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Lokales Das Landesamt für Archäologie in Dresden setzt auf hochmoderne Scannertechnik
Dresden Lokales Das Landesamt für Archäologie in Dresden setzt auf hochmoderne Scannertechnik
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17:53 26.01.2018
Vermessungsingenieur Thomas Reuter digitalisiert am Streifenlichtscanner den Schädel des 1514 ermordeten Johann Wengemeyer Quelle: Dietrich Flechtner
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Dresden

Johann Wengemeyer hatte sich seinen Aufenthalt in Annaberg im Jahre 1514 sicherlich anders vorgestellt. Doch während sich der oberdeutsche Kaufmann gemeinsam mit seiner Frau in der seinerzeit florierenden Bergstadt aufhielt, wurde er hinterrücks von zwei Auftragsmördern mit einer Axt erschlagen.

Sein Schädel, der bei Ausgrabungen im vergangenen Jahr im Franziskanerkloster Annaberg gefunden wurde, ist am Freitag im 3D-Labor des Landesamtes für Archäologie in Dresden mit Hilfe von modernsten Streifenlichtscannern präzise digitalisiert worden. Das fast originalgetreue 3D-Modell auf dem Computer – die Fehlertoleranz liegt gerade einmal bei 0,02 Millimetern – bietet den Archäologen nun völlig neue Möglichkeiten. „Wir können die Daten jetzt beispielsweise an Forensiker, Traumatologen oder Mediziner weitergeben und erfahren so möglicherweise ganz neue Details über den Mord“, erklärt Christiane Hemker, Referatsleiterin für Südwestsachsen.

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3D-Scanner im Einsatz im Landesamt für Archäologie

Doch die hochmoderne Technik wird in erster Linie natürlich nicht für Hobby-Kriminologie in Fällen längst vergangener Zeiten eingesetzt, sondern leistet seit über zwölf Jahren einen wesentlichen Beitrag zur erfolgreichen Erforschung und Archivierung historischer und archäologischer Fundstücke. Über 22 000 Objekte sind in den vergangenen Jahren bereits digitalisiert worden. Die originalgetreuen und hochdetaillierten Modelle erlauben es, Untersuchung und wissenschaftliche Forschungen an Münzen, Steinen, Hölzern oder sogar Knochenteilen vorzunehmen, ohne die empfindlichen Stücke überhaupt in die Hand nehmen zu müssen.

Die Technologie hilft zudem bei der Rekonstruktion fehlerhafter oder kaputter Fundstücke. So können die Archäologen beispielsweise aus einzeln gefundenen Scherben nach deren Digitalisierung eine ganze Vase rekonstruieren. So ist auch der neolithische Brunnen, der in Altscherbitz beim Flughafen Leipzig/Halle gefunden wurde und mit einem Alter von 7100 Jahren zu den ältesten Holzbauwerken der Welt gehört, am Computer mit Hilfe der 3D-Scanner rekonstruiert worden. „So können wir die sensiblen Funde auch digital aufbereiten und Museumsbesuchern und Interessierten zur Verfügung stellen“, erklärt Landesarchäologin Regina Smolnik.

Und hier zeigt sich laut den Archäologen auch die ganze Tragweite und Zukunftsfähigkeit dieser Technologie. Denn bereits jetzt gibt es durch eine enge Zusammenarbeit mit Microsoft die Möglichkeit, Objekte, Gebäude und sogar ganze unterirdische Stollen in einer virtuellen Realität darzustellen. „Das funktioniert zur Zeit mit den sogenannten VR-Brillen schon ganz gut“, so Smolnik. Das Ziel ist jedoch, irgendwann einmal echte virtuelle Realitäten mit der sogenannten Microsoft Hololens zu erzeugen. Prädestiniert dafür sei beispielsweise der in Dippoldiswalde entdeckte Silberstollen aus dem 12./13. Jahrhundert.

Mit einem mobilen Scanner oder sogar anhand von Fotos mit Hilfe der sogenannten Structure-from-Motion-Technologie kann die Software ein vollwertiges 3D-Abbild erzeugen, dass als Grundlage für einen virtuellen Rundgang dienen kann. Die dazugehörige Software entwickelte das Landesamt gemeinsam mit der TU Chemnitz und der Firma 3DInsight selber und gehört dadurch zu den deutschlandweit führenden Einrichtungen beim Thema 3D-Visualisierung.

Erst im Dezember des vergangenen Jahres kaufte das Landesamt einen neuen Streifenlichtscanner, der vor allem für kleine Objekte wie Münzen oder Bruchstücke geeignet ist. Laut Smolnik kostet so eine Anlage je nach Ausstattung und Zubehör zwischen 80 000 und 150 000 Euro. Die Landesarchäologin ist sich sicher, dass mit Hilfe dieser Technologie noch das ein oder andere Rätsel gelöst werden wird. Außerdem warten in den Archiven des Landesamtes noch rund 22 Millionen potentielle Fundstücke, die auf eine Digitalisierung warten.

Von Sebastian Burkhardt

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