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Das Findelkänguru aus Dresden

Das Findelkänguru aus Dresden

Riesenkänguru-Baby Taronga ist aus dem Beutel seiner Mutter Pia gefallen. Und die lässt ihr Kind nicht wieder in die sichere Behausung zurückschlüpfen.

Also kümmert sich Zootierarzt Dimitri Widmer um das kleine Weibchen. Mit allen Konsequenzen.

In welchem Zustand haben Sie das Känguru gefunden?

Wir haben die Kleine Anfang vergangener Woche morgens im Stall entdeckt. Da war sie schon unterkühlt und Mutter Pia fühlte sich ganz offensichtlich auch nicht verantwortlich für ihr Kind. Taronga ist schon ungefähr sechseinhalb Monate alt, bereits komplett behaart und die Ohren stehen auch schon ganz aufrecht. Kängurus kriechen ja nach der Geburt als gummibärchengroßes, nacktes und augenloses Etwas in den Beutel der Mutter. Und normalerweise verbringen sie auch die ersten Monate darin und werden von der Mutter noch bis zu einem Jahr lang gesäugt.

Wie haben Sie sich um das Findelkind gekümmert?

Wir haben es erst einmal aufgesammelt und gewärmt, mit Glukose und Flüssigkeit versorgt und auch ein kleines Antibiotikum gegeben, damit es sich keine Lungenentzündung einfängt. Dann haben wir es in einen Beutel verfrachtet. Man macht da aus einem Jutesack und einer Decke einen provisorischen Sack.

Warum konnte Taronga nicht wieder zurück in den Beutel schlüpfen?

Das wüssten wir auch gern. Als das Känguru nach einem Tag wieder bei Kräften war, haben wir es mehrfach wieder in den Stall zurückgesetzt. Es hat auch nach seiner Mutter gerufen. Sie aber hat den Beutel nicht aufgemacht. Da war nichts zu machen. Es bringt auch nichts, die Mutter fangen zu wollen, um dann das Kleine in den Beutel zu stopfen. So ein Beutel ist ja kein lascher Sack, sondern ein großer Muskel, den die Mutter anspannen kann.

Kommt es immer mal wieder vor, dass sich eine Känguru-Mutter nicht mehr um ihr Kind kümmert?

Nein, das ist schon sehr ungewöhnlich. Allerdings hat Pia im vergangenen Jahr schon einmal ein Kind verstoßen. Auch das haben wir mit der Hand aufgezogen. Damals war aber die Ursache klar. Pia war sehr krank, hatte sich eine Kieferinfektion zugezogen und also Schmerzen. Warum sie ihr Kind diesmal nicht aufziehen wollte, bleibt ein Rätsel.

Nun also haben Sie die Kleine mit nach Hause genommen...

Ich habe das die ersten anderthalb Wochen gemacht, jetzt kümmert sich unsere junge Tierpflegerin Josefine Bruse drum. Sie hat schon das andere verwaiste Känguru vom vergangenen Jahr aufgezogen und weiß, wie's geht. Es ist eine anstrengende und zeitintensive Angelegenheit. Kängurus bekommen ja noch bis zu einem Jahr Milch.

Was für Milch?

Da sind Kängurus sehr speziell. Die nehmen keine Milch für Hunde, Katzen oder Nager, sondern eine australische Milch, die wir aus den USA importieren. Das ist recht aufwendig und dauert eine Weile. Und auch der Zoll findet es nicht lustig, wenn ein weißes Pulver importiert wird. Zum Glück haben wir eine andere, gleichwertige Quelle in den Niederlanden entdeckt.

Wie oft muss so ein Känguru Milch bekommen?

Am Anfang sieben bis acht Mal täglich, davon zwei Mal mitten in der Nacht. Seine Flasche Milch hat das Känguru mit einem speziellen Sauger schnell getrunken. Das Problem ist, dass man dafür sorgen muss, dass es unmittelbar danach auch Kot und Urin absetzt, damit der Beutel sauber bleibt. Normalerweise leckt die Mutter das Hinterteil des Kleinen ab. Das funktioniert mit einem warmen, feuchten Lappen auch, dauert aber alles in allem jedes Mal eine Stunde.

Und morgens haben Sie sich das Känguru geschnappt und es im Zoo im Beutel mit sich herumgetragen...

So weit das möglich war - ja. Manchmal haben wir es auch auf die Wiese gesetzt, damit es Licht und Luft bekommt. Wichtig ist, dass der Beutel immer in der Nähe ist, falls es Angst kriegt. Jetzt nimmt Taronga ihre Umwelt schon so bewusst wahr, dass man sie nicht einfach unbeobachtet irgendwo hinhängen kann. Sie ist jetzt fast zwei Kilo schwer und 50 Zentimeter lang, wenn sie sich ausstreckt. Die Füße messen 17 Zentimeter.

Wird das Känguru je zurückkehren können zu seiner Familie?

Drei, vier Monate wird es noch Milch brauchen. Wir wollen natürlich, dass das Känguru möglichst bald auf die Anlage zurück kann. In drei vier Wochen wollen wir es tagsüber auch mal in den Stall hängen, damit es sich an seine Artgenossen gewöhnen kann. Es muss ja lernen, dass es ein Känguru ist und doch kein Mensch. Ich denke, das wird schon klappen. Nicht umsonst heißt die Kleine ja auch Taronga. Der Name stammt aus der Sprache der australischen Aborigines und bedeutet so viel wie wunderschöne Aussicht.

Aus den Dresdner Neuesten Nachrichten vom 31.05.2014

Richter, Katrin

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