmen einer Publikation zur Firmengeschichte eingehend mit Charlotte Meentzen beschäftigt.

Obwohl das Unternehmen ihren Namen trägt, führt sie es nicht allein. Ihre Schwester Gertrude sitzt von Anfang an mit im Boot. Während Charlotte als kreative Ideengeberin fungiert, übernimmt Gertrude den kaufmännischen Part. „Gertrude hatte die Zahlen im Blick und sozusagen auch den Finger auf dem Geld, denn Charlotte war wohl auch ein sehr extrovertierter Typ. Sie hat nicht unbedingt in Luxus geschwelgt, aber das Leben schon sehr genossen und ging auch gerne mal feiern“, führt die Gleichstellungsbeauftragte aus.

Als lebensfrohe und berufstätige Frau, die sich nicht in die gesellschaftlich vorgezeichnete Rolle als Hausfrau und Mutter fügen will, gibt sich Charlotte als Kind der Goldenen Zwanziger zu erkennen. Nicht nur ihr Wille zur Eigenständigkeit ist bezeichnend, sondern auch, dass sie sich ausgerechnet der Kosmetik widmet, ist das Schminken doch lange Zeit verpönt, weil Prostituierten vorbehalten gewesen.

In Charlotte Meentzens Verständnis kommt Schönheit nicht von außen, sondern von innen, und funktioniert nicht ohne Gesundheit. Dieser ganzheitliche Ansatz schließt Faktoren wie Bewegung und Ernährung mit ein. In ihrem Buch „Heilkräuter im Dienste der Schönheit – ein Ratgeber für natürliche Schönheitspflege“ spricht sie daher dazu ebenfalls Empfehlungen aus, außerdem finden sich Rezepte, die auch für den schmaleren Geldbeutel geeignet sind.

„Das Buch hat sie 1940 geschrieben, da war die Situation schon wieder eine ganz andere“, gibt Alexandra- Kathrin Stanislaw-Kemenah zu bedenken. „Da war bereits Krieg, da gab es schon Belastungen.“

Das Erscheinen ihres Werks im Jahr 1941 wird die Pionierin in Sachen Naturkosmetik nicht mehr erleben. Ihr ganzes Leben lang bleibt sie ledig. Das bedeutet jedoch nicht, dass es in ihrem Leben keine Männer gibt. So geht sie eine Liebesbeziehung mit einem verheirateten Apotheker ein – und wird schwanger. 1939 kommt ihr Sohn Geert-Dietrich zur Welt, kurz darauf stirbt Charlotte am 26. Februar an den Folgen der Geburt.

Nach ihrem Tod führt Gertrude, verheiratete Seltmann-Meentzen, die Firma weiter. Ihre eigene Persönlichkeit stellt die im Vergleich mit Charlotte eher stille und introvertierte Frau völlig hinter der ihrer verstorbenen Schwester zurück.

„Der Wiederaufbau nach dem Krieg muss zäh gewesen sein, denn wer dachte in den Nachkriegsjahren schon an Kosmetik oder Schönheit? Zudem hatte Gertrude selbst zwei kleine Kinder und war nach dem Krieg verwitwet“, überlegt die Historikerin. Doch schon ab 1946 kann Gertrude die Firma schrittweise wiederaufbauen und die „Schule für Natürliche Kosmetik“ neu gründen. So wie Schönheit nur in Verbindung mit Gesundheit entsteht, die Pflege des Äußeren nicht ohne die Pflege des Inneren auskommt – so gehörte auch die große Schwester zur kleinen, Gertrude zu Charlotte.

Von Elena de F. Oliveira

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