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Lokales Das Dresdner Start-up eZelleron ist pleite
Dresden Lokales Das Dresdner Start-up eZelleron ist pleite
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08:03 26.02.2018
   Quelle: PR
Dresden

 Sascha Kühn hatte mit seinem Start-up eZelleron einen kühnen und kometenhaften Aufstieg hingelegt. Von Dresden aus wollte der Brennstoffzellenexperte Kunden in aller Welt mit einem Minikraftwerk für die Hosentasche versorgen. Das sollte – mit Feuerzeuggas betrieben – Handys aufladen, wo gerade keine Steckdose in der Nähe ist. Wochenlang sollten sich Handynutzer damit unabhängig vom Stromnetz machen können.

Das Amtsgericht Dresden hat am Montag das Insolvenzverfahren eröffnet und den Dresdner Rechtsanwalt Thomas beck zum Insolvenzverwalter bestellt. Insolvenz angemeldet hatte Kühn bereits vor fast einem halben Jahr, am 5. November 2015. Ein Investor habe die geplante Zahlung von 40 Millionen Euro nicht aufbringen können. Das Unternehmen sei seitdem in Eigenverwaltung weitergeführt worden. In Europa sei es sehr schwierig, für die Technologie Investoren zu finden. Das sei in den USA ganz anders, wo eZelleron bereits 2014 die eZelleron Inc. gegründet und begonnen hatte, über die dortige Crowdfunding-Plattform „kickstarter.com“ Geld für die Schwarmfinanzierung der ersten Serienproduktion zu sammeln.

 Inwieweit eine Sanierung möglich sei, könne er aktuell noch nicht sagen, teilte der Insolvenzverwalter am Donnerstag mit. Derzeit würden Gespräche mit mehreren Großgläubigern und verschiedenen Investoren geführt. Für weitere Stellungnahmen war Beck am selben Tag nicht zu erreichen.

Wie das Insolvenzverfahren auch ausgeht – das Ende der eZelleron GmbH scheint besiegelt, denn am Tag der Insolvenzeröffnung, sagte Kühn den DNN, sei die eZelleron Tubes GmbH gegründet worden – eine hundertprozentige Tochter der eZelleron Inc in den USA. Sie solle in Dresden die Produktion der Brennstoffzellen-Röhrchen weiterführen, die das Herzstück der innovativen Produkte bilden, die er offenbar noch immer auf den Markt bringen will. Die 25 Arbeitsplätze seien aktuell nicht in Gefahr, würden übernommen. Nur das Marketing werde künftig von den USA aus organisiert. Derzeit habe niemand Interesse daran, sagt der Firmengründer, die Produktion aus Dresden woanders hin zu verlagern. Schon wegen der hier bereits bestehenden Produktionsanlagen und der Nähe zur Brennstoffzellenforschung an Fraunhofer-Instituten und der TU. Und er nennt weitere Projekte, die das Unternehmen neben dem Kraftwerk für die Hosentasche irgendwann einmal in die Gewinnzone bringen sollen: Kooperationen mit der Automobilindustrie, eine Brennstoffzellen-Drohne, die mit einer Gasbetankung 24 Stunden lang in der Luft bleiben kann, kleine Brennstoffzellensysteme, die an abgelegenen Orten kurze Zeit für Strom sorgen sollen, wenn dort zum Beispiel Reparaturen anstehen. Auch in Europa stoße die Technologie auf Interesse, zum Beispiel in Frankreich und Dänemark.

Inwieweit diese Pläne realistisch sind, wird wohl vom Wohlwollen amerikanischer Investoren abhängen. Denn an die wird Kühn, der noch über die Hälfte der Anteile hält, seine Mehrheit abgeben müssen. Sollten auch sie abspringen, wäre nicht nur die Auslieferung Tausender bereits bestellter Minikraftwerke in Gefahr. Die Interessenten, die bei kickstarter.com insgesamt rund 1,5 Millionen Euro eingezahlt haben, könnten dann auch reichlich 80 Euro pro Gerät in den Wind schreiben.

Von Holger Grigutsch

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